
14 Mannschaften, unzählige Transfers, neue Gesichter, alte Bekannte und jede Menge unterschiedliche Ideen. Die Sommerpause der PENNY DEL war einmal mehr eine Mischung aus Kaderumbau, Feintuning und der großen Hoffnung, dass die Neuzugänge genau das mitbringen, was auf dem Papier versprochen wurde.
Doch welcher Club hat seinen Sommer tatsächlich am überzeugendsten genutzt?
Genau das wollten wir in unserem großen Transfercheck herausfinden. Dabei geht es ausdrücklich nicht um eine Prognose der Abschlusstabelle. Wir bewerten die Kaderplanung für die Saison 2026/27: Qualität der Neuzugänge, Abgänge, Kaderbalance, Tiefe, Erfahrung und natürlich auch das Risiko, das jeder Club mit seinem Sommer eingegangen ist.
Und damit genug der Vorrede.
Hier kommt unser Ranking aller 14 DEL-Teams.
Platz 14: Iserlohn Roosters
Viel Bewegung, aber noch ziemlich viele Fragezeichen
Iserlohn hat im Sommer ordentlich durchgelüftet. Zwölf Abgänge stehen gerade einmal drei prominenteren Neuzugängen gegenüber: Cole Maier, Peter Quenneville und Justin Scott.
Das Problem ist nicht, dass diese Spieler uninteressant wären. Das Problem ist die Menge an Erfahrung, die gleichzeitig aus dem Sauerland verschwunden ist.
Taro Jentzsch, Eric Cornel, Daniel Fischbuch, Henrik Törnqvist, Eirik Salsten, Anthony Camara und weitere Spieler sind weg. Damit muss ausgerechnet ein Team, das ohnehin häufig über Kampf und Geschlossenheit kommt, ziemlich viele neue Rollen verteilen.
Quenneville und Scott bringen Erfahrung mit, Maier kennt die Liga ebenfalls. Aber dahinter wird die Frage nach der Tiefe schnell interessant.
Iserlohn hat also durchaus die Chance, uns eines Besseren zu belehren. Nur: Der Sommer fühlt sich zunächst nach einer ziemlich großen Wette an.
Die Roosters haben viele Karten neu gemischt. Jetzt müssen sie hoffen, dass das Blatt aufgeht.
Platz 13: Löwen Frankfurt
„Neuer Trainer“, neue Gesichter jetzt muss daraus eine Mannschaft werden
Auch Frankfurt hat sich für einen größeren Umbruch entschieden.
Mit Tom Pokel steht ein neuer Head Coach hinter der Bande, gleichzeitig verließen unter anderem Chris Wilkie, Nathan Burns, Dennis Lobach, Jakob Lilja und Ryan McKiernan den Club.
Auf der anderen Seite kamen mit Adam Scheel, Nico Pertuch, Björn Krupp, Konrad Abeltshauser und Brandon Biro einige interessante Namen.
Vor allem die Torhüterposition wurde neu aufgestellt. Dazu kommt mit Abeltshauser ein Spieler, der nicht nur Erfahrung, sondern auch eine Menge DEL-Hintergrund mitbringt.
Die Löwen haben also nicht einfach blind ausgetauscht. Die Idee hinter dem Umbau ist erkennbar.
Nur muss aus diesen Einzelteilen relativ schnell ein funktionierendes Gesamtbild entstehen.
Frankfurt hat einen interessanten Sommer hinter sich. Aber interessant ist eben noch nicht automatisch eingespielt.
Platz 12: Nürnberg Ice Tigers
Der Neustart mit ordentlich Entwicklungspotenzial
Nürnberg gehört zu den Mannschaften, bei denen man im Sommer vermutlich am häufigsten zweimal auf den Kader schauen musste.
Zehn Abgänge und acht Neuzugänge sorgen für ordentlich Bewegung.
Will Graber ging nach Wolfsburg, Cole Maier nach Iserlohn, Roman Kechter nach Bremerhaven und Jackson Cates zurück nach Nordamerika. Dazu verließen weitere Spieler den Club.
Sportdirektor Stefan Ustorf reagierte vor allem in der Defensive und holte unter anderem Owen Headrick, Chris Jandric und Ryan Jones. Im Angriff kamen Spieler wie Evan Barratt, Samuel Dove-McFalls, William Dufour und Austin Magera dazu.
Besonders spannend: Noah Samanski, der aus Weiden kommt und noch ganz am Anfang seiner Entwicklung steht.
Nürnberg hat damit eine Mannschaft zusammengestellt, die durchaus interessant werden kann.
Aber genau das ist der Punkt: Sie kann interessant werden.
Wie schnell aus vielen neuen Puzzleteilen ein fertiges Bild wird, gehört zu den großen Nürnberger Fragen dieser Saison.
Platz 11: Schwenninger Wild Wings
Nicht der lauteste Sommer, aber einer mit Substanz
Schwenningen hat auf dem Transfermarkt nicht unbedingt die größten Schlagzeilen produziert. Dafür wurde an mehreren Stellen gezielt nachgebessert.
Eric Cornel kommt aus Iserlohn, Austin Ortega aus Dresden, Reed Lebster aus Nordamerika. Dazu wurden mit Alex Peters und Bode Wilde zwei weitere Verteidiger verpflichtet.
Gleichzeitig gab es einige schmerzhafte Abgänge. Thomas Larkin, Ben Marshall und Christopher Gibson beendeten ihre Karrieren, die Spink-Brüder gingen nach Dresden und Felix Maegaard Scheel nach Augsburg.
Trotzdem bleibt bei den Wild Wings ein ziemlich ordentliches Grundgerüst erhalten.
Schwenningen ist deshalb eines dieser Teams, bei denen man nicht unbedingt nach dem einen spektakulären Transfer suchen sollte.
Die Wild Wings wollen offenbar nicht glänzen. Sie wollen funktionieren.
Platz 10: Krefeld Pinguine
Der Aufsteiger macht keine halben Sachen
Nach dem DEL2-Meistertitel hätte Krefeld theoretisch versuchen können, mit dem bestehenden Gerüst und ein paar Verstärkungen in die DEL zu gehen.
Stattdessen wurde vor allem bei den Importpositionen ordentlich investiert.
Juha Jatkola kommt aus Finnland, Max Gildon aus Bozen, Stuart Percy aus Plzeň. Im Angriff wurden mit Kevin Wall, Tanner Kero und Luca Hauf gleich mehrere neue Optionen geschaffen.
Das sieht nach einem Club aus, der ziemlich genau verstanden hat, dass DEL2 und PENNY DEL zwei verschiedene Welten sind.
Allerdings bringt dieser Ansatz natürlich auch ein Risiko mit sich.
Neue Spieler müssen sich an eine neue Liga gewöhnen, eine neue Hierarchie muss entstehen und Krefeld darf nicht darauf hoffen, dass allein gute Einzelspieler den Klassenerhalt erledigen.
Die Pinguine haben sich nicht versteckt. Jetzt müssen sie zeigen, dass ihre Verstärkungen auch DEL können.
Platz 9: Grizzlys Wolfsburg
Mehr Veränderung, als man zunächst vermuten könnte
Wolfsburg hat einige wichtige Spieler verloren.
Matt White, Lucas Dumont, Jacob Hayhurst, Gemel Smith und Ethan Prow stehen beispielhaft für einen Sommer, in dem einiges an Erfahrung den Club verlassen hat.
Gleichzeitig wurde aber ordentlich gegengesteuert.
William Graber, Tyler Morley, Madison Bowey und Les Lancaster kamen neu dazu. Mit Ross Mauermann wurde außerdem zusätzliche Erfahrung verpflichtet.
Besonders interessant ist die Mischung. Wolfsburg hat nicht versucht, jeden Abgang eins zu eins zu ersetzen. Stattdessen wurden verschiedene Rollen neu besetzt.
Das kann funktionieren.
Es kann aber auch bedeuten, dass sich die Grizzlys erst einmal neu sortieren müssen.
Wolfsburg hat nicht alles verloren – aber eben auch nicht einfach alles behalten.
Platz 8: Augsburger Panther
Der radikalste Schnitt, und vielleicht die größte Wundertüte
Augsburg hat im Sommer wahrscheinlich am deutlichsten gezeigt, dass man mit dem bisherigen Zustand nicht einfach weitermachen wollte.
Tobias Ancicka, Kyle Wood, Noel Hoefenmayer, Alec McCrea, Maximilian Glötzl, Sean Malone und Luke Toporowski sind nur einige der neuen Namen.
Gleichzeitig gingen unter anderem Madison Bowey, Thomas Schemitsch, Jason Bast, Riley Damiani, Alexandre Grenier und Joe Cramarossa.
Das ist kein Feintuning.
Das ist ein ziemlich deutlicher Neustart.
Und genau deshalb ist Augsburg so schwer einzuordnen.
Denn wenn Larry Mitchell und Bill Peters die vielen neuen Puzzleteile schnell zusammenbekommen, kann das richtig interessant werden. Wenn nicht, könnte die fehlende Eingespieltheit zum Problem werden.
Augsburg hat sich für Risiko entschieden. Das kann am Ende belohnt werden – oder eben ziemlich weh tun.
Platz 7: Fischtown Pinguins Bremerhaven
Wenn eine Ära endet, muss eine neue beginnen
Bei Bremerhaven geht es in diesem Sommer um mehr als Transfers.
Jan Urbas ist weg. Žiga Jeglič ist weg. Ross Mauermann ist weg.
Drei Spieler, die über Jahre das Gesicht der Pinguins geprägt haben.
Damit endet ein Stück Bremerhavener Eishockeygeschichte.
Parker Tuomie soll dabei eine zentrale Rolle in der neuen Generation übernehmen. Dazu kommen Alex Broadhurst, Lenny Boos und Roman Kechter.
Das Problem ist allerdings: Einen Jan Urbas ersetzt man nicht einfach mit einem Namen auf einem Spielberichtsbogen.
Bremerhaven muss eine neue Hierarchie entwickeln.
Und genau das macht diesen Sommer so spannend.
Fischtown hat nicht einfach Spieler verloren. Fischtown muss ein Stück seiner Identität neu definieren.
Platz 6: ERC Ingolstadt
Weniger Spektakel, mehr Handwerk
Ingolstadt gehört zu den Teams, deren Sommer auf den ersten Blick vielleicht etwas unspektakulär wirkt.
Und genau das ist womöglich die Stärke.
Jonas Stettmer kommt aus Berlin und soll die Lücke im Tor schließen. Dazu kommen Nicolas Appendino, Emil Kvernmo Wasenden, Nathan Burns, Elias Pul und Paul Vinzens.
Auf der Trainerbank gibt es ebenfalls eine Veränderung: Mike Kelly übernimmt als Co-Trainer, nachdem Éric Dubois nach Berlin gewechselt ist.
Ansonsten bleibt vieles stabil.
Ingolstadt hat also nicht versucht, seinen Kader komplett neu zu erfinden. Vielmehr wurden einzelne Positionen gezielt ergänzt.
Weniger Hollywood, mehr Handwerk und manchmal ist genau das die bessere Transferstrategie.
Platz 5: Kölner Haie
Bloß nichts kaputtmachen
Köln ist fast das Gegenmodell zu Augsburg.
Während die Panther ordentlich aufgeräumt haben, haben die Haie ihr bestehendes Gerüst weitgehend zusammengehalten.
Robin Press und Markus Ljungh sind die prominentesten neuen Namen. Dazu kommen Daniel Fischbuch, Tim Fleischer, Luca Münzenberger, Nico Wiens und einige weitere Ergänzungen.
Der große Einschnitt findet deshalb nicht auf dem Eis statt.
Kari Jalonen ist weg.
Und genau daraus ergibt sich die große Kölner Frage: Was macht die neue sportliche Führung aus einer Mannschaft, die bereits eingespielt ist?
Die Haie müssen nicht wieder bei null anfangen.
Sie müssen nur beweisen, dass Kontinuität nicht mit Stillstand verwechselt wird.
Platz 4: Adler Mannheim
Kein Neustart sondern mehr Wucht
Mannheim hat sich für einen ziemlich klaren Weg entschieden.
Nicht alles neu machen. Stattdessen gezielt Qualität hinzufügen.
Jake Hildebrand kommt aus Berlin und bringt reichlich Meisterschaftserfahrung mit. Patrick Brown soll im Angriff Führung und Erfahrung einbringen, während Jérémie Poirier die Defensive verstärkt.
Dazu bleibt viel Substanz erhalten.
Genau diese Mischung macht den Mannheimer Sommer interessant.
Die Adler wollten offenbar keinen komplett neuen Kader. Sie wollten einen bereits vorhandenen Kader schärfer machen.
Hildebrand, Brown und Poirier sind dabei weniger ein Statement für einen Neustart als eines dafür, dass Mannheim den nächsten Schritt machen will.
Platz 3: Straubing Tigers
Neue Waffen, gleiche Identität
Straubing musste im Sommer einige durchaus prominente Abgänge verkraften.
Henrik Haukeland, Mike Connolly und Elis Hede sind nur die auffälligsten Namen.
Doch die Tigers haben darauf ziemlich offensiv reagiert.
J.C. Beaudin, Jamieson Rees, Hudson Elynuik, Joseph Duszak, Spencer Kersten und Taro Jentzsch bringen reichlich neues Personal an den Pulverturm.
Der vielleicht wichtigste Faktor bleibt aber: Craig Woodcroft bleibt.
Nach der starken Vorsaison muss Straubing seine Identität nicht neu erfinden. Der Kader bekommt vielmehr neue Werkzeuge.
Straubing hat nicht versucht, das Erfolgsrezept zu ändern. Man hat lediglich neue Zutaten gekauft.
Platz 2: Eisbären Berlin
Der Meister verändert sich, aber verliert sich nicht
Ein Meisterschaftskader auseinanderzuhalten ist immer ein Balanceakt.
Berlin musste mit Serge Aubin, Jake Hildebrand, Jonas Stettmer, Les Lancaster und Marcel Noebels einige wichtige Namen verabschieden.
Gerade Noebels hinterlässt nach zwölf Jahren eine große Lücke.
Trotzdem haben die Eisbären ihre Grundstruktur bewahrt.
Jack LaFontaine kommt ins Tor, Brandon Davidson verstärkt die Defensive und Gabriel Fontaine sowie Noel Saffran bringen neue Optionen für den Angriff.
Dazu bleiben Spieler wie Kai Wissmann, Jonas Müller, Leo Pföderl, Liam Kirk und Ty Ronning an Bord.
Und mit Éric Dubois kommt ein neuer Cheftrainer.
Der Meister verändert sich also.
Aber er beginnt nicht von vorne.
Berlin hat seinen Kader umgebaut, ohne seine DNA komplett auszutauschen. Und genau das macht den Sommer der Eisbären so interessant.
Platz 1: EHC Red Bull München
München wollte nicht alles verändern nur besser machen
Und dann bleibt München.
Der Sommer der Red Bulls hatte einen Transfer, der automatisch für Aufmerksamkeit sorgt: Dominik Kahun kehrt nach München zurück.
Dazu kommen Trevor Carrick, Lukas Klok, Elis Hede und Lucas Thaler. Junge Spieler wie Luis Becker und Max Bolle ergänzen den Kader.
Gleichzeitig bleibt die Qualität des bestehenden Teams enorm.
Patrick Hager, Yasin Ehliz, Tobias Rieder, Leo Pföderl, Chris DeSousa, Brady Ferguson, Taro Hirose, Maximilian Kastner und Jeremy McKenna bilden weiterhin einen Kader mit enorm viel Erfahrung.
Natürlich hat auch München wichtige Spieler verloren. Gabriel Fontaine ging nach Berlin, Konrad Abeltshauser nach Frankfurt und Adam Brooks nach Salzburg.
Aber genau hier liegt der Unterschied.
München musste keinen Neustart hinlegen.
München konnte sich aussuchen, wo man besser werden wollte.
Und mit Kahun kommt dabei nicht nur irgendein Spieler zurück, sondern einer, der den Club kennt und sportlich wie emotional sofort eine besondere Rolle einnehmen kann.
Dazu kommen Verstärkungen in der Defensive und weitere junge Optionen.
Der Sommer der Red Bulls wirkt deshalb weniger wie ein Umbau und mehr wie ein gezieltes Upgrade.
München hat einen ohnehin starken Kader nicht auseinandergebaut. Man hat an den richtigen Stellen neue Qualität hinzugefügt.
Und genau deshalb landet der EHC in unserem Transfercheck ganz oben.
Das große Fazit
Und damit sind wir durch.
14 Mannschaften, 14 unterschiedliche Sommer und 14 verschiedene Antworten auf dieselbe Frage:
Wie werde ich besser?
Augsburg hat sich für den radikalen Schnitt entschieden. Köln für Kontinuität. Bremerhaven muss nach dem Ende einer Ära eine neue Identität finden. Krefeld hat als Aufsteiger ordentlich investiert. Straubing und München haben ihre erfolgreichen Gerüste gezielt verstärkt, während Berlin nach der Meisterschaft versucht, den Spagat zwischen Veränderung und Stabilität hinzubekommen.
Und genau das macht diese Transferperiode so interessant.
Es gibt nicht den einen richtigen Weg.
Man kann einen Kader komplett umbauen. Man kann drei Spieler holen und ansonsten auf Kontinuität setzen. Man kann Erfahrung einkaufen oder jungen Spielern mehr Verantwortung geben.
Am Ende müssen die Spieler diese Entscheidungen rechtfertigen.
Denn Transfer-Sieger gibt es im September viele.
Im Frühjahr wird abgerechnet.
Und dann interessiert sich niemand mehr dafür, wer im Sommer die schönste Liste geschrieben hat.
Dann zählt nur noch, wer auf dem Eis noch steht.

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