Hamburgs Eissport in der Krise Farmsen bleibt letzte Rettung

Hamburg versteht sich seit Jahrzehnten als Sportstadt. Doch für den Eissport spitzt sich die Lage dramatisch zu: Eine Eisfläche nach der anderen verschwindet und mit den jüngsten Entwicklungen droht dem Eishockey, dem Eiskunstlauf und auch den Freizeitsportlern eine echte Katastrophe.


q.beyond-Arena: Ein perfektes Stadion ohne Zukunft

Die q.beyond-Arena im Volkspark war eigentlich in gutem Zustand und galt als ideal für Eishockey. Doch die Alexander-Otto-Sportstiftung als Betreiber zog sich zurück, da die Halle über Jahre hohe finanzielle Verluste verursachte.

Der HSV plante zwischenzeitlich, die Halle in eine klassische Sporthalle für Ballsportarten umzubauen. Doch dafür erwies sich die Dachkonstruktion als zu niedrig. Was aus der Halle langfristig wird, ist noch unklar aktuell wird sie gelegentlich als VIP-Empfangsfläche für Fußballspiele im Volksparkstadion genutzt.

Damit ist eine für den Eissport perfekt geeignete Spielstätte aus rein wirtschaftlichen Gründen verloren gegangen.


Stellingen: Vom Problemfall zur Totalschließung

Die Kunsteisbahn Stellingen wurde Anfang September 2025 wegen akuter Einsturzgefahr geschlossen. Die Dachkonstruktion ist marode, die komplette Saison 2025/26 fällt aus.

Doch selbst bevor die Halle endgültig gesperrt wurde, war sie weit entfernt von einer idealen Spielstätte:

  • wiederkehrende Probleme mit defekten Eismaschinen,
  • technisch eingeschränkter Betrieb,
  • und sogar Zwischenfälle, bei denen Eismeister versehentlich in die Bande fuhren.

Trotzdem war Stellingen für viele Vereine ein unverzichtbarer Standort. Dort trainierten:

  • die HSV-Eishockeymannschaften,
  • der Altonaer Schlittschuh-Club,
  • deren Nachwuchsabteilungen und Laufschulen,
  • mehrere Herren- und Damen-Teams,
  • sowie die Mannschaft der Feuerwehr.

Geplant war eigentlich eine moderne Zweifeldhalle, die Hamburgs Bedarf an Eisflächen hätte decken können. Ob dieses Projekt nach der Stilllegung überhaupt noch realisiert wird, steht jedoch in den Sternen.


Farmsen: Letzte überdachte Halle am Limit

Nun müssen all diese Teams aus Stellingen in die Eissporthalle Farmsen („Eisland Farmsen“) seit 1978 die Heimat des Hamburger Eissports ausweichen.

Doch Farmsen ist schon jetzt prall gefüllt mit den Trainingszeiten der:

  • Crocodiles Hamburg mit Herren-, Damen- und Nachwuchsteams,
  • dazu sämtliche Hobbymannschaften und Betriebsteams,
  • sowie Eiskunstläuferinnen und -läufer, Schulen und der öffentliche Laufbetrieb.

Mit den zusätzlichen Mannschaften aus Stellingen HSV, Altona, Feuerwehr und deren Nachwuchsbereiche droht ein Eiszeiten-Kollaps. Schon jetzt ist jeder freie Slot vergeben, zusätzliche Kapazitäten gibt es praktisch nicht mehr.

Für Hamburgs Anspruch als Sportstadt ist es ein klares Defizit, dass die einzige spielfähige Halle nicht ausreicht, um den gesamten Bedarf abzudecken.


Gerüchte um Planten un Blomen: Lösung oder Illusion?

In den vergangenen Wochen kursierte das Gerücht, die große Freiluftbahn in Planten un Blomen könne für Eishockey genutzt werden. Tatsächlich ist die Eisfläche mit rund 4.300 m² riesig groß genug für gleich mehrere Spielfelder.

Doch die Realität sieht anders aus: Die EisArena ist ausschließlich für den öffentlichen Laufbetrieb vorgesehen. Hockeyschläger sind auf dem Eis ausdrücklich verboten. Historisch wurden dort zwar in den 1960er-Jahren Eishockeyspiele ausgetragen, heute ist dies aber nicht mehr denkbar. Für den regulären Spiel- und Trainingsbetrieb ist die Bahn daher keine echte Option.


Fazit: Hamburg braucht dringend eine neue Eishalle

Mit der Schließung von Volkspark und Stellingen bleibt Hamburg nur noch eine einzige funktionale Halle und die ist längst an ihrer Belastungsgrenze. Für den Nachwuchs, den Breitensport und die Vereine bedeutet das: weniger Trainingszeiten, weniger Spiele, weniger Entwicklungsmöglichkeiten.

Hamburg droht, seine jahrzehntelange Tradition im Eissport zu verlieren. Wenn die Stadt ihrem Anspruch als Sportmetropole gerecht werden will, führt kein Weg daran vorbei, in eine neue, moderne Eissporthalle zu investieren.

Bis dahin bleibt Farmsen die letzte Rettung eine Halle, die längst mehr leisten muss, als sie eigentlich kann.