Wieder diese Zeit, wenn alles bei null beginnt

Draußen kitzelt der Frühling, die Tage werden länger, irgendwo wird schon der erste Grill angefeuert und in der PENNY DEL beginnt die Phase, in der alles zählt. Die Playoffs. Sechs Monate Hauptrunde? Geschichte. Statistiken? Schön und gut. Aber jetzt geht es um Momente.

Am Mittwoch startet das Viertelfinale zwischen den Fischtown Pinguins und den Adler Mannheim und schon vor dem ersten Bully ist klar: Das hier wird keine gewöhnliche Serie. Es ist das Duell eines Favoriten gegen ein Team, das sich seinen Weg hart erarbeitet hat. Und genau darin liegt die Würze.

Favorit gegen Herausforderer klare Rollen, offene Serie

Die Ausgangslage scheint eindeutig: Mannheim geht als Zweiter der Hauptrunde mit Heimrecht in die Serie, 35 Siege sprechen eine deutliche Sprache. Der Anspruch? Ganz klar: Finale.

Bremerhaven dagegen musste den Umweg über die Pre-Playoffs nehmen und hat genau dort Selbstvertrauen getankt. Zwei überzeugende Siege gegen Nürnberg, fünf Erfolge in Serie insgesamt. Ein Team im Flow, das nichts zu verlieren hat.

Und genau das macht es gefährlich.

Denn auch wenn die vier Duelle in der Hauptrunde alle an Mannheim gingen, waren sie enger, als es die Bilanz vermuten lässt. Verlängerungsspiel, knappe Ergebnisse, enge Phasen. Bremerhaven kann mithalten. Jetzt müssen sie es beweisen.

Torhüter im Fokus ein Duell auf Augenhöhe

Playoffs sind die Zeit der Torhüter. Und dieses Viertelfinale liefert gleich eine besonders spannende Geschichte.

Kristers Gudlevskis ist rechtzeitig zurück und wie. Über 96 Prozent Fangquote in den Pre-Playoffs, ein Rückhalt, der Spiele entscheiden kann. Auf der anderen Seite steht mit Maximilian Franzreb nicht nur ein starker Goalie, sondern auch ein alter Bekannter. Gemeinsam mit Gudlevskis bildete er einst eines der besten Duos der Liga.

Franzreb weiß, was auf ihn zukommt: strukturiertes Spiel, Disziplin, klare Abläufe. Doch am Ende, so simpel wie brutal ehrlich, zählt nur eines: Die Scheibe muss rein.

Zwei Systeme, ein Spiegelbild

Was dieses Duell besonders macht: Die Parallelen.

Beide Teams stehen defensiv stabil, beide spielen strukturiert, beide vertrauen ihrem System. Mannheims Zahlen sprechen für sich nur 122 Gegentore in der Hauptrunde, Ligabestwert. Doch Bremerhaven hat sich stabilisiert, spätestens mit Gudlevskis im Tor.

Adlers Coach Dallas Eakins bringt es auf den Punkt: Es fühlt sich ein bisschen so an, als würde man gegen sich selbst spielen.

Das bedeutet: keine wilden Shootouts, keine offenen Schlagabtausche. Sondern Geduld, Disziplin und die Fähigkeit, die wenigen Chancen eiskalt zu nutzen.

Tiefe schlägt Stars?

Offensiv hat Mannheim mit Spielern wie Nicolas Mattinen klare Fixpunkte. 50 Scorerpunkte als Verteidiger das ist eine Ansage.

Doch Bremerhaven setzt auf Breite statt Abhängigkeit. 13 Spieler mit mindestens 20 Punkten zeigen: Gefahr kann von überall kommen. Dazu kommt mit C. J. Smith ein Neuzugang, der sofort Impact geliefert hat.

In einer Serie, in der Räume eng und Chancen rar sind, kann genau diese Tiefe zum entscheidenden Faktor werden.

Pause oder Rhythmus wer hat den Vorteil?

Ein Klassiker der Playoffs: Ist es besser, im Rhythmus zu sein oder frisch ausgeruht?

Mannheim hatte Zeit zur Regeneration und Vorbereitung. Bremerhaven kommt aus dem Spielmodus. Zwei Spiele mehr, ein bisschen weniger Pause aber dafür Wettkampfhärte.

Die Wahrheit liegt, wie so oft, irgendwo dazwischen. Oder zeigt sich erst nach Spiel zwei.

Das eine Prozent wenn die Halle mitspielt

Playoffs werden nicht nur auf dem Eis entschieden.

„Das eine Prozent extra“ dieser Satz fällt in diesen Tagen oft. Gemeint ist die Energie von den Rängen, der Push in engen Phasen, der Moment, in dem ein Spiel kippt.

Mannheim startet mit Heimrecht, mit Fans im Rücken, mit der Chance, früh ein Zeichen zu setzen. Doch Bremerhaven hat bereits gezeigt, dass sie auch auswärts bestehen können.

Alles auf Anfang

Am Ende bleibt eine einfache Wahrheit: Die Karten werden neu gemischt.

Favorit hin oder her, Statistiken hin oder her jetzt zählt jeder Wechsel, jeder Zweikampf, jeder Schuss. Und genau deshalb lieben wir diese Zeit.

Oder, um es im Stil eines Playoff-Frühlings zu sagen:

Es ist wieder diese Zeit.