
Je genauer man sich durch die Kader der neuen PENNY DEL-Saison arbeitet, desto schwieriger wird es, die Sommeraktivitäten einfach in „gute“ und „schlechte“ Transferperioden einzuteilen. Dafür sind die Ausgangslagen der Clubs schlicht zu unterschiedlich.
Während der eine Verein versucht, nach einer schwierigen Saison an den richtigen Stellschrauben zu drehen, muss der nächste gleich eine ganze Reihe von Leistungsträgern ersetzen. Und dann gibt es Mannschaften, bei denen sich die Frage stellt, wie man eigentlich Spieler ersetzt, die über Jahre ein Teil der eigenen Identität geworden sind.
Genau in diese Kategorie fallen einige der Teams, die wir uns diesmal anschauen.
Nach Wolfsburg, Krefeld, Frankfurt und Augsburg geht es weiter mit Iserlohn, Nürnberg, Schwenningen und Bremerhaven. Vier Clubs, bei denen sich im Sommer einiges getan hat – allerdings auf sehr unterschiedliche Art und Weise.
Bei den Iserlohn Roosters springt zunächst eine Zahl ins Auge: zwölf.
Zwölf feststehende Abgänge sind es mittlerweile. Darunter Taro Jentzsch, Eric Cornel, Daniel Fischbuch, Henrik Törnqvist, Noel Saffran, Eirik Salsten und Anthony Camara. Auch in der Defensive ist einiges an Erfahrung verschwunden, nachdem Matias Lassen, Macoy Erkamps, Johannes Huß und Nils Elten den Club verlassen haben.
Das ist mehr als ein bisschen Kaderpflege.
Iserlohn verliert einen erheblichen Teil seiner bisherigen Mannschaft – und muss gleichzeitig mit nur drei bislang bestätigten Neuzugängen dagegenhalten. Cole Maier kommt aus Nürnberg, Peter Quenneville aus Tampere und Justin Scott aus Straubing.
Gerade deshalb dürfte die Rolle dieser drei Spieler größer werden, als es eine normale Transferbilanz vermuten lässt.
Quenneville bringt Erfahrung und offensives Potenzial mit, Scott kennt die PENNY DEL und kann dem Angriff zusätzliche Physis geben. Und Cole Maier kennt die Liga ebenfalls bestens und kommt aus Nürnberg mit der Möglichkeit, in Iserlohn eine neue Rolle einzunehmen.
Denn genau darum geht es bei den Roosters inzwischen: nicht nur um Ersatz, sondern um eine neue Hierarchie.
Wer übernimmt die wichtigen Minuten? Wer führt die Mannschaft? Wer entscheidet enge Spiele? Und wer sorgt dafür, dass die Offensive trotz der zahlreichen Abgänge nicht ins Stocken gerät?
Im Tor gibt es mit Andreas Jenike und Hendrik Hane zumindest Erfahrung und Stabilität. In der Defensive wird dagegen einiges davon abhängen, wie schnell sich Spieler wie Colin Ugbekile, Robin Norell und Mac Hollowell zu einem funktionierenden Gerüst zusammenfinden.
Vielleicht liegt darin aber auch die Chance dieses Umbruchs. Wenn aus zwölf Abgängen nicht zwölf offene Baustellen, sondern eine Mannschaft mit klar verteilten neuen Aufgaben entsteht, kann ein solcher Schnitt durchaus funktionieren.
Iserlohn muss sich in dieser Saison weniger neu erfinden als neu sortieren.
Und genau das dürfte eine der spannendsten Geschichten rund um die Roosters werden.
Eine ähnliche Aufgabe wartet in Nürnberg, auch wenn der Weg dorthin ein anderer ist.
Bei den Ice Tigers stehen mittlerweile zehn Abgänge fest. Evan Fitzpatrick, Sinan Akdag, Justus Böttner, Cody Haiskanen, Cole Maier, Eugen Alanov, Roman Kechter, Charlie Gerard, Will Graber und Jackson Cates sind nicht mehr Teil des Kaders.
Auch hier hat sich also einiges bewegt.
Allerdings wirkt Nürnberg nicht so, als hätte man einfach versucht, jeden verlorenen Spieler durch einen möglichst ähnlichen Neuzugang zu ersetzen. Sportdirektor Stefan Ustorf scheint vielmehr die Gelegenheit genutzt zu haben, die Struktur der Mannschaft neu zu ordnen.
Das zeigt sich besonders in der Defensive.
Constantin Braun bleibt, dazu kommen Owen Headrick, Chris Jandric und Ryan Jones. Mit Julius Karrer, Maximilian Merkl, Jakob Weber und Marcus Weber gibt es weitere Optionen, sodass die Abwehr insgesamt eine andere Statik bekommen dürfte.
Im Angriff setzt Nürnberg dagegen auf eine interessante Mischung aus Erfahrung und Entwicklungspotenzial. Evan Barratt, Samuel Dove-McFalls, William Dufour und Austin Magera bringen unterschiedliche Qualitäten mit, während Greg Meireles und Tyler Spezia gehalten werden konnten.
Besonders interessant dürfte Noah Samanski werden. Der 20-Jährige kommt aus Weiden und bekommt nun die Chance, sich auf DEL-Niveau zu behaupten.
Und genau solche Spieler können einen Umbruch manchmal in eine ganz andere Richtung lenken.
Denn Nürnberg muss nicht zwangsläufig einen neuen Will Graber oder einen neuen Cole Maier finden. Viel entscheidender wird sein, ob mehrere Spieler gleichzeitig bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.
Das kann funktionieren.
Es kann aber auch dazu führen, dass man am Ende zwar einen breiten Kader besitzt, aber niemand wirklich die großen offensiven Fußstapfen der Abgänge ausfüllt.
Mit Niklas Treutle bleibt zumindest im Tor eine wichtige Konstante erhalten.
Damit wirkt der Nürnberger Sommer weniger wie ein kompletter Neustart und mehr wie der Versuch, die Mannschaft breiter und flexibler aufzustellen.
Ob diese Rechnung aufgeht, werden vermutlich gerade die ersten Saisonmonate zeigen.
Und dann wären da die Schwenninger Wild Wings.
Hier bekommt der Begriff Umbruch noch einmal eine ganz andere Bedeutung.
Denn Schwenningen verliert nicht einfach nur Spieler. Der Club verabschiedet sich von mehreren Akteuren, die über Jahre Teil des Gesichts der Mannschaft waren.
Thomas Larkin beendet seine Karriere. Ben Marshall ebenfalls. Christopher Gibson hängt die Torhüterausrüstung an den Nagel. Dazu verlassen Michael Bitzer und Tim Gettinger den Club.
Und dann wären da natürlich noch Tyson und Tylor Spink.
Zwei Spieler, deren Namen in Schwenningen inzwischen untrennbar mit den vergangenen Jahren verbunden sind.
Man kann solche Spieler auf einer Transferliste ersetzen.
Aber man kann ihre Bedeutung nicht einfach einkaufen.
Schwenningen muss deshalb etwas Neues aufbauen – und versucht dabei, Erfahrung mit neuen Impulsen zu kombinieren.
Eric Cornel kommt aus Iserlohn, Austin Ortega aus Dresden und Reed Lebster aus Utah. Dazu kommen Vadim Schreiner und Colton Valk.
Auch in der Defensive wurde nachgelegt. Mattias Schemitsch, Alex Peters und Bode Wilde sollen gemeinsam mit den verbliebenen Spielern eine neue Struktur bilden.
Immerhin bleibt mit Joacim Eriksson im Tor eine wichtige Konstante erhalten. Auch Spieler wie Dominik Bittner, Eric Martinsson und Will Weber bringen Erfahrung mit.
Das könnte nach den zahlreichen Abgängen enorm wichtig sein.
Denn eine neue Mannschaft braucht nicht nur neue Spieler. Sie braucht auch Spieler, die den anderen zeigen, wie diese Mannschaft funktionieren soll.
Offensiv wird man besonders auf Eric Cornel und Austin Ortega schauen. Beide kennen die Liga und dürften in Schwenningen eine entsprechend wichtige Rolle übernehmen. Gleichzeitig liegt ein Teil der Hoffnung auf Spielern wie Lebster und Valk, die in ihren neuen Rollen zeigen müssen, dass sie mehr als nur Ergänzungen sein können.
Schwenningen versucht also gar nicht erst, die alte Mannschaft zu kopieren.
Das wäre wahrscheinlich auch der falsche Ansatz.
Die Wild Wings müssen eine neue Version ihrer selbst werden.
Und genau deshalb könnte dieser Sommer langfristig wichtiger sein, als es die reine Liste der Zu- und Abgänge vermuten lässt.
Wenn man allerdings wissen möchte, was ein echter emotionaler Umbruch bedeutet, landet man zwangsläufig bei den Fischtown Pinguins aus Bremerhaven.
Denn dort geht es in diesem Sommer nicht einfach darum, einige Verträge neu zu besetzen.
Dort endet eine Ära.
Jan Urbas verlässt Bremerhaven nach neun Jahren.
Žiga Jeglič geht nach sechs Jahren.
Und mit Ross Mauermann verabschiedet sich nach zehn Jahren auch der dienstälteste Spieler.
Drei Namen, die weit mehr sind als nur drei Spieler auf einer Kaderliste.
Urbas war Kapitän und Gesicht des Clubs. Jeglič war Teil des berühmten „Karawanken-Express“. Mauermann war über ein Jahrzehnt eine Konstante.
Bremerhaven verliert damit einen erheblichen Teil seiner sportlichen Identität.
Und genau deshalb dürfte der Sommer an der Küste besonders interessant werden.
Denn die Pinguins können Urbas, Jeglič und Mauermann nicht einfach ersetzen. Sie müssen vielmehr eine neue Hierarchie entstehen lassen.
Parker Tuomie soll dabei eine zentrale Rolle spielen. Der Wechsel aus Köln wird von den Verantwortlichen sogar als Königstransfer bezeichnet – und damit ist die Erwartungshaltung ziemlich klar.
Tuomie bringt DEL-Erfahrung mit und soll der neuen Offensive ein Gesicht geben.
Dazu kommt Alex Broadhurst, während mit Lenny Boos und Roman Kechter weitere neue Impulse in den Kader kommen.
Gleichzeitig bleibt aber ein wichtiges Gerüst bestehen.
Kristers Gudlevskis steht weiterhin im Tor, Leon Hungerecker bleibt ebenfalls. Hinter der Bande setzt Bremerhaven mit Alexander Sulzer auf Kontinuität. Und auch in der Defensive gibt es mit Matthew Abt, Phillip Bruggisser und Nicholas B. Jensen Spieler, die den Umbruch auffangen können.
Das ist wahrscheinlich der entscheidende Unterschied zu einem kompletten Neustart.
Bremerhaven verändert die Gesichter – aber versucht, die eigene Struktur zu behalten.
Und vielleicht ist genau das nach dem Abschied von Urbas, Jeglič und Mauermann auch notwendig.
Denn der „Karawanken-Express“ fährt nicht mehr.
Das lässt sich nicht wegdiskutieren.
Jetzt müssen Andy Miele, Colt Conrad, Tuomie, Broadhurst und die weiteren etablierten Spieler dafür sorgen, dass eine neue Offensive entsteht. Und irgendwann muss sich auch die Frage beantworten, wer künftig derjenige ist, dessen Name in Bremerhaven mit der Mannschaft verbunden wird.
Vielleicht ist das Tuomie.
Vielleicht wird es jemand, den heute noch niemand auf dem Zettel hat.
Vier Teams, vier Antworten auf dieselbe Frage
Was diese vier Mannschaften gemeinsam haben, ist am Ende gar nicht so sehr die Anzahl ihrer Transfers.
Es ist die Frage, wie man mit Veränderung umgeht.
Iserlohn muss nach einem massiven Aderlass eine neue Hierarchie finden. Nürnberg versucht, aus vielen Veränderungen eine breitere und flexiblere Mannschaft zu bauen. Schwenningen verabschiedet mehrere langjährige Leistungsträger und muss damit auch ein Stück seiner bisherigen Identität neu definieren.
Und Bremerhaven?
Dort geht eine Ära zu Ende.
Vielleicht ist das sogar der größte Unterschied.
Denn während sich ein Kader relativ schnell neu aufstellen lässt, braucht eine neue Identität Zeit.
Noch wissen wir nicht, welcher dieser Ansätze am Ende der richtige sein wird. Vielleicht schlägt ein Neuzugang spektakulär ein. Vielleicht übernimmt ein junger Spieler plötzlich Verantwortung. Vielleicht stellt sich aber auch heraus, dass manche Abgänge schwerer zu ersetzen sind, als es die Transferliste vermuten ließ.
Genau deshalb bleibt unsere große Rangliste weiterhin geschlossen.
Wir wollen erst alle Mannschaften gesehen haben.
Denn irgendwann werden aus den Namen auf der Transferliste Spieler auf dem Eis. Aus Prognosen werden Rollen, aus Rollen werden Reihen – und aus Reihen werden Punkte.
Erst dann zeigt sich, wer im Sommer wirklich alles richtig gemacht hat.

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