
Die PENNY DEL liefert am dritten Spieltag früh das, was diese Liga so schwer greifbar macht: Dramatik, Comebacks, enge Spiele – und ein Team, das offenbar gerade keine Lust auf Fehltritte hat.
Vier Spiele, vier Siege. Die Nürnberg Ice Tigers stehen nach ihrem 2:1 bei den Löwen Frankfurt weiterhin ohne Punktverlust da. Dahinter sortiert sich die Liga bereits neu: Mannheim springt nach dem 4:1 gegen Krefeld nach oben, München überzeugt an der Nordseeküste, Straubing dreht einen 0:1-Rückstand gegen Ingolstadt – und Schwenningen beendet in Wolfsburg die Suche nach dem ersten Erfolg.
Doch über allem thront ein Spiel, das man eigentlich nicht zusammenfassen sollte, ohne kurz Luft zu holen.
Köln gegen Berlin. 5:6 nach Penaltyschießen.
Köln kämpft sich zurück – und Berlin bleibt stehen
Es gibt Spiele, bei denen ein Ergebnis die Geschichte nur unzureichend erzählt. Dieses gehört dazu.
Die Eisbären führten in Köln zu Beginn des dritten Drittels mit 5:3. Eigentlich eine komfortable Ausgangslage. Eigentlich. Denn die Haie weigerten sich, dieses Spiel abzugeben.
Zwei späte Treffer brachten Köln zurück. Aus 3:5 wurde 5:5, die Partie ging zunächst in die Verlängerung und anschließend ins Penaltyschießen.
Dort wurde es minimalistisch: Jean-Luc Foudy war der einzige Spieler, der seinen Versuch verwandelte. Berlin nahm damit den zweiten Punkt aus der Domstadt mit.
Foudy hatte ohnehin einen Abend, der sich sehen lassen konnte: zwei Tore in der regulären Spielzeit beziehungsweise insgesamt zwei Treffer im Spielbericht – und dazu der entscheidende Penalty.
Auf Kölner Seite ragten Marcel Noebels und Patrick Russell heraus. Noebels kam auf zwei Tore und einen Assist, Russell auf ein Tor und zwei Vorlagen. Drei Punkte für beide – und trotzdem kein Sieg.
Das ist die bittere Seite eines solchen Hockeyabends: Du produzierst fünf Tore zu Hause und bekommst trotzdem nur einen Punkt.
Berlin dagegen nimmt genau das mit, was große Mannschaften an solchen Abenden brauchen: zwei Punkte, obwohl das Spiel zwischendurch aus den Händen zu gleiten drohte.
Nürnberg macht Nürnberg-Sachen
Während in Köln das Chaos regierte, ging es in Frankfurt deutlich kontrollierter zu.
Die Ice Tigers kamen bei den Löwen zu einem 2:1 und stehen damit bei vier Siegen aus vier Spielen.
Nürnberg musste dafür nicht glänzen. Zwei Tore im ersten Drittel reichten, anschließend wurde verteidigt, geblockt und verwaltet.
Frankfurt kam im zweiten Abschnitt noch einmal heran, doch das letzte Drittel blieb torlos.
Genau solche Spiele entscheiden am Ende Tabellenplätze: Nicht jedes Spiel wird spektakulär gewonnen. Manche werden einfach gewonnen.
Und Nürnberg scheint momentan genau dafür eine Lösung zu haben.
Mannheim: Geduld zahlt sich aus
In Mannheim dauerte es ebenfalls eine Weile, bis das Spiel Fahrt aufnahm.
Nach einem torlosen ersten Drittel zogen die Adler gegen Krefeld im zweiten Abschnitt auf 2:1 davon. Im letzten Drittel legte Mannheim nach und machte aus dem engen Spiel einen 4:1-Heimsieg.
Das Ergebnis sieht am Ende deutlicher aus, als die Partie lange war.
Für Mannheim zählt zunächst aber etwas anderes: drei Punkte – und der Sprung in der Tabelle.
München findet die Lücke
Bremerhaven gegen München war dagegen lange eine zähe Angelegenheit.
Nach 20 Minuten stand es 0:0. Dann schlug München im Mittelabschnitt gleich dreimal zu.
0:3 nach 40 Minuten.
Damit war die Richtung vorgegeben. Bremerhaven kam im Schlussdrittel zwar noch zum Anschlusstreffer, München ließ sich den Abend aber nicht mehr nehmen und gewann 4:1.
Die Red Bulls machten genau das, was man von einem Spitzenteam erwartet: Wenn das Spiel lange nicht aufgehen will, muss man geduldig bleiben. Und wenn sich die Tür öffnet, muss man hindurch.
Straubing dreht das Spiel im letzten Drittel
Noch eindrucksvoller war der Verlauf in Straubing.
Der ERC Ingolstadt führte nach 20 Minuten mit 1:0. Nach dem zweiten Drittel stand es weiterhin so.
Und dann kam das dritte Drittel.
Vier Tore.
Straubing drehte das Spiel komplett und gewann am Ende mit 4:1.
Es war der erste Saisonsieg der Tigers – und gleichzeitig eine Erinnerung daran, wie schnell sich ein Hockeyspiel verändern kann.
40 Minuten lang war Ingolstadt auf Kurs. 20 Minuten später stand der ERC mit leeren Händen da.
Schwenningen wartet nicht länger
Und dann wäre da noch Schwenningen.
Die Wild Wings mussten bis zur Verlängerung warten, aber dort war der Jubel umso größer.
Nach 60 Minuten stand es in Wolfsburg 3:3. 64:12 waren auf der Uhr, als Mirko Höfflin den entscheidenden Treffer erzielte – vorbereitet von Eric Martinsson und Borna? Nein: Die offizielle DEL-Aufzeichnung nennt Martinsson und Cornel als Vorlagengeber.
Damit gewann Schwenningen 4:3 nach Verlängerung und feierte den ersten Saisonsieg.
Für Wolfsburg bleibt dagegen der bittere Gedanke: Aus einer Partie, die nach 60 Minuten immerhin einen Punkt brachte, wurden in der Overtime null weitere.
Der Spieltag in Zahlen
Partie
Ergebnis
Kölner Haie – Eisbären Berlin
5:6 n. P.
Löwen Frankfurt – Nürnberg Ice Tigers
1:2
Adler Mannheim – Krefeld Pinguine
4:1
Pinguins Bremerhaven – EHC Red Bull München
1:4
Straubing Tigers – ERC Ingolstadt
4:1
Grizzlys Wolfsburg – Schwenninger Wild Wings
3:4 n. V.
Dazu kam bereits am Donnerstag Iserlohn – Augsburg 2:3 nach Penaltyschießen. Damit wurde der dritte Spieltag auf zwei Tage verteilt.
Was bleibt?
Vor allem eines: Diese Saison ist noch jung – aber langweilig wird sie offenbar nicht.
Nürnberg hat nach vier Spielen noch keinen Punkt abgegeben. Berlin gewinnt ein wildes Spiel in Köln. Mannheim, München und Straubing sammeln wichtige drei Punkte. Schwenningen findet endlich den ersten Sieg.
Und Köln?
Die Haie zeigen, dass sie selbst einen Zwei-Tore-Rückstand in wenigen Minuten ausradieren können. Gleichzeitig zeigt der Abend, dass fünf Tore zu Hause manchmal nicht reichen.
Das ist die PENNY DEL.
Und wenn der dritte Spieltag ein Vorgeschmack war, dürfte es in den kommenden Wochen noch einige Abende geben, an denen man sich fragt, wie dieses Spiel eigentlich schon wieder so ausgehen konnte.
Der vierte Spieltag wartet bereits.

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