
Die Nürnberg Ice Tigers beenden die DEL-Saison 2025/26 dort, wo sie über weite Strecken auch hingehört haben: im Mittelfeld. Platz zehn, 68 Punkte, ein Torverhältnis von 162:178. Zahlen, die auf den ersten Blick unspektakulär wirken. Zahlen, die aber ziemlich genau erzählen, was diese Spielzeit der Franken war.
Denn die Ice Tigers waren selten langweilig. Sie konnten Spiele offensiv an sich reißen, Gegner unter Druck setzen und an guten Abenden mit jeder Mannschaft der Liga mithalten. Gleichzeitig fanden sie nie die Stabilität, die notwendig gewesen wäre, um aus einem Pre-Playoff-Team einen ernsthaften Viertelfinalkandidaten zu machen.
Das größte Problem steht am Ende schwarz auf weiß in der Statistik: 178 Gegentore. Wer über die Saison hinweg mehr als drei Treffer pro Partie kassiert, muss offensiv schon außergewöhnlich gut sein, um dauerhaft erfolgreich zu sein. Nürnberg war gut. Aber eben nicht gut genug.
Dabei hatte die Mannschaft durchaus Spieler, die den Unterschied machen konnten.
Allen voran Evan Barratt. Der Kanadier war nicht nur der beste Scorer der Ice Tigers, sondern der Taktgeber der gesamten Offensive. 65 Punkte in 51 Spielen, davon beeindruckende 49 Assists. Barratt war der Spieler, der Angriffe verlängerte, Räume fand und Mitspieler besser machte. Wenn Nürnberg offensiv funktionierte, führte meist eine Linie direkt zu seiner Nummer.
Neben ihm entwickelte sich Samuel Dove-McFalls zum zuverlässigsten Torjäger der Mannschaft. 23 Tore und 43 Punkte sprechen für sich. Noch bemerkenswerter ist jedoch sein Plus-Minus-Wert von +12 – ein Indikator dafür, dass seine Produktion nicht auf Kosten der Defensive ging. In einer Saison, in der viele Nürnberger Leistungsträger bei dieser Statistik im Minus landeten, sticht dieser Wert heraus.
Auch Tyler Spezia, Brett Murray und Cole Maier lieferten ihren Beitrag. Nürnberg verfügte über genügend Offensivqualität, um Spiele zu gewinnen. Das war nicht das Problem.
Interessant ist vielmehr, dass die vielleicht wichtigste Entwicklung der Saison in der Verteidigung stattfand.
Owen Headrick war über Monate hinweg der Motor der Defensive. 38 Punkte als Verteidiger, über 24 Minuten Eiszeit pro Spiel und Verantwortung in praktisch jeder Spielsituation. Der Kanadier musste enorme Last schultern und war einer der wenigen Nürnberger Akteure, die konstant auf hohem Niveau performten.
Noch spannender fällt allerdings der Blick auf Julius Karrer aus. Mit 22 Punkten und einem teaminternen Bestwert von +13 machte der Verteidiger einen deutlichen Schritt nach vorne. Während Nürnberg insgesamt oft nach Balance suchte, war Karrer einer der wenigen Spieler, die genau diese Balance verkörperten.
Im Tor wechselten sich Niklas Treutle und Evan Fitzpatrick ab. Die nackten Zahlen wirken zunächst durchschnittlich: Fangquoten von 89,6 beziehungsweise 88,5 Prozent. Wer die Saison jedoch verfolgt hat, weiß, dass beide Torhüter häufig schwierige Arbeitstage erlebten. Nürnberg erlaubte seinen Gegnern zu viele gefährliche Chancen, zu viele freie Abschlüsse und zu viele Situationen, in denen die Torhüter nur noch reagieren konnten.
Deshalb wäre es zu einfach, die Ursachen für Platz zehn ausschließlich zwischen den Pfosten zu suchen.
Die Wahrheit dieser Saison liegt vielmehr irgendwo zwischen offensiver Klasse und defensiver Anfälligkeit.
Die Ice Tigers waren gut genug, um Hoffnung zu machen. Aber nicht stabil genug, um daraus mehr zu machen.
Am Ende bleibt eine Mannschaft, die einige interessante Bausteine für die Zukunft besitzt. Mit Barratt, Dove-McFalls, Headrick und mehreren entwicklungsfähigen deutschen Spielern ist ein Fundament vorhanden. Gleichzeitig zeigt die Differenz zwischen 162 erzielten und 178 kassierten Toren unmissverständlich, woran gearbeitet werden muss.
Die Saison 2025/26 war keine Enttäuschung. Aber sie war auch kein Schritt nach vorne.
Sie war vor allem eine Erinnerung daran, wie schmal der Grat zwischen einem Pre-Playoff-Team und einem echten Überraschungskandidaten in der DEL sein kann.

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