Ein Spieltag mit alten Lieben, neuen Geschichten und einem ziemlich deutlichen Statement

Es gibt diese DEL-Sonntage, an denen sich die Geschichten beinahe von selbst schreiben. Ein Tor gegen den ehemaligen Arbeitgeber. Eine Rückkehr an die alte Wirkungsstätte. Ein Torwart, der ausgerechnet gegen seinen Heimatverein die Null hält. Und mittendrin eine Liga, die nach gerade einmal vier Spieltagen schon wieder daran erinnert, wie wenig Aussagekraft Tabellenplätze haben können – und wie viel Aussagekraft manchmal 60 Minuten Eishockey besitzen.

Der vierte Spieltag der PENNY DEL hatte davon reichlich.

Mauermann trifft die alte Liebe

In Wolfsburg dürfte Ross Mauermann diesen Sonntagabend so schnell nicht vergessen.

Der US-Amerikaner, der in Bremerhaven längst zum Rekordspieler geworden ist, traf ausgerechnet gegen die Fischtown Pinguins. Nicht nur das: Mauermann bereitete zunächst einen Treffer vor und erzielte anschließend selbst das 2:0. Am Ende stand beim 3:2 der Grizzlys gegen Bremerhaven ein persönlicher Abend mit zwei Scorerpunkten und einer kleinen Portion Eishockey-Ironie.

Mauermann war dabei nicht der Spieler mit der größten Eiszeit oder der spektakulärsten Statistik. Aber er war einer derjenigen, die den Unterschied machten. 13:40 Minuten standen am Ende für ihn auf der Uhr, dazu zwei Schüsse, ein Tor, ein Assist und eine Plus-zwei-Bilanz.

Für einen Spieler, der gegen seinen langjährigen Klub antritt, ist das ungefähr die denkbar schönste Form von Professionalität: keine große Geste, kein Nachtreten – einfach spielen.

Bremerhaven machte es Wolfsburg allerdings noch einmal unnötig spannend. Nach einer 3:0-Führung kamen die Pinguins im Schlussdrittel auf 2:3 heran. Mehr ließ Wolfsburg nicht zu. Und so blieb Mauermanns Abend ein Sieg – gegen die eigene Vergangenheit.

Abeltshauser kehrt zurück – und Frankfurt nimmt München auseinander

Noch emotionaler war die Rückkehr von Konrad Abeltshauser.

Der Verteidiger stand erstmals als Löwe im Münchner SAP Garden gegen seinen langjährigen Klub auf dem Eis. Und während auf den Rängen die Vergangenheit sichtbar war, schrieb Abeltshauser auf dem Eis an der Gegenwart.

25:54 Minuten Eiszeit. +2. Kein Punkt – aber genau die Art von Partie, die man bei einem Verteidiger nicht zwingend an der Scorerliste ablesen kann. Abeltshauser arbeitete, blockte, verteidigte und verbrachte mehr als acht Minuten im Penalty Killing auf dem Eis.

Und Frankfurt gewann.

4:1.

Das Bemerkenswerte: München begann keineswegs schlecht. Die Red Bulls hatten im ersten Drittel die besseren Aktionen und bekamen sogar eine doppelte Überzahl. Doch Frankfurt hielt dagegen, verteidigte den Slot konsequent und wartete auf seine Momente.

Nach dem 0:0 zur ersten Pause kippte die Partie. Frankfurt traf zweimal im zweiten Drittel und legte im Schlussabschnitt nach. München fand keine Antwort mehr.

Nico Pertuch hielt dabei 36 von 37 Schüssen und wurde zum wichtigen Rückhalt der Gäste. Nach dem Spiel fiel sein Satz über Abeltshauser besonders auf: „Das haben wir für Koni gemacht.“

Man kann das als nette Geschichte abtun. Oder man schaut auf die Zahlen. Abeltshauser stand fast 26 Minuten auf dem Eis und hatte die beste Plus/Minus-Bilanz unter den Frankfurter Verteidigern. Für seine Rückkehr hätte der Abend kaum besser geschrieben werden können.

Berlin macht es nüchtern

Während Frankfurt in München die große Geschichte schrieb, erledigten die Eisbären Berlin ihre Aufgabe fast schon unauffällig.

4:0 gegen Iserlohn.

Ein Spiel, in dem Berlin über 60 Minuten die Kontrolle behielt und Jonas Neffin einen besonderen Nachmittag bescherte. Der neue Eisbären-Torwart hielt gegen seinen Heimatverein zum zweiten Mal in seiner Karriere ohne Gegentor.

Vorne sorgten Liam Kirk und Ty Ronning jeweils mit einem Tor und einem Assist für die entscheidenden Akzente. Berlin gewann das erste Drittel 1:0, legte im zweiten drei weitere Treffer nach und verwaltete anschließend den Vorsprung.

Iserlohns Trainer Stefan Nyman fand danach eine ziemlich klare Erklärung: Berlin sei besser gewesen und habe die „Basics“ konstant gut gemacht.

Das klingt unspektakulär. Ist in der DEL aber häufig genau das Rezept für einen ruhigen Sonntagnachmittag.

Köln hält Augsburg auf Abstand

Auch in Augsburg wurde es nach einem starken zweiten Drittel der Gastgeber noch einmal eng.

Köln startete mit einer 2:0-Führung, Augsburg kam zurück und glich im zweiten Drittel zwischenzeitlich aus. Am Ende hatten die Haie aber das letzte Wort: 4:3.

Augsburgs D.J. Busdeker traf zweimal, Köln brachte den Vorsprung trotzdem über die Zeit.

Ein Spiel, das ziemlich gut zum Charakter dieses vierten Spieltags passte: Führungen waren nicht automatisch Sicherheiten.

Straubing gewinnt den Krimi

In Nürnberg ging es noch enger zu.

Die Partie zwischen den Ice Tigers und den Straubing Tigers wurde erst nach regulärer Spielzeit entschieden. Straubing setzte sich schließlich durch. In der Statistik fällt dabei unter anderem die starke Powerplay-Ausbeute der Tigers auf: ein Treffer bei drei Möglichkeiten.

Jakub Skarek hielt zudem sämtliche sieben auf ihn kommenden Schüsse in der erfassten Spielphase.

Ein Spieltag, der mehr erzählt als die Tabelle

Vier Spieltage sind gespielt. Noch ist die Saison jung, aber dieser Sonntag hatte bereits einige typische DEL-Zutaten.

Mauermann entscheidet das Spiel gegen seinen ehemaligen Klub.

Abeltshauser kehrt nach München zurück und steht beim Auswärtssieg fast 26 Minuten auf dem Eis.

Neffin hält gegen Iserlohn die Null.

Frankfurt gewinnt 4:1 im SAP Garden.

Berlin spielt einen 4:0-Sieg herunter, als wäre es die normalste Sache der Welt.

Und Wolfsburg muss nach einer komfortablen Führung noch einmal zittern.

Vielleicht ist genau das die kleine Erkenntnis dieses Spieltags: In dieser Liga geht es selten darum, wer über 60 Minuten schöner spielt. Es geht darum, wer in den entscheidenden fünf Minuten die richtigen Dinge tut.

Mauermann tat es.

Abeltshauser tat es.

Frankfurt tat es.

Und damit gehören zwei der persönlichen Geschichten dieses Sonntags gleichzeitig zu den schönsten Mannschaftsgeschichten.