Harold Kreis musste gehen und eigentlich war die Entscheidung längst gefallen

Im Dezember 2025 verlängerte der Deutsche Eishockey-Bund den Vertrag von Harold Kreis bis zur Heim-WM 2027.

Sechs Monate später ist er nicht mehr Bundestrainer.

Das klingt nach einer überraschenden Wende. Nach einer Entscheidung, die plötzlich getroffen wurde. Tatsächlich spricht vieles dafür, dass die Trennung deutlich länger gereift ist, als es die offizielle Mitteilung vermuten lässt.

Denn so historisch die Silbermedaille von Riga 2023 auch war – sie blieb der Höhepunkt einer Entwicklung, die danach nie wieder dieselbe Richtung einschlug.

Harold Kreis übernahm eine Nationalmannschaft, die unter Toni Söderholm den Anschluss an die internationale Spitze geschafft hatte. Mit seiner ruhigen Art, seiner Erfahrung und seiner Autorität brachte er Stabilität in ein Umfeld, das nach Kontinuität suchte.

Und dann kam Riga.

Deutschland spielte sich in einen Rausch, schlug die USA im Halbfinale und stand plötzlich im WM-Finale gegen Kanada. Silber. Die erste WM-Medaille seit sieben Jahrzehnten. Ein Moment, der für immer Teil der deutschen Eishockeygeschichte bleiben wird.

Doch genau dort beginnt rückblickend das Problem.

Erfolg verändert Erwartungen.

Aus einer Mannschaft, die überraschen durfte, wurde eine Mannschaft, die liefern sollte.

Und liefern konnte sie anschließend nicht mehr.

Bei der WM 2025 wurde das Viertelfinale verpasst. Olympia 2026 endete trotz NHL-Verstärkung weit früher als erhofft. Wenige Monate später folgte bei der Weltmeisterschaft die nächste Enttäuschung.

Drei große Turniere.

Drei Ergebnisse, die nicht zu den Ansprüchen eines Verbandes passen, der sich mitten in den Vorbereitungen auf eine Heim-WM befindet.

Natürlich wäre es zu einfach, dafür allein den Bundestrainer verantwortlich zu machen.

Kreis konnte nichts dafür, wenn Leistungsträger fehlten. Er konnte nichts dafür, wenn Spieler ihre Form nicht zum richtigen Zeitpunkt fanden. Und auch die Konkurrenz ist in den vergangenen Jahren nicht schwächer geworden.

Trotzdem entstand zuletzt ein Eindruck, der für den DEB gefährlicher war als jede einzelne Niederlage.

Deutschland wirkte nicht wie eine Mannschaft auf dem Weg nach oben.

Deutschland wirkte wie eine Mannschaft, die stehen geblieben war.

Die Energie von Riga war verschwunden. Die Leichtigkeit fehlte. Aus dem Außenseiter mit Mut und Tempo war eine Mannschaft geworden, die oft solide spielte, aber nur noch selten überraschte.

Und genau an diesem Punkt beginnt die Denkweise eines Verbandes.

Wenn Ergebnisse ausbleiben, sucht man nach Gründen.

Wenn eine Heim-WM bevorsteht, sucht man nach Lösungen.

Der DEB hat sich für einen Neustart entschieden.

Nicht, weil Harold Kreis ein schlechter Bundestrainer gewesen wäre.

Sondern weil man offenbar nicht mehr daran glaubte, dass er der richtige Trainer für den nächsten Schritt ist.

Das mag hart wirken.

Vielleicht ist es das auch.

Denn Kreis hinterlässt keine Mannschaft im Chaos. Er hinterlässt eine Nationalmannschaft, die weiterhin über Qualität verfügt, die NHL-Spieler hervorbringt und international respektiert wird.

Sein Name wird immer mit der Silbermedaille von 2023 verbunden bleiben.

Doch im Leistungssport zählt selten das, was vor drei Jahren passiert ist.

Es zählt, was als Nächstes kommt.

Und genau deshalb hat der DEB die Entscheidung jetzt getroffen.

Nicht wegen der Vergangenheit.

Sondern wegen der Heim-WM 2027.


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