
Es gibt Momente, da ist man als Eishockeyfan einfach froh, dass der Freistaat Bayern noch Geschmack hat.
Beim Deutschland Cup in Landshut wo das Bier kalt, der Puck schnell und die Emotionen verlässlich ungebändigt sind trat Markus Söder ans Mikrofon. Man erwartete den üblichen Sonntagsgruß des Ministerpräsidenten. Doch dann zückte er eine kleine Schatulle, lächelte in Richtung eines Mannes, der schon vor Jahrzehnten mit seinem Blick ganze Verteidigungsreihen hat zittern lassen, und sagte sinngemäß: „Erich Kühnhackl, Sie sind eine bayerische Legende. Dafür gibt’s jetzt was Goldenes.“
Der Bayerische Verdienstorden die höchste Auszeichnung des Freistaats ging also an einen Mann, der seit 50 Jahren sinnbildlich für deutsches Eishockey steht. Und man kann nur sagen: Endlich.
Der ewige Kühnhackl
Erich Kühnhackl ist eine dieser Figuren, die größer sind als das Spiel selbst. 1,95 Meter Körper, 100 Kilo Präsenz, und eine Aura, die selbst in einer Eishalle mit 5000 Leuten noch die Luft verändert. Der Mann, der für Landshut, Köln und die Nationalmannschaft Tore schoss, als andere noch über Schlittschuhlaufen philosophierten.
Mehr als 700 Tore in der Bundesliga, unzählige Assists, vier Meistertitel und 1980 das olympische Bronze von Lake Placid. Wenn man’s genau nimmt, war Kühnhackl so etwas wie der „Gordie Howe Deutschlands“, nur mit bayerischem Zungenschlag und einem leicht rebellischen Charme.
Dass Söder, selbst ein bekennender Eishockeyromantiker (und notorischer Trikotsammler), ihn beim Deutschland Cup auf offener Bühne überraschte, passte perfekt. Denn Kühnhackl war nie einer, der den roten Teppich brauchte. Er war einer, der lieber übers Eis ging, wenn’s rutschig war.
Ein Orden für eine Haltung
Der Bayerische Verdienstorden ist kein Pokal für Statistiken. Er ist ein Symbol für Lebensleistung, für Charakter und Einfluss. Und Kühnhackl hat den deutschen Eishockey nicht nur geprägt er hat ihn definiert.
Er war der Typ, der den Gegner mit einem Blick wissen ließ, dass heute kein Spaßtag ist. Der seine Mitspieler mitriss, aber auch erdete. Und der, ganz nebenbei, Generationen geprägt hat nicht zuletzt seinen Sohn Tom, der zwei Stanley Cups mit Pittsburgh holte.
Wenn also heute der Name Kühnhackl fällt, dann nicht nur wegen der Zahlen. Sondern weil er gezeigt hat, dass deutsches Eishockey mehr sein kann als ein Wintersport mit Außenseiterromantik.
Symbolik, die sitzt
Dass die Ehrung gerade jetzt kommt, ist kein Zufall. Der Deutschland Cup in Landshut war eine Bühne für Identität: neue Talente, junge Nationalspieler und mittendrin dieser Moment, der alle daran erinnerte, woher man kommt.
Söder, der Meister der politischen Inszenierung, hat diesmal den richtigen Instinkt bewiesen. Denn Kühnhackl steht für ein Bayern, das nicht nur Lederhosen und Weißwurst kann, sondern auch Schweiß, Kampfgeist und die Kunst, im dritten Drittel nochmal aufzudrehen.
Natürlich, man kann über solche Orden spotten. Politik, Symbolik, PR das volle Programm. Aber manchmal ist Symbolik eben wichtig. Weil sie Wertschätzung sichtbar macht. Und weil Eishockey in Bayern – trotz aller wirtschaftlichen Schwierigkeiten, trotz sinkender Zuschauerzahlen in manchen Hallen immer noch ein Stück Identität ist.
Die Legende bleibt auf dem Eis
Kühnhackl hat sich nie wirklich aus dem Spiel verabschiedet. Er war Trainer, Manager, Mentor ein Mann, der lieber in der Kabine steht als in der VIP-Loge. Wer ihn in Landshut kennt, weiß: Wenn es irgendwo nach Tape, Schweiß und frischer Eisfläche riecht, ist er nicht weit.
Und genau das macht diese Ehrung so passend. Sie trifft nicht den Funktionär, nicht den Ruheständler sondern den Typen, der sein Leben lang Puck-Emotionen gelebt hat.
Was bleibt
Vielleicht ist dieser Orden am Ende mehr als nur eine Anerkennung. Vielleicht ist er ein kleiner Reminder an die ganze Hockey-Community: dass Leidenschaft, Beständigkeit und Identität nicht aus der Mode kommen.
In einer Sportwelt, die sich immer schneller dreht, in der Social Media und Sponsoren oft lauter sind als echte Typen, steht Erich Kühnhackl für das Gegenteil: Substanz.
Ja vielleicht ist das der wahre Verdienst, den man nicht in Gold pressen kann.
Denn wenn der Puck fällt und das Licht in der Halle reflektiert, dann schwingt in Bayern immer noch ein bisschen Kühnhackl mit. Die Hand aufs Herz ist ein Verdienstorden, den kein Politiker verleihen kann.



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