Vier weitere Teams im Transfercheck: Vier unterschiedliche Antworten auf den Sommer

Je weiter wir uns durch die Kader der PENNY DEL arbeiten, desto interessanter wird der Blick auf die unterschiedlichen Strategien. Der eine Club baut fast komplett um, der nächste tauscht nur an ein paar entscheidenden Stellen und irgendwo dazwischen liegt die Kunst, nach einer erfolgreichen Saison nicht plötzlich alles verändern zu wollen.

Bei den nächsten vier Mannschaften ist genau das zu beobachten.

Berlin muss beweisen, dass ein Trainerwechsel keinen Bruch erzeugt. Ingolstadt will seinen eingeschlagenen Weg weitergehen. München baut rund um einen prominenten Rückkehrer neu. Und Straubing versucht, nach einer starken Saison nicht Opfer des eigenen Erfolgs zu werden.

Vier Teams, vier ziemlich unterschiedliche Baustellen.


Eisbären Berlin: Neuer Trainer, aber bloß kein Neustart

Bei den Eisbären Berlin ist die wichtigste Personalie nicht auf dem Eis zu finden.

Éric Dubois übernimmt.

Und damit endet die Ära Serge Aubin, der die Berliner zu drei Meisterschaften in Folge geführt hat. Dubois kommt mit einer ziemlich undankbaren Aufgabe: Er übernimmt einen amtierenden Meister, bei dem eigentlich alles funktioniert hat und soll trotzdem neue Impulse setzen. Genau deshalb betont Berlin auch eher die Weiterentwicklung als einen kompletten Neustart.

Das ist eine ziemlich spannende Ausgangslage.

Denn die Eisbären haben nicht plötzlich beschlossen, ihre Mannschaft auf links zu drehen. Aber ein paar Veränderungen sind durchaus einschneidend.

Marcel Noebels verlässt Berlin nach zwölf Jahren und geht nach Köln. Jake Hildebrand und Jonas Stettmer sind ebenfalls weg, Les Lancaster geht nach Wolfsburg und Norwin Panocha nach Iserlohn.

Vor allem im Tor muss sich Berlin neu sortieren.

Mit Jack LaFontaine und Jonas Neffin kommt ein neues Duo, und genau dort wird sich eine der ersten großen Fragen der neuen Saison beantworten müssen: Wer übernimmt die Rolle, die zuvor zwischen Hildebrand und Stettmer aufgeteilt war? In der Vorbereitung wechselten sich beide Neuzugänge bereits ab.

Dazu kommt Brandon Davidson für die Defensive und mit Gabriel Fontaine ein Spieler, der aus München zurück nach Berlin kommt. Noel Saffran, Tobias Krestan und Rihards Griva erweitern die Offensive.

Das Entscheidende ist aber: Berlin hat weiterhin sehr viel Substanz.

Kai Wissmann führt die Mannschaft als Kapitän an, dazu stehen mit Leo Pföderl, Frederik Tiffels, Ty Ronning, Liam Kirk oder Patrick Khodorenko weiterhin reichlich Spieler im Kader, die wissen, wie man in Berlin mit Druck umgeht.

Und genau deshalb lautet die Berliner Sommerfrage nicht:

„Kann diese Mannschaft wieder gut sein?“

Das wäre nach drei Meisterschaften in Folge fast schon eine absurde Frage.

Die eigentliche Frage lautet:

Kann Dubois dieser Mannschaft neue Reize geben, ohne das funktionierende Fundament einzureißen?

Denn das Ziel ist klar. Berlin will nicht zurück auf Los. Berlin will das nächste Kapitel schreiben.


ERC Ingolstadt: Wenig Spektakel, viel Vertrauen

Während Berlin also einen neuen Cheftrainer installiert, geht der ERC Ingolstadt den deutlich ruhigeren Weg.

Mark French bleibt.

Und vielleicht ist genau das die wichtigste Nachricht des Ingolstädter Sommers.

Denn obwohl sich auch am Kader einiges verändert, wirkt die Transferperiode des ERC nicht wie ein kompletter Neustart. Vielmehr wurde an einigen Stellen nachjustiert.

Éric Dubois ist weg und geht als Headcoach nach Berlin. Dafür kommt Mike Kelly ins Trainerteam. Der Kanadier bringt reichlich Erfahrung aus Nordamerika mit und soll gemeinsam mit French neue Impulse setzen.

Auf dem Eis ist der wohl interessanteste Wechsel schnell gefunden: Jonas Stettmer kommt aus Berlin nach Ingolstadt.

Damit trifft der Torhüter auf einen Club, gegen den er in den vergangenen Jahren bereits gespielt hat – und übernimmt nun selbst Verantwortung zwischen den Pfosten.

Gleichzeitig musste Ingolstadt einige Lücken schließen. Brett Brochu und Nico Pertuch sind weg, Peter Spornberger geht nach Iserlohn, Philipp Krauß nach Augsburg und Luca Hauf nach Krefeld.

Neu dazu kommen unter anderem Nicolas Appendino, Emil Kvernmo Wasenden und Nathan Burns. Dazu setzt der ERC mit Elias Pul und Paul Vinzens auf junge Spieler.

Das wirkt insgesamt weniger nach „wir bauen eine neue Mannschaft“ und mehr nach „wir wollen unsere Mannschaft weiterentwickeln“.

Und genau das passt zur Trainerentscheidung.

Der ERC verändert sein Personal, aber nicht seine komplette sportliche Idee.

Das kann manchmal unspektakulärer aussehen als ein großer Transfercoup.

Es kann aber genauso wichtig sein.

Denn wenn man bereits eine funktionierende Struktur besitzt, muss man nicht jedes Jahr beweisen, dass man den größten Kaderumbau hinbekommt.

Ingolstadt setzt auf Vertrauen – und darauf, dass die neuen Teile in ein bestehendes System passen.

Ob das funktioniert, wird vor allem daran hängen, wie schnell die Neuzugänge die Rollen der Abgänge ausfüllen können.


EHC Red Bull München: Kahun zurück – und trotzdem fehlt einiges

Beim EHC Red Bull München sieht der Sommer auf den ersten Blick deutlich spektakulärer aus.

Und das liegt natürlich an einem Namen:

Dominik Kahun ist zurück.

Der ehemalige NHL-Profi kommt aus Lausanne und kehrt damit an einen Ort zurück, an dem er bereits zu den prägenden deutschen Spielern gehörte.

Das ist der Transfer, über den gesprochen wird.

Aber München hat gleichzeitig mehr verändert, als es dieser eine Name vermuten lässt.

Gabriel Fontaine geht nach Berlin, Konrad Abeltshauser nach Frankfurt. Adam Brooks zieht es nach Salzburg, Nikolaus Heigl nach Nürnberg. Auch Phillip Sinn, Simon Wolf und Vadim Schreiner verlassen den Club.

Gerade Abeltshauser hinterlässt dabei eine ziemlich große Lücke. Zehn Jahre München sind schließlich nicht gerade ein kurzfristiges Gastspiel.

Die Antwort darauf fällt international aus.

Trevor Carrick kommt aus der AHL, Lukas Klok aus Kloten. Elis Hede wechselt aus Straubing an die Isar, Lucas Thaler kommt aus Salzburg. Dazu holt München mit Max Bolle, Luis Becker und Moritz Warnecke junge Spieler dazu.

Und mittendrin steht Kahun.

Das macht die Sache interessant.

Denn München hat nicht einfach versucht, die Abgänge eins zu eins zu ersetzen. Stattdessen wurde der Kader an mehreren Stellen neu zusammengesetzt.

Oliver David bleibt dabei der Mann an der Bande. Der US-Amerikaner führt die Mannschaft in seine nächste Saison als Headcoach und soll die Entwicklung weiter vorantreiben.

Die große Frage ist deshalb nicht, ob München genügend Qualität besitzt.

Natürlich besitzt München Qualität.

Die Frage ist eher, wie schnell aus den vielen Einzelteilen wieder eine Mannschaft mit klaren Rollen entsteht.

Kahun ist dabei der große Name.

Aber auch Spieler wie Patrick Hager, Yasin Ehliz, Tobias Rieder, Leo Pföderl oder Chris DeSousa müssen ihren Teil dazu beitragen, dass der Umbau nicht nur auf dem Papier funktioniert.

München hat also nicht einfach einen Star zurückgeholt.

München versucht, aus einem Mix aus Erfahrung, neuen Importspielern und jungen deutschen Spielern die nächste Version seiner Mannschaft zu bauen.

Und genau darauf darf man gespannt sein.


Straubing Tigers: Bloß nicht zu viel verändern

Und dann wären da die Straubing Tigers.

Vielleicht ist deren Sommer auf den ersten Blick der unspektakulärste dieser vier Clubs.

Und vielleicht ist genau das der Plan.

Craig Woodcroft bleibt.

Die Tigers haben nach der starken Vorsaison keinen Grund gesehen, die Position des Cheftrainers anzufassen. Stattdessen wurde das Team punktuell verändert und mit Gary Shuchuk ein neuer Assistenztrainer installiert.

Das Motto könnte deshalb ziemlich simpel lauten:

Warum etwas komplett reparieren, das gerade funktioniert hat?

Ganz ohne Baustellen kommt Straubing allerdings nicht durch den Sommer.

Henrik Haukeland ist weg, Mike Connolly ebenfalls. Dazu verlassen unter anderem Josh Melnick, Justin Scott, Wade Allison, Zac Leslie und Ryan Merkley den Club.

Vor allem Connollys Abschied ist dabei emotionaler als ein gewöhnlicher Abgang. Der Stürmer war über Jahre eines der bekannten Gesichter am Pulverturm.

Straubing musste also neue Spieler finden – und hat dabei ziemlich international eingekauft.

Jakub Škarek kommt aus der Organisation der San Jose Sharks. J.C. Beaudin kehrt aus der KHL in die DEL zurück, Jamieson Rees kommt aus der AHL, Hudson Elynuik aus der ECHL und Spencer Kersten ebenfalls aus Nordamerika.

Dazu kommen Joseph Duszak für die Defensive und Taro Jentzsch aus Iserlohn.

Gerade Jentzsch ist eine interessante Personalie, weil er DEL-Erfahrung mitbringt und in Straubing eine größere Rolle bekommen könnte.

Nur muss er damit noch ein wenig warten.

Eine Unterkörperverletzung setzt den Neuzugang voraussichtlich rund sechs Wochen außer Gefecht – und damit verpasst er auch den Saisonstart.

Das ist natürlich nicht der Start, den man sich für einen neuen Spieler wünscht.

Aber grundsätzlich bleibt die Richtung klar.

Straubing will nach einer starken Saison nicht plötzlich eine komplett andere Mannschaft werden.

Die Tigers wollen die erfolgreiche Grundidee behalten und gleichzeitig genug neue Qualität hinzufügen, damit die Konkurrenz nicht schon nach wenigen Wochen weiß, wie man diese Mannschaft knacken kann.

Das ist vielleicht die schwierigste Form des Kaderumbaus.

Nicht neu anfangen.

Sondern besser werden, obwohl bereits viel funktioniert hat.


Vier Teams, vier ziemlich klare Ansätze

Und damit haben wir wieder vier Mannschaften, bei denen der Sommer ganz unterschiedliche Geschichten erzählt.

Berlin muss zeigen, dass ein neuer Trainer nach drei Meisterschaften keinen Bruch verursacht.

Ingolstadt setzt auf Kontinuität und möchte seinen eingeschlagenen Weg mit einigen gezielten Veränderungen fortsetzen.

München baut einen neuen Kader mit einem alten Bekannten im Mittelpunkt und muss dabei mehrere wichtige Abgänge auffangen.

Und Straubing versucht, nach einer herausragenden Saison genau nicht in die Falle zu laufen, alles verändern zu wollen.

Was davon am Ende funktioniert?

Das wissen wir natürlich noch nicht.

Aber genau das macht den Sommer ja so interessant.

Auf dem Papier kann ein Transfer noch so schön aussehen. Erst wenn die Reihen zusammengestellt sind, die Special Teams funktionieren und aus elf Spielern auf dem Eis eine Einheit wird, zeigt sich, ob die Idee hinter einem Sommer tatsächlich trägt.

Noch haben wir keine Rangliste.

Noch sammeln wir nur die Puzzleteile.

Aber langsam wird das Bild größer.