Der vierte Spieltag der PENNY DEL bringt sieben Spiele, frühe Standortbestimmungen und zwei Wiedersehen, die diesem Sonntag eine besondere emotionale Note verleihen. Ross Mauermann trifft nach zehn Jahren auf Bremerhaven, Konrad Abeltshauser kehrt mit Frankfurt nach München zurück.

Die Saison ist noch jung, doch manche Spiele tragen bereits mehr Gewicht, als es die Tabelle vermuten lässt. Nicht, weil sie über Meisterschaft oder Play-offs entscheiden würden. Sondern weil auf dem Eis Geschichten aufeinandertreffen, die lange vor dem ersten Bully begonnen haben.

Ross Mauermann steht mit den Grizzlys Wolfsburg den Pinguins Bremerhaven gegenüber – jenem Klub, für den er ein Jahrzehnt lang spielte. Konrad Abeltshauser kommt mit den Löwen Frankfurt in den SAP Garden und trifft auf den EHC Red Bull München, mit dem er vier Meisterschaften gewann und 571 DEL-Spiele absolvierte.

Für 60 Minuten werden aus ehemaligen Teamkollegen und heutigen Freunden Gegener. Die Vergangenheit bleibt trotzdem Teil dieses Spieltags.

Mauermann gegen Bremerhaven: Zehn Jahre lassen sich nicht ausblenden

Ross Mauermann hat in Bremerhaven Spuren hinterlassen. Zehn Jahre lang trug der heute 35-Jährige das Trikot der Pinguins und wurde zu einem festen Bestandteil jener Mannschaft, die sich in der PENNY DEL etablierte und ihren eigenen Charakter entwickelte.

464 DEL-Spiele absolvierte Mauermann für Fischtown, erzielte 118 Tore und bereitete weitere 102 Treffer vor. Gemeinsam mit Spielern wie Jan Urbas und Žiga Jeglič prägte er eine Ära, die den Klub sportlich und emotional formte.

Im vergangenen Sommer endete dieses Kapitel. Mauermann wechselte nach Wolfsburg. Nun kommt es erstmals zum direkten Wiedersehen.

Wenn der Stürmer mit den Grizzlys auf das Eis geht, trifft er auf viele bekannte Gesichter. Spieler, mit denen er jahrelang die Kabine teilte, stehen ihm nun gegenüber. Aus Teamkollegen werden Gegenspieler, aus gemeinsamen Erfolgen und Rückschlägen wird für einen Nachmittag Konkurrenz.

Professionell werden beide Seiten mit dieser Situation umgehen. Dennoch lassen sich zehn Jahre nicht einfach ausblenden. Erinnerungen bleiben – an gemeinsame Spiele, lange Reisen und besondere Momente.

Sobald der Puck fällt, zählt allerdings nur noch die Gegenwart. Dann geht es um Räume, Zweikämpfe und die Frage, welches Team seine Stärken besser zur Geltung bringt.

Abeltshauser kehrt an seine frühere Wirkungsstätte zurück

Eine ähnlich besondere Konstellation gibt es in München. Konrad Abeltshauser kommt mit den Löwen Frankfurt in den SAP Garden – an einen Ort, der über viele Jahre seine sportliche Heimat war.

571 DEL-Spiele absolvierte der Verteidiger für den EHC Red Bull München. Viermal wurde er mit den Red Bulls deutscher Meister. Abeltshauser gehörte zum Münchner Kern und erlebte den Aufstieg des Klubs zu einem der erfolgreichsten Teams der Liga.

Nun trägt er das Trikot der Löwen.

Damit verändert sich auch seine Rolle grundlegend. Abeltshauser kennt die Halle, die Abläufe und viele Spieler auf der anderen Seite. Frankfurt reist jedoch nicht nach München, um Erinnerungen auszutauschen, sondern um Punkte mitzunehmen.

Für die Münchner Fans dürfte es dennoch ein ungewohntes Bild sein, den langjährigen Verteidiger im Trikot des Gegners zu sehen. Abeltshauser kennt München – und München kennt Abeltshauser. Für die Dauer des Spiels muss diese Vertrautheit jedoch in den Hintergrund treten.

Denn am Ende entscheidet nicht die gemeinsame Vergangenheit, sondern die Leistung auf dem Eis.

Nürnberg will die Tabellenführung bestätigen

Während Mauermann und Abeltshauser ihre persönlichen Geschichten schreiben, geht es für die übrigen Teams um wichtige frühe Standortbestimmungen.

An der Tabellenspitze stehen die Nürnberg Ice Tigers. Drei Spiele, drei Siege, neun Punkte – der Start der Franken hätte kaum besser ausfallen können. Hinzu kommt der Erfolg im vorgezogenen Spiel gegen Mannheim.

Nun wartet Straubing.

Die Tigers reisen mit ihrem ersten Saisonsieg an. Nach der Niederlage gegen Berlin und dem 6:3-Misserfolg gegen Krefeld gelang am Freitag ein überzeugendes 4:1 gegen Ingolstadt.

Damit treffen zwei Mannschaften mit unterschiedlichen Ausgangslagen aufeinander. Nürnberg möchte den eigenen Lauf bestätigen und die Tabellenführung verteidigen. Straubing will den Erfolg gegen Ingolstadt nutzen, um daraus eine erste Serie entstehen zu lassen.

Für weitreichende Prognosen ist es noch zu früh. Dennoch zeigen die ersten Wochen, welche Teams bereits ihren Rhythmus gefunden haben – und welche noch nach ihrer Stabilität suchen.

München und Frankfurt: Enge Ausgangslage, besondere Vorgeschichte

Auch das Duell zwischen München und Frankfurt verspricht sportlich Spannung.

Die Red Bulls haben sechs Punkte aus den ersten drei Spielen gesammelt und zuletzt mit dem 4:1 in Bremerhaven ihren ersten Auswärtssieg gefeiert. Frankfurt startete mit einem 5:0 in Schwenningen stark, musste danach jedoch gegen Köln und Nürnberg Niederlagen hinnehmen und steht aktuell bei vier Punkten.

Tabellarisch liegen beide Mannschaften damit nicht weit auseinander. Die besondere Aufmerksamkeit dürfte dennoch zunächst Konrad Abeltshauser gelten.

Für München geht es darum, den positiven Eindruck aus Bremerhaven zu bestätigen. Frankfurt will nach den jüngsten Rückschlägen wieder punkten. Abeltshauser wiederum erlebt einen Abend, an dem seine Vergangenheit unmittelbar auf seine Gegenwart trifft.

Spätestens mit dem ersten Bully wird daraus jedoch ein normales DEL-Spiel – mit Zweikämpfen, Special Teams und der Suche nach Punkten.

Wolfsburg gegen Bremerhaven: Offensive Wucht trifft defensive Stabilität

Auch unabhängig von Mauermanns Rückkehr bietet die Partie zwischen Wolfsburg und Bremerhaven eine interessante sportliche Konstellation.

Die Grizzlys haben in den ersten drei Spielen 15 Tore erzielt und damit ihre offensive Qualität unterstrichen. Bremerhaven kassierte dagegen bislang nur sechs Gegentore und präsentierte sich defensiv besonders stabil.

Wolfsburg bringt also viel Durchschlagskraft mit, während die Pinguins vor allem über ihre Ordnung und defensive Zuverlässigkeit kommen. Für Mauermann ist es zudem ein Gegner, dessen Spielweise er aus vielen gemeinsamen Jahren bestens kennt.

Ob dieses Wissen einen entscheidenden Vorteil bringt, wird sich zeigen. Sicher ist nur: Sobald der Puck fällt, beginnt für beide Seiten ein neues Kapitel.

Berlin empfängt die noch sieglosen Roosters

Der amtierende Meister Eisbären Berlin ist ebenfalls gefordert. Die Hauptstädter empfangen die Iserlohn Roosters und gehen mit fünf Punkten aus den ersten drei Spielen in den Spieltag.

Zuletzt setzte sich Berlin in Köln in einem spektakulären Duell mit 6:5 nach Penaltyschießen durch. Iserlohn wartet dagegen noch auf den ersten Saisonsieg.

Die Ausgangslage scheint damit klar, doch gerade in der frühen Saisonphase können einzelne Spiele eine neue Dynamik auslösen. Iserlohn braucht ein Erfolgserlebnis, Berlin will verhindern, dass weitere Punkte liegen bleiben.

Augsburg trifft auf torhungrige, aber anfällige Haie

In Augsburg treffen zwei Mannschaften aufeinander, deren bisherige Saisonverläufe unterschiedlicher kaum sein könnten.

Die Panther sind gut gestartet und haben aus den ersten drei Spielen fünf Punkte geholt. Köln steht zwar erst bei drei Zählern, erzielte aber bereits 13 Tore.

Die Schwäche der Haie liegt bislang in der Defensive: 18 Gegentore stehen nach drei Partien zu Buche. Für Köln wird es deshalb darauf ankommen, die eigene offensive Qualität zu nutzen, ohne Augsburg gleichzeitig zu viele Möglichkeiten zu eröffnen.

Krefeld und Schwenningen unter Zugzwang

In Krefeld treffen zwei Teams aufeinander, die dringend Punkte benötigen.

Der Aufsteiger hat mit dem 6:3 in Straubing bereits ein Ausrufezeichen gesetzt und gezeigt, dass er in der DEL mithalten kann. Den Siegen folgten allerdings Niederlagen gegen Mannheim und Augsburg.

Schwenningen wartet noch auf den ersten Erfolg, konnte beim 3:4 nach Verlängerung in Wolfsburg aber immerhin zwei Punkte mitnehmen.

Krefeld möchte den Abstand zum Tabellenende vergrößern. Schwenningen braucht dagegen den ersten Sieg, um den Anschluss nicht frühzeitig zu verlieren.

Mannheim will in Ingolstadt zurück in die Erfolgsspur

Zum Abschluss des Spieltags empfängt der ERC Ingolstadt die Adler Mannheim.

Mannheim hat sieben Punkte gesammelt und damit einen starken Saisonstart hingelegt. Zuletzt mussten sich die Adler allerdings Nürnberg geschlagen geben. In Ingolstadt bietet sich nun die Gelegenheit zur Reaktion.

Der ERC reist seinerseits mit Rückenwind an. Das 4:1 in Straubing war nach zwei Niederlagen ein wichtiges Erfolgserlebnis und soll den Auftakt zu einer besseren Phase bilden.

Mannheim will beweisen, dass die Niederlage in Nürnberg ein Ausrutscher war. Ingolstadt möchte zeigen, dass der Sieg in Straubing mehr als nur ein einzelner Lichtblick gewesen ist.


KEY FACTS – der 4. Spieltag

Sieben Spiele, ein kompletter Spieltag: Die PENNY DEL trägt heute alle sieben Partien des vierten Spieltags aus.

Nürnberg an der Spitze: Die Ice Tigers haben nach drei Spieltagen neun Punkte gesammelt.

Emotionales Wiedersehen: Ross Mauermann trifft nach zehn Jahren in Bremerhaven erstmals als Spieler der Grizzlys auf die Pinguins.

Rückkehr nach München: Konrad Abeltshauser kommt mit Frankfurt in den SAP Garden – nach 571 DEL-Spielen und vier Meisterschaften mit München.

Unterschiedliche Profile: Wolfsburg erzielte bislang 15 Tore, Bremerhaven kassierte erst sechs Gegentreffer.

Der Meister ist gefordert: Berlin empfängt die noch sieglosen Iserlohn Roosters.

Der Aufsteiger will nachlegen: Krefeld trifft auf Schwenningen.

Abendspiel: Um 19 Uhr empfängt Ingolstadt die Adler Mannheim.


Ein Spieltag mit Vergangenheit und Gegenwart

Am Ende geht es auch an diesem Sonntag um drei Punkte. Doch manche Spiele erzählen mehr als ihr Ergebnis.

In Wolfsburg trifft Ross Mauermann auf den Klub, für den er zehn Jahre lang spielte. In München kehrt Konrad Abeltshauser an seine frühere Wirkungsstätte zurück. Gleichzeitig kämpfen Nürnberg, Mannheim, Berlin und die übrigen Teams um wichtige Punkte und erste Orientierung in einer noch jungen Saison.

Die Tabelle wird nach diesem Spieltag neue Zahlen zeigen. Die persönlichen Geschichten bleiben.

Sieben Spiele, zwei besondere Rückkehrer – und ein Sonntag, an dem die Vergangenheit für 60 Minuten zum Gegner wird.