Mailand. Finale. USA gegen Kanada. Natürlich.

Wenn diese beiden Nationen im Frauen-Eishockey aufeinandertreffen, geht es nie nur um Gold. Es geht um Geschichte, um Generationen, um ein Kapitel mehr in einer Rivalität, die seit den Olympischen Winterspielen 1998 praktisch jedes olympische Turnier prägt. Und auch bei den Olympische Winterspiele 2026 war es wieder so weit.

Am Ende stand ein 2:1 nach Verlängerung für die USA. Aber das Ergebnis erzählt nur einen Bruchteil dieser Geschichte.

Abtasten, Druck, Geduld

Das erste Drittel war kein Spektakel zumindest nicht auf dem Scoresheet. Null Tore, aber jede Menge Intensität. Zwei Teams, die sich kennen wie kaum andere. Jeder Pass unter Druck. Jede Scheibenannahme ein kleines Duell.

Kanada hatte früh gute Sequenzen im Forecheck, die USA antworteten mit Tempo über die Außen. Viel Struktur, wenig Risiko. Es roch nach einem langen Abend.

Der Shorthander, der alles veränderte

Im zweiten Drittel dann der erste Stich. Und was für einer.

Kanada traf in Unterzahl. Ausgerechnet. Ein Moment, der das Momentum komplett auf die kanadische Seite zog. Die USA mussten plötzlich nicht nur gegen eine extrem disziplinierte Defensive arbeiten, sondern auch gegen das Gefühl, einem Rückstand hinterherzulaufen, der sich schwerer anfühlte als nur ein Tor.

Die US-Goalie Aerin Frankel hielt ihr Team mit mehreren starken Saves im Spiel. Auf der anderen Seite wuchs Ann-Renée Desbiens einmal mehr über sich hinaus. Es entwickelte sich dieses typische USA-Kanada-Finale: eng, physisch, nervenaufreibend.

Wenn es brennt, ist sie da

Dann die 58. Minute.

Extra Angreiferin auf dem Eis. Alles oder nichts.

Und natürlich ist es Hilary Knight.

Der Ausgleich zum 1:1 war mehr als nur ein Tor. Es war ein Statement. Knight, Gesicht einer Generation, erzielte damit nicht nur den vielleicht wichtigsten Treffer des Turniers sie setzte auch ein weiteres Ausrufezeichen hinter ihre olympische Legacy.

In diesen Momenten wirkt sie fast unvermeidlich.

Golden Goal und pure Erlösung

Overtime. Plötzlich ist jeder Fehler fatal.

Fünfte Minute der Verlängerung. Die Scheibe kommt an die blaue Linie. Ein schneller Move, ein entschlossener Abschluss und das Netz zappelt.

Megan Keller.

2:1. Gold. Ekstase.

Die US-Bank explodiert, Handschuhe fliegen, Helme werden umarmt. Kanada bleibt fassungslos zurück wie so oft in dieser Rivalität entscheidet eine Kleinigkeit, ein Moment, ein Schuss.

Mehr als nur ein Finale

Mit diesem Sieg holen die USA ihr drittes Olympiagold im Frauen-Eishockey. Und wieder einmal zeigt sich: Diese Sportart gehört bei Olympia zwei Nationen. Seit Einführung 1998 ging Gold ausschließlich an die USA oder Kanada.

Auch auf kanadischer Seite war es womöglich ein Abschied auf großer Bühne. Marie-Philip Poulin, seit Jahren Synonym für Big-Game-Performance, kämpfte bis zum Schluss. Doch diesmal schrieb die Gegenseite das letzte Kapitel.

Was bleibt

Ein Finale, das alles hatte: taktische Disziplin, Emotion, physische Härte und eine Overtime, die sich anfühlte wie ein Münzwurf auf höchstem Niveau.

USA gegen Kanada im Frauen-Eishockey ist kein normales Spiel. Es ist ein Ritual. Ein Duell, das sich immer wieder neu erfindet und doch vertraut bleibt.

Und auch 2026 gilt: Wenn diese beiden aufeinandertreffen, bekommt der Sport seine größte Bühne.