
Iserlohn reist ohne Saisonsieg zu den Adlern. Mannheim will nach der Niederlage in Ingolstadt ebenfalls zurück in die Erfolgsspur. Für die Roosters ist die Partie mehr als nur das nächste Saisonspiel: Nach vier Niederlagen stellt sich die Frage, wie schnell der große personelle Umbruch zu einer funktionierenden Mannschaft werden kann.
Es gibt diese frühen Saisonspiele, die noch keine große Aussagekraft besitzen sollen – und dann gibt es jene, bei denen sich bereits erste Fragen nicht mehr wegdiskutieren lassen.
Für die Iserlohn Roosters gehört das Duell bei den Adlern Mannheim zweifellos zur zweiten Kategorie.
Vier Spiele sind absolviert, viermal verließ Iserlohn das Eis ohne Sieg. Gegen Ingolstadt gab es zum Auftakt eine 3:4-Niederlage, anschließend folgten ein 1:2 in Bremerhaven, das bittere 2:3 nach Penaltyschießen gegen Augsburg und zuletzt ein 0:4 bei den Eisbären Berlin.
Die Tabelle ist nach wenigen Spieltagen naturgemäß nur eine Momentaufnahme. Die fehlenden Punkte sind dennoch Realität.
Und genau deshalb bekommt das Spiel in Mannheim eine besondere Bedeutung.
Ein Umbruch, der Geduld verlangt – aber auch Ergebnisse
Iserlohn hat im Sommer einen erheblichen Umbruch vollzogen. Rund die Hälfte des Kaders wurde verändert, insbesondere in der Defensive gab es zahlreiche neue Gesichter.
Das ist einerseits eine Chance. Andererseits bedeutet ein solcher Umbau, dass Automatismen nicht einfach mit dem ersten Saisonspiel vorhanden sind.
Ein Verteidiger muss wissen, wann sein Partner absichert. Ein Stürmer muss erkennen, wann er den Forecheck unterstützt und wann er besser absichert. Laufwege, Abstände und Entscheidungen entstehen nicht allein durch taktische Vorgaben – sie müssen gemeinsam entwickelt werden.
Cheftrainer Stefan Nyman steht deshalb vor der Aufgabe, aus vielen neuen Einzelteilen möglichst schnell eine Mannschaft zu formen.
Die ersten Spiele zeigen dabei ein durchaus gemischtes Bild.
Gegen Augsburg führte Iserlohn mit 2:0 und hatte den ersten Saisonsieg vor Augen. Am Ende reichte es trotzdem nicht. In Berlin dagegen blieb die Offensive komplett ohne Treffer.
Genau diese Schwankungen müssen die Roosters möglichst schnell reduzieren.
Gegen Mannheim darf es nicht wieder zu einfach werden
Die Adler Mannheim verfügen über genügend individuelle Qualität, um Fehler zu bestrafen.
Für Iserlohn wird deshalb vor allem die defensive Struktur entscheidend sein. Die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen dürfen nicht zu groß werden. Scheibenverluste im Aufbau müssen minimiert werden. Und vor allem darf Mannheim nicht zu langen Druckphasen im eigenen Drittel eingeladen werden.
Denn je länger die Adler dort spielen können, desto schwieriger wird es für die Roosters, sich zu befreien.
Gleichzeitig wäre es zu einfach, Iserlohns Aufgabe ausschließlich defensiv zu betrachten.
Nach dem torlosen Auftritt in Berlin braucht die Mannschaft offensiv mehr Durchschlagskraft. Chancen müssen nicht nur erarbeitet, sondern irgendwann auch verwertet werden.
Einer, von dem dabei einiges erwartet wird, ist Christian Thomas.
Der Kanadier erzielte in der vergangenen Saison 21 Tore und war damit Iserlohns bester Torschütze. In der laufenden Spielzeit wartet er bislang noch auf seinen ersten Treffer.
Ein Tor in Mannheim würde nicht nur seiner persönlichen Statistik guttun. Für eine Mannschaft, die bislang Schwierigkeiten mit dem Toreschießen hatte, wäre es auch ein wichtiges Signal.
Die neue Defensive im Fokus
Besonders interessant ist die Entwicklung der neu zusammengestellten Verteidigung.
Mit Mac Hollowell kam beispielsweise ein Spieler nach Iserlohn, der Erfahrung aus der KHL und sechs NHL-Einsätze mitbringt. Von ihm wird erwartet, dass er Stabilität und Spielaufbau in die Defensive bringt.
Doch auch ein einzelner Neuzugang kann eine komplette Abwehr nicht stabilisieren.
Das Zusammenspiel muss funktionieren.
Und genau dort liegt eine der interessanten Beobachtungen für die kommenden Wochen: Wie schnell gelingt es den neuen Verteidigern, ihre Rollen zu finden?
Denn die Roosters brauchen nicht zwingend spektakuläre Defensivleistungen. Sie brauchen vor allem Verlässlichkeit.
Weniger unnötige Chancen für den Gegner. Weniger verlorene Zweikämpfe an der falschen Stelle. Weniger hektische Aktionen unter Druck.
Zwischen den Pfosten gibt es dagegen Kontinuität
Auf der Torhüterposition setzt Iserlohn weiterhin auf Andreas Jenike und Hendrik Hane.
Beide kennen das Umfeld, die Liga und die Anforderungen.
Gerade in einer Phase, in der sich die Mannschaft vor ihnen erst finden muss, kommt dem Torhüterduo eine wichtige Rolle zu.
Allerdings gilt auch hier: Ein Torhüter kann eine Mannschaft lange im Spiel halten. Er kann aber nicht dauerhaft strukturelle Probleme lösen.
Die Roosters müssen es ihren Goalies ermöglichen, Spiele zu gewinnen – und nicht ständig verlangen, dass sie Spiele alleine offenhalten.
Mannheim kommt ebenfalls nicht mit perfekter Bilanz
Dass die Adler als Gegner nicht unverwundbar sind, zeigt ihr eigener Saisonstart.
Mannheim konnte bereits Siege einfahren, musste aber ebenfalls Niederlagen hinnehmen. Zuletzt gab es beim ERC Ingolstadt eine 2:3-Niederlage nach Verlängerung.
Damit geht auch Mannheim mit dem Wunsch nach einer Reaktion in die Partie.
Hinzu kommt eine personelle Besonderheit hinter der Bande.
Cheftrainer Dallas Eakins fehlt aufgrund einer bereits geplanten Scouting-Reise. Marcel Goc übernimmt seine Aufgaben.
Für Mannheim ist das sicherlich keine völlig neue Situation. Trotzdem wird interessant sein, ob sich die Mannschaft unter veränderten Rahmenbedingungen genauso konsequent präsentiert wie gewohnt.
Ein Duell mit unterschiedlichen Ausgangslagen
Die beiden Mannschaften gehen also mit unterschiedlichen Ausgangslagen in das Spiel.
Mannheim hat bereits Punkte gesammelt und spielt vor heimischem Publikum. Iserlohn dagegen wartet noch auf den ersten Sieg und muss den eigenen Saisonstart korrigieren.
Das bedeutet aber nicht automatisch, dass die Rollen auf dem Eis eindeutig verteilt sind.
Gerade für Iserlohn kann die Situation eine gewisse Klarheit schaffen.
Niemand muss nach vier Niederlagen mehr erklären, dass die Mannschaft gut genug für die Liga sei. Jetzt geht es darum, es auf dem Eis zu zeigen.
Und zwar nicht unbedingt durch spektakuläres Eishockey.
Vielleicht ist genau das momentan gar nicht nötig.
Die Roosters brauchen zunächst Stabilität. Ein gutes erstes Drittel. Konsequenz in den Zweikämpfen. Saubere Wechsel. Klare Entscheidungen mit der Scheibe. Und die Bereitschaft, auch dann im Spiel zu bleiben, wenn Mannheim seine stärkeren Phasen bekommt.
Was passiert, wenn Iserlohn wieder in Führung geht?
Eine besonders interessante psychologische Komponente könnte entstehen, sollte Iserlohn erneut früh in Führung gehen.
Gegen Augsburg gelang genau das – und trotzdem verlor die Mannschaft anschließend die Partie.
Mannheim wird deshalb versuchen, einen Rückstand schnell zu beantworten. Für Iserlohn wäre es umgekehrt wichtig, nicht in alte Muster zu verfallen.
Eine Führung muss nicht verteidigt werden, indem man sich komplett zurückzieht.
Sie muss verteidigt werden, indem man weiterhin sein Spiel spielt.
Das klingt banal, ist im Eishockey aber häufig der entscheidende Unterschied.
Für Nyman beginnt die Phase der Antworten
Stefan Nyman steht nach vier Spielen nicht vor einer grundsätzlichen Trainerdiskussion. Dafür ist die Saison schlicht zu jung und der Kaderumbau zu groß.
Aber die kommenden Spiele werden zeigen, ob seine Mannschaft die gewünschte Entwicklung nimmt.
Trainer können Systeme erklären. Sie können Rollen definieren. Sie können Trainingsinhalte wiederholen.
Irgendwann muss sich das allerdings im Spiel widerspiegeln.
Mannheim ist dafür ein interessanter Prüfstein.
Die Adler verfügen über individuelle Qualität, gleichzeitig sind auch sie noch dabei, ihre Saison zu finden. Für Iserlohn könnte die Partie deshalb zeigen, ob die Mannschaft bereits in der Lage ist, gegen einen solchen Gegner über 60 Minuten kompakt und diszipliniert aufzutreten.
Mehr als nur drei Punkte
Natürlich geht es am Ende um Punkte.
Für Iserlohn wäre der erste Saisonsieg entsprechend wichtig.
Doch vielleicht geht es an diesem Abend um etwas, das sich nicht unmittelbar auf der Anzeigetafel ablesen lässt.
Die Roosters müssen zeigen, dass aus dem personellen Umbruch eine Mannschaft entstehen kann.
Dass eine 2:0-Führung nicht automatisch aus der Hand gegeben wird.
Dass ein Gegentor nicht zum Bruch führt.
Dass eine schwierige Phase nicht gleichbedeutend mit einem verlorenen Spiel ist.
Und dass die Offensive irgendwann wieder regelmäßig genug produziert, um die Arbeit der Defensive und der Torhüter zu belohnen.
Mannheim wird dabei wenig Interesse daran haben, Iserlohn Zeit zur Entwicklung zu geben.
Die Adler wollen nach der Niederlage in Ingolstadt selbst eine Antwort liefern.
Damit treffen am Donnerstagabend zwei Mannschaften aufeinander, die aus unterschiedlichen Gründen etwas gutzumachen haben.
Für die Roosters geht es dabei erstmals in dieser Saison um mehr als einen guten Ansatz.
Es geht um die Antwort auf vier Niederlagen.
Und die wird nicht in Pressekonferenzen gegeben.
Sondern auf dem Eis der SAP Arena.

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