Zwischen Anspruch und Aufbruch, Deutschlands Olympia-Turnier 2026

Es gibt diese Turniere, die alles verändern. Und es gibt Turniere, die zeigen, wo du wirklich stehst.

Die Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand und Cortina d’Ampezzo waren für die Auswahl des Deutscher Eishockey-Bund kein Märchen wie 2018 aber auch kein Rückschritt. Es war ein Turnier der Realität. Und vielleicht genau deshalb so wichtig.

Die Männer: Viel NHL-Glanz, viel Verantwortung

Mit NHL-Power im Gepäck reiste Deutschland nach Italien. Namen wie Leon Draisaitl, Tim Stützle, Moritz Seider oder Philipp Grubauer stehen nicht mehr für Außenseiter-Romantik. Sie stehen für Anspruch.

Und der Auftakt gegen Dänemark? Ein Statement. Tempo, Tiefe, Effizienz. Draisaitl mit der Aura eines Spielers, der Spiele nicht nur liest, sondern schreibt. Stützle mit dieser unverschämten Leichtigkeit zwischen Kreativität und Killerinstinkt. Deutschland wirkte bereit.

Doch Olympia verzeiht keine 90 Prozent.

Die Niederlage gegen Lettland war mehr als ein Ausrutscher sie war ein Warnsignal. Zu viele kleine Fehler, zu wenig Konsequenz in den entscheidenden Momenten. Gegen die USA fehlte dann die letzte Stabilität. Und plötzlich war aus der komfortablen Ausgangslage ein Turnier mit Druck geworden.

Im Playoff-Spiel gegen Frankreich zeigte das Team Charakter. Fünf Tore, kontrolliertes Spiel, klare Körpersprache. Das war reifes Turnier-Eishockey.

Aber im Viertelfinale wartete die Slowakei und dort endete die Reise. 2:6. Ein Spiel, das im zweiten Drittel kippte und nie wieder eingefangen wurde. Deutschland hatte Phasen, hatte Chancen, hatte individuelle Qualität. Aber keine Dominanz.

Am Ende bleibt: Viertelfinale. Solide. Erwartbar. Und doch fühlt es sich nach mehr an.

Die Zahlen hinter dem Gefühl

Offensiv wurde geliefert zumindest phasenweise.

Leon Draisaitl: Führungsspieler, Torgefahr in jeder Partie.

Tim Stützle: Explosiver Auftakt, konstante Unruhe für gegnerische Defensiven.

Lukas Reichel: Wichtige Punkte in den K.o. Spielen.

Philipp Grubauer: Hohe Fangquote in der Vorrunde, viel Arbeit im Slot.

Deutschland brachte tausende NHL-Spiele Erfahrung aufs Eis und genau das merkte man auch. Die individuelle Klasse ist da. Aber internationale Turniere werden nicht nur mit Talent entschieden, sondern mit kollektiver Balance.

Die Frauen: Ein Schritt nach vorn, der noch keiner nach oben war

Auch die Frauen des DEB reisten mit Ambition an. Und sie spielten mutig.

Der Sieg gegen Japan zeigte, welches Potenzial in diesem Team steckt. Tempo über die Flügel, bessere Special Teams, mehr Selbstverständnis im Abschluss. Besonders Laura Kluge setzte offensive Akzente und gehörte statistisch zu den auffälligsten Deutschen des Turniers.

Doch gegen die etablierten Nationen fehlte noch die Konstanz über 60 Minuten. Gute Drittel reichten nicht. Gute Spiele reichten nicht. Und so blieb der Einzug ins Halbfinale außer Reichweite.

Aber: Dieses Team wirkt näher dran als noch vor wenigen Jahren.

Was von Olympia 2026 bleibt

Deutschland ist kein Überraschungsteam mehr. Und genau das verändert alles.

Die Zeiten, in denen man mit Außenseiter-Narrativ reisen konnte, sind vorbei. Mit Spielern wie Draisaitl oder Seider im besten Eishockey-Alter verschiebt sich die Erwartungshaltung automatisch. Viertelfinale ist nicht enttäuschend aber es ist auch nicht mehr spektakulär.

Olympia 2026 war kein Scheitern. Es war ein Standort-Check.

Die Männer haben gezeigt, dass sie mithalten können. Die Frauen haben bewiesen, dass sie wachsen. Und beide Programme stehen an einem Punkt, an dem der nächste Schritt kein Traum mehr ist sondern eine logische Konsequenz.

Vielleicht war dieses Turnier nicht delicious im Sinne von Gold.

Aber es war ehrlich.

Und manchmal ist genau das die wichtigste Zutat.