Mannheim und Köln: Zwei Wege, um den nächsten Schritt zu machen

Je näher wir dem Ende unseres Transferchecks kommen, desto weniger sieht man eigentlich den klassischen DEL-Sommer-Umbruch. Mannheim und Köln gehören beide zu den Mannschaften, die nicht das Bedürfnis hatten, ihre Kader einmal komplett durch den Mixer zu drehen. Und trotzdem gehen beide Clubs mit einer ziemlich klaren Idee in die neue Saison: Mannheim will seinem bestehenden Kader vor allem Erfahrung und Führung hinzufügen, Köln setzt dagegen auf das Prinzip, bloß nicht kaputtzumachen, was bereits funktioniert.

Bei den Adlern Mannheim fällt deshalb zunächst auf, was im Sommer nicht passiert ist. Es gab keinen kompletten Neustart, keinen radikalen Schnitt und auch nicht den Versuch, plötzlich alles anders zu machen. Stattdessen wurde an einigen Stellen gezielt nachgebessert. Und wenn man sich die prominentesten Namen anschaut, wird ziemlich schnell klar, wonach Mannheim gesucht hat: Erfahrung.

Der auffälligste Neuzugang steht dabei im Tor. Jake Hildebrand kommt aus Berlin und bringt drei deutsche Meisterschaften in Folge mit nach Mannheim. Viel mehr Bewerbungsschreiben für einen Torhüter braucht es eigentlich nicht. Hildebrand kennt die Liga, kennt den Druck und weiß, wie man durch eine lange Saison kommt, an deren Ende plötzlich jedes Spiel ein bisschen wichtiger wird. Gemeinsam mit Maximilian Franzreb soll er das neue Torhüterduo bilden. Dass Hildebrand inzwischen die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt und damit nicht mehr als Importspieler eingeplant werden muss, macht die Personalie für die Adler zusätzlich interessant.

Noch deutlicher wird die Mannheimer Idee im Angriff. Patrick Brown kommt aus der Organisation der Boston Bruins und bringt 187 NHL-Spiele, mehr als 600 AHL-Partien und zuletzt sogar das Kapitänsamt in Providence mit. Das ist kein Spieler, bei dem man lange erklären muss, warum er interessant sein könnte. Brown soll nicht nur auf dem Eis helfen, sondern Verantwortung übernehmen. Und genau solche Spieler haben die Adler offenbar gesucht.

Mit Jérémie Poirier kommt außerdem ein Verteidiger aus der AHL von den Texas Stars. Auch er passt in das Bild: neue Qualität, ohne dass dafür das gesamte bestehende Gerüst eingerissen werden muss. Denn genau dieses Gerüst bleibt weitgehend erhalten. Dan Renouf, Tobias Fohrler, John Gilmour, Leon Gawanke, Lukas Kälble, Nicolas Mattinen und Hayden Shaw bleiben in Mannheim, dazu steht auch im Angriff weiterhin reichlich Erfahrung im Kader.

Natürlich gibt es Veränderungen. Johan Mattsson verlässt den Verein, Leon Willerscheid geht nach Kassel. Brendan O’Donnell und Yannick Proske ziehen weiter, Kevin Bicker wechselt nach Iserlohn. Dazu kommen weitere Abgänge in der Breite. Aber der große Kahlschlag bleibt aus.

Und damit lässt sich die Mannheimer Transferstrategie eigentlich ziemlich gut zusammenfassen: Nicht alles neu machen, sondern dem Bestehenden ein paar zusätzliche Werkzeuge geben. Hildebrand soll Stabilität bringen, Brown Führung und Erfahrung, Poirier neue Optionen für die Defensive. Mannheim versucht also nicht, seinen Kader neu zu erfinden. Die Adler wollen aus einem bereits vorhandenen Fundament noch etwas mehr herausholen.

Das klingt vielleicht weniger spektakulär als ein großer Umbruch. Für einen Club mit hohen Ansprüchen kann es aber sogar die schwierigere Aufgabe sein. Denn gute Spieler zu verpflichten, ist das eine. Sie in ein bestehendes Gefüge einzubauen, das andere. Gerade bei Brown wird deshalb interessant sein, ob er tatsächlich die Rolle ausfüllen kann, für die er geholt wurde – und ob aus zusätzlicher Erfahrung am Ende auch tatsächlich zusätzliche Leistung wird.

Während Mannheim also gezielt nach Erfahrung sucht, gehen die Kölner Haie noch ein gutes Stück weiter in Richtung Kontinuität. Der Ansatz ist hier fast schon verblüffend einfach: Wenn eine Mannschaft funktioniert, warum sollte man sie komplett auseinandernehmen?

Genau das haben die Haie im Sommer auch nicht getan. Der Kern der Mannschaft bleibt zusammen, die Fluktuation fällt im Vergleich zu vielen anderen DEL-Clubs überschaubar aus. Der größte Einschnitt findet deshalb ausgerechnet nicht auf dem Eis statt: Kari Jalonen ist weg.

Und genau daraus entsteht eine interessante Konstellation. Köln verändert die sportliche Führung, lässt aber große Teile der Mannschaft unverändert. Der neue Trainer bekommt damit kein leeres Blatt Papier, sondern ein ziemlich gut beschriebenes. Die Spieler kennen sich, ihre Rollen sind weitgehend verteilt – jetzt muss die neue sportliche Führung zeigen, was sie aus diesem Fundament machen kann.

Auf dem Transfermarkt wurde entsprechend eher nachgeschärft als umgebaut. Der prominenteste Name ist Robin Press, der von Metallurg Magnitogorsk aus der KHL nach Köln kommt und der Defensive zusätzliche Qualität geben soll. Im Angriff bringt Markus Ljungh Erfahrung aus der schwedischen SHL mit. Dazu wechseln Daniel Fischbuch aus Iserlohn und Tim Fleischer aus Nürnberg nach Köln – zwei Spieler, die die DEL bestens kennen und deshalb nicht erst monatelang herausfinden müssen, wie diese Liga funktioniert.

Auch Luca Münzenberger kehrt aus Kassel in die DEL zurück. Nico Wiens und Carlos Händel erweitern die Offensive, während Nikita Müller aus dem eigenen Nachwuchs den Sprung in den Profikader schaffen soll. Es ist also durchaus Bewegung im Kader, nur eben keine, die nach Revolution aussieht.

Und dann ist da natürlich der Abgang von Tobias Ancicka. Der Torhüter wechselt nach Augsburg und hinterlässt damit eine der wenigen größeren Lücken in einem ansonsten erstaunlich stabil gebliebenen Kader.

Gerade deshalb wirkt Köln im Vergleich zu vielen Konkurrenten fast ein bisschen unaufgeregt. Und vielleicht ist genau das der Plan. Die Haie müssen nicht unbedingt die Mannschaft sein, über die im August alle reden. Sie wollen vielmehr die Mannschaft sein, die im Herbst funktioniert.

Press und Ljungh sollen neue Qualität bringen, Fischbuch und Fleischer zusätzliche Tiefe – der Rest soll möglichst dort weitermachen, wo er aufgehört hat.

Natürlich hat auch dieser Ansatz seine Tücken. Kontinuität ist nur dann ein Vorteil, wenn eine Mannschaft noch Entwicklungspotenzial besitzt. Wenn man sich dagegen zu sehr auf dem Erreichten ausruht, wird aus Stabilität ziemlich schnell Stillstand. Und genau deshalb ist der Trainerwechsel in Köln so interessant.

Denn die Haie haben sich bewusst dafür entschieden, ihr Fundament nicht anzutasten. Jetzt muss die neue sportliche Führung zeigen, dass man darauf auch das nächste Stockwerk bauen kann.

Damit gehen Mannheim und Köln am Ende zwei durchaus ähnliche, aber trotzdem unterschiedliche Wege. Die Adler sagen: Wir haben eine gute Basis – jetzt geben wir ihr noch mehr Erfahrung und Führungsqualität. Die Haie sagen: Wir haben eine gute Basis – jetzt verändern wir möglichst wenig und verstärken nur dort, wo es nötig ist.

Mannheim holt Hildebrand und Brown, Köln Press und Ljungh. Beide Clubs verzichten auf den großen Kahlschlag. Und genau deshalb wird spannend zu beobachten sein, welcher Ansatz am Ende mehr bringt.

Denn eine Transferperiode gewinnt man schließlich nicht mit den schönsten Namen auf dem Papier. Entscheidend ist, ob daraus eine Mannschaft entsteht, in der jeder weiß, was er zu tun hat.

Und damit liegen jetzt tatsächlich alle 14 DEL-Teams vor uns.

Alle Puzzleteile sind auf dem Tisch.