
Die PENNY DEL biegt auf die Zielgerade ein. Die Länderspiel- und Olympia-Pause ist Geschichte, die Akkus sind zumindest theoretisch wieder voll. Was jetzt folgt, ist diese ganz eigene Zeit im Eishockeyjahr: kein Platz mehr für Ausreden, keine Geduld mehr für Formkrisen. Nur noch Punkte. Und Druck.
Willkommen im Endspurt.
Zwischen Direktqualifikation und Nervenspiel
Oben thronen die Kölner Haie. Souverän, stabil, mit dem klaren Anspruch, die Hauptrunde nicht nur ordentlich, sondern dominant zu beenden. Hinter ihnen lauern die Adler Mannheim, der ERC Ingolstadt und der EHC Red Bull München alles Teams, die wissen, wie sich Playoff-Hockey anfühlt. Und wie es sich anfühlen muss.
Doch die eigentliche Musik spielt aktuell ein paar Plätze dahinter.
Denn Platz sechs ist kein kosmetisches Ziel. Er ist der Unterschied zwischen ein paar freien Tagen und einem Best-of-3-Nerventest im März. Wer Sechster wird, steht direkt im Viertelfinale. Wer Siebter bis Zehnter wird, darf nachsitzen.
Die Eisbären Berlin stehen sinnbildlich für dieses Spannungsfeld. Titelverteidiger, Anspruch auf mehr als Mittelmaß und trotzdem in der Konstellation, in der jeder Spieltag zur kleinen Richtungsentscheidung wird. Ein Wochenende mit null Punkten? Plötzlich droht das Pre-Playoff-Szenario. Zwei Siege? Direkt wieder mit Tuchfühlung nach oben.
So eng ist es.
Das Pre-Playoff-Fenster: Chance oder Stolperfalle?
Die Plätze sieben bis zehn sind keine Komfortzone. Sie sind ein Drahtseilakt.
Teams wie die Straubing Tigers, die Fischtown Pinguins Bremerhaven, die Grizzlys Wolfsburg, die Nürnberg Ice Tigers oder die Schwenninger Wild Wings wissen: Ein, zwei direkte Duelle können hier alles verschieben.
Das Problem am Best-of-3-Modus? Er verzeiht nichts.
Ein schwaches Drittel.
Eine dumme Strafe.
Ein heißer Goalie auf der Gegenseite.
Und plötzlich ist die Saison vorbei, obwohl man 52 Spieltage investiert hat.
Genau deshalb ist Platz sechs im Moment vermutlich der begehrteste Tabellenrang der Liga.
Momentum schlägt Mathematik
In dieser Phase zählen nicht nur Punkte, sondern Trends. Wer kommt mit Tempo aus der Pause? Wer hat verletzte Schlüsselspieler zurück? Wer findet sein Special-Teams-Timing?
Powerplay-Quoten, Penalty Killing, Goalie-Save-Percentage all das wird jetzt seziert wie sonst nur im April. Denn Playoff-Hockey beginnt mental schon im Februar.
Ein direktes Duell gegen einen Tabellennachbarn ist aktuell mehr wert als jeder Pflichtsieg gegen ein Team aus dem Tabellenkeller. Es geht nicht nur um zwei oder drei Punkte. Es geht darum, dem Konkurrenten nichts zu überlassen.
Und unten?
Auch im unteren Drittel der Tabelle ist der Druck real. Wer die Pre-Playoffs verpasst, spielt die Saison faktisch nur noch zu Ende. Für manche Standorte geht es zusätzlich um das Thema sportliche Zukunft abhängig von Lizenzfragen in der DEL2 kann auch der letzte Tabellenplatz noch eine Rolle spielen.
Das sorgt für eine besondere Mischung: oben Ambition, in der Mitte Nervosität, unten Existenzkampf.
Was uns erwartet
Die nächsten Spieltage werden kein Schönwetter-Eishockey.
Sie werden körperlich.
Sie werden eng.
Sie werden taktisch.
Trainer werden rotieren, Matchups gezielt suchen, Goalies schonen oder bewusst durchziehen. Jeder Punkt wird gefeiert wie ein kleiner Sieg und jede Niederlage fühlt sich doppelt schwer an.
Der Endspurt in der PENNY DEL ist kein Sprint. Er ist ein Härtetest. Für Kaderbreite. Für mentale Stabilität. Für Führungsfiguren.
Und vielleicht ist genau das das Schöne daran: Jetzt zeigt sich, wer wirklich bereit ist für den April.


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