Vier Kellerkinder und die große Frage: Wer hat im Sommer wirklich nachgelegt?

Die neue PENNY DEL-Saison steht vor der Tür. Langsam wird es ernst: Die Kader sind zusammengestellt, die ersten Testspiele laufen und die Sommerpause neigt sich ihrem Ende entgegen. Zeit also, sich einmal genauer anzuschauen, was die 14 Clubs auf dem Transfermarkt eigentlich so veranstaltet haben.

Gerade bei den Mannschaften, die in der vergangenen Saison eher am unteren Ende der Tabelle zu finden waren, ist das besonders interessant. Während sich die Topteams häufig mit ein, zwei gezielten Verstärkungen zufriedengeben können, geht es bei den Kellerkindern oftmals um deutlich mehr. Da müssen Leistungsträger ersetzt, Schwachstellen behoben und manchmal sogar komplette Mannschaftsteile neu aufgebaut werden.

Den Anfang machen deshalb vier Teams, bei denen sich in diesem Sommer einiges getan hat: Wolfsburg, Krefeld, Frankfurt und Augsburg.

Eine Rangliste gibt es an dieser Stelle bewusst noch nicht. Dafür ist es schlicht zu früh. Erst einmal schauen wir uns an, welchen Weg die einzelnen Mannschaften eingeschlagen haben.


Wolfsburg: Ein bisschen neuer Anstrich, aber kein kompletter Neubau

Bei den Grizzlys Wolfsburg wirkt der Sommer auf den ersten Blick vergleichsweise ruhig. Das liegt allerdings weniger daran, dass nichts passiert wäre, sondern vielmehr daran, dass Wolfsburg nicht versucht hat, den kompletten Kader auf links zu drehen.

Mit Will Graber kommt ein neuer Center aus Nürnberg, Tyler Morley wechselt aus Kloten nach Niedersachsen. In der Defensive wurden mit Madison Bowey und Les Lancaster zwei neue Importspieler verpflichtet, dazu kommt mit Tommy Pasanen ein junger Verteidiger aus Frankfurt. Dustin Willhöft soll aus Nordamerika zusätzliche Optionen für den Angriff liefern.

Gerade Les Lancaster könnte dabei ein interessanter Baustein werden. Der Verteidiger kennt die Liga, weiß also, was ihn erwartet, und bringt die Erfahrung mit, die eine neu zusammengestellte Defensive durchaus gebrauchen kann. Auch Madison Bowey ist kein uninteressanter Name.

Das Problem für die Grizzlys liegt allerdings weniger bei den Neuzugängen als bei den Spielern, die nicht mehr da sind.

Matt White ist weg. Lucas Dumont ebenfalls. Jacob Hayhurst und Gemel Smith haben den Club verlassen. In der Defensive fehlen mit Jimmy Martinovic und Ethan Prow ebenfalls zwei bekannte Gesichter.

Und damit wird die eigentliche Aufgabe für Wolfsburg ziemlich deutlich: Die neuen Spieler müssen nicht einfach nur gut sein. Sie müssen auch einen Teil dessen auffangen, was die Mannschaft verloren hat.

Vor allem offensiv ist das keine Kleinigkeit.

Will Graber und Tyler Morley werden deshalb ziemlich schnell zeigen müssen, warum man sich für sie entschieden hat. Wenn beide ihre Rollen finden und Lancaster sowie Bowey die Defensive stabilisieren, könnte Wolfsburg trotz der Abgänge unangenehm werden.

Vielleicht ist genau das auch der Ansatz der Grizzlys. Nicht der ganz große Neustart, sondern ein gezielter Umbau mit einigen neuen Puzzleteilen.

Die spannende Frage ist deshalb nicht, ob Wolfsburg bessere Spieler verpflichtet hat. Sondern ob die neuen Spieler gemeinsam die Lücken schließen können, die die Abgänge hinterlassen haben.


Krefeld: Zurück in der DEL – und erstaunlich gut vorbereitet

In Krefeld ist die Ausgangslage natürlich eine völlig andere. Die Pinguine kommen als DEL2-Meister zurück in die PENNY DEL und stehen damit vor der klassischen Aufgabe eines Aufsteigers: Wie baut man einen Kader, der nicht nach zwölf Monaten wieder die Koffer packen muss?

Die Antwort darauf scheint ziemlich klar zu sein: Erfahrung einkaufen, ohne dabei die Zukunft zu vergessen.

Im Tor kommt Juha Jatkola aus der finnischen Liiga. Allein dieser Transfer zeigt schon, dass Krefeld nicht vorhat, die Rückkehr in die DEL als verlängerte Meisterfeier zu betrachten. Mit Max Gildon und Stuart Percy kommen zwei weitere Spieler mit internationaler Erfahrung für die Defensive hinzu.

Auch im Angriff wurde ordentlich nachgelegt. Kevin Wall kommt aus Nordamerika, Tanner Kero kennt die Liga bereits aus seiner Zeit in Köln. Dazu stoßen Luca Hauf und Yannick Proske, die dem Kader auch eine deutsche Perspektive und Entwicklungspotenzial geben.

Was an Krefelds Kader besonders auffällt, ist die Mischung. Es wurden nicht einfach möglichst viele Kontingentspieler verpflichtet, sondern versucht, unterschiedliche Spielertypen miteinander zu verbinden.

Und das ist bei einem Aufsteiger wahrscheinlich genau der richtige Ansatz.

Denn Krefeld muss in der kommenden Saison nicht beweisen, dass es die beste Mannschaft der Liga ist. Die Pinguine müssen beweisen, dass sie auf diesem Niveau konkurrenzfähig sind.

Natürlich bleibt das Risiko. Die DEL ist schneller, tiefer und verzeiht deutlich weniger Fehler als die DEL2. Ein Spieler, der in der zweiten Liga funktioniert, ist deshalb noch lange keine Garantie für eine starke DEL-Saison.

Aber der Krefelder Kader macht zumindest den Eindruck, als hätte man sich mit dieser Realität beschäftigt.

Und vielleicht ist das die wichtigste Nachricht aus dem Sommer.

Krefeld kommt nicht zurück, um einfach nur wieder dabei zu sein. Die Pinguine wollen bleiben.


Frankfurt: Neue Gesichter und ein neuer Chef an der Bande

Bei den Löwen Frankfurt verändert sich nicht nur der Kader. Auch hinter der Bande gibt es einen Neustart, denn Tom Pokel übernimmt als neuer Head Coach.

Damit bekommt Frankfurt gleich mehrere neue Variablen auf einmal.

Im Tor sollen künftig Adam Scheel und Nico Pertuch für Stabilität sorgen. In der Defensive wurden mit Björn Krupp und Konrad Abeltshauser zwei sehr erfahrene Spieler verpflichtet. Beide kennen die Liga bestens und könnten einer Mannschaft, die sich neu sortieren muss, durchaus etwas geben, was man nicht auf dem Statistikbogen findet: Routine.

Offensiv ist Brandon Biro der wohl interessanteste neue Name. Der Wechsel von Spartak Moskau bringt einen Spieler nach Frankfurt, von dem man sich neue Impulse verspricht.

Allerdings hat Frankfurt auch einiges verloren.

Nathan Burns, Dennis Lobach, Chris Wilkie, Hannu Tripcke und Jakob Lilja sind nicht mehr da. Dazu kommt der Abgang von Ryan McKiernan in der Defensive. Das ist eine ganze Menge Erfahrung und Offensivpotenzial, die ersetzt werden müssen.

Und genau hier liegt vielleicht Frankfurts größtes Fragezeichen.

Die Defensive wirkt auf dem Papier bereits ziemlich interessant. Im Tor gibt es neue Optionen und mit Pokel einen Trainer, der seine Vorstellungen einbringen kann.

Aber vorne muss sich erst zeigen, wer die Verantwortung übernimmt.

Wer macht die wichtigen Tore? Wer übernimmt die erste Reihe? Wer entscheidet enge Spiele?

Das sind Fragen, die man im August noch nicht beantworten kann.

Frankfurt hat allerdings einen Vorteil: Es gibt einen klaren Neustart. Pokel muss nicht versuchen, eine Mannschaft in ein komplett neues System zu pressen, während gleichzeitig zehn neue Spieler ihre Rollen suchen. Vieles ist ohnehin neu.

Wenn die Löwen schnell eine Hierarchie finden, könnte dieser Umbruch deutlich besser funktionieren, als es die lange Liste der Abgänge zunächst vermuten lässt.


Augsburg: Wenn „Umbruch“ eigentlich noch viel zu harmlos klingt

Und dann wären da die Augsburger Panther.

Bei keinem der vier Teams ist der Sommer so radikal verlaufen wie in Augsburg.

Sportmanager Larry Mitchell und Head Coach Bill Peters haben den Kader an vielen Stellen komplett neu aufgestellt. Im Tor kommt Tobias Ancicka aus Köln, in der Defensive wurden Kyle Wood, Noel Hoefenmayer, Alec McCrea und Maximilian Glötzl verpflichtet.

Vier neue Verteidiger.

Und damit ist noch lange nicht Schluss.

Auch im Angriff gibt es zahlreiche neue Gesichter. Sean Malone kommt aus Örebro, Luke Toporowski aus Colorado, Felix Maegaard Scheel aus Schwenningen und Jimmy Lambert aus Wolfsburg.

Das ist kein kleiner Umbau.

Das ist ein ziemlich großer Schnitt.

Augsburg verliert gleichzeitig jede Menge Erfahrung. T.J. Trevelyan beendet seine Karriere, Jason Bast zieht es nach Düsseldorf, Riley Damiani wechselt in die Schweiz. Auch Alexandre Grenier, Joe Cramarossa und weitere Spieler stehen nicht mehr im Kader.

Das bedeutet zwangsläufig, dass die Panther zunächst einmal herausfinden müssen, was sie da eigentlich gebaut haben.

Denn die Namen sind interessant. Die entscheidende Frage lautet aber nicht, ob jeder einzelne Neuzugang seine Qualitäten besitzt.

Die Frage lautet:

Passen sie zusammen?

Gerade die Defensive könnte dabei ein entscheidender Faktor werden. Augsburg scheint deutlich mehr Physis und Stabilität in den Kader bringen zu wollen. Mit Ancicka kommt außerdem ein Torhüter, von dem man sich einiges verspricht.

Gleichzeitig bleibt mit Spielern wie Trevor Parkes, Tim Wohlgemuth und Cameron Wright ein Teil des alten Gerüsts bestehen. Diese Spieler könnten in der Anfangsphase wichtiger sein, als man vielleicht denkt. Sie kennen den Club, die Liga und die Umgebung – und können den vielen neuen Gesichtern dabei helfen, schneller anzukommen.

Augsburg geht damit ohne Frage ein Risiko ein.

Aber es ist ein bewusst eingegangenes Risiko.

Und manchmal ist genau das notwendig, wenn man über Jahre hinweg immer wieder am falschen Ende der Tabelle landet.

Die Panther haben sich nicht vorgenommen, ein bisschen besser zu werden. Sie haben sich vorgenommen, anders zu werden.

Ob das reicht, wird eine der spannendsten Fragen der neuen Saison.


Vier Mannschaften, vier unterschiedliche Antworten

Schon nach diesen ersten vier Kadern zeigt sich, wie unterschiedlich die Wege sein können.

Wolfsburg versucht, mit gezielten Verstärkungen die Balance wiederherzustellen. Krefeld baut als Aufsteiger einen Kader, der möglichst schnell DEL-Niveau erreichen soll. Frankfurt kombiniert einen neuen Trainer mit einer neu formierten Mannschaft und Augsburg geht den radikalsten Weg von allen.

Noch lässt sich daraus kein Sieger ableiten.

Dafür ist die Saisonvorbereitung schlicht zu jung.

Denn am Ende entscheidet nicht der Name auf dem Trikot, sondern das Zusammenspiel. Ein vermeintlicher Toptransfer kann verschwinden, während ein unscheinbarer Neuzugang plötzlich zum Leistungsträger wird. Eine Mannschaft kann auf dem Papier fantastisch aussehen und trotzdem nie richtig ins Rollen kommen.

Genau deshalb verzichten wir an dieser Stelle auch noch auf eine Rangliste.

Die kommt später.

Erst einmal nehmen wir uns alle Mannschaften einzeln vor.

Und wenn am Ende jedes Team analysiert ist, wird es spannend: Dann schauen wir uns an, wer seinen Kader tatsächlich verbessert hat, wer lediglich ersetzt hat, was ohnehin gegangen ist und wer vielleicht einen Sommer hingelegt hat, der auf dem Papier besser aussieht als auf dem Eis.

Denn eines ist sicher:

Die Saison wird nicht auf dem Transfermarkt entschieden. Aber dort kann man sich schon einmal eine ziemlich gute oder ziemlich schlechte Ausgangsposition verschaffen.