Deutschland erst dominant, dann erwachsen, 5:1 gegen Frankreich als Pflicht mit Ausrufezeichen

Mailand. Dienstagmittag. 12:10 Uhr. Quali-Spiel. Do-or-die-Vibes auch wenn es sich auf dem Papier nicht so liest. Bei den Olympische Winterspiele 2026 zählt nur eins: weiterkommen. Und genau das hat das DEB-Team in der Santagiulia Ice Hockey Arena erledigt sachlich, strukturiert, mit genügend Starpower für die Schlagzeile und genug Tiefe für die Coaches-Notizen.

Am Ende steht ein 5:1. Klingt klar. War es auch. Aber nicht geschenkt.

Früher Punch, klare Hierarchie

Deutschland brauchte keine Abtastphase. Erstes Powerplay, klare Formation, Scheibe oben gehalten und dann macht es eben der, der solche Turniere prägt: Leon Draisaitl. Direkter Abschluss. Keine Diskussion. 1:0.

Was danach auffiel: kein Zurückziehen, kein „Verwalten“. Deutschland blieb oben drauf. Forecheck mit Struktur, saubere Breakouts, kaum Turnover in der neutralen Zone. Das 2:0 durch Frederik Tiffels war die logische Konsequenz schneller Release, wenig Show, maximaler Effekt.

Und weil Momentum bei Olympia schneller kippt als einem lieb ist, legte JJ Peterka direkt nach. 3:0 nach dem ersten Drittel. Statement gesetzt. Spiel unter Kontrolle.

Der kurze Moment des Wackelns

Frankreich bekam seinen Push angeführt von Kapitän Pierre-Edouard Bellemare, der einen Rebound verwertete. 3:1. Für einen Moment wurde es lauter in der Halle. Für einen Moment war es ein Spiel.

Aber genau hier zeigte sich der Unterschied zwischen „überraschend im Turnier“ und „mit Medaillenambition unterwegs“.

Deutschland blieb ruhig.

Kein wildes Hinterherlaufen, kein unnötiges Risiko in der Offensive. Die Defensive rückte kompakt ein, die Center arbeiteten sauber zurück. Und hinten stand Philipp Grubauer nicht spektakulär, aber präsent. Keine unnötigen Rebounds, gutes Stellungsspiel, klare Kommunikation.

Das war erwachsenes Turnierhockey.

Tiefe schlägt Hoffnung

Im Schlussdrittel kam dann das, was gute Teams auszeichnet: Secondary Scoring.

Joshua Samanski erhöhte auf 4:1 sauber ausgespielt, mit Tempo durch die Mitte. Spätestens da war die Körpersprache eindeutig.

Frankreich versuchte es mit gezogenem Goalie, aber Nico Sturm setzte den Empty-Netter zum 5:1. Deckel drauf. Handschlag. Fokus nach vorne.

Was dieses Spiel wirklich bedeutet

Ja, es war ein Pflichtsieg.

Ja, Frankreich ist nicht Kanada.

Aber K.o.-Spiele bei Olympia sind keine Stilwettbewerbe. Es geht um Kontrolle. Um Details. Um Special Teams. Und genau da war Deutschland stabil:

Frühes Powerplay-Tor Kaum defensive Breakdown-Sequenzen Struktur im Umschaltspiel Tiefe im Scoring

Das ist kein Zufall. Das ist Turnierentwicklung.

Blick Richtung Viertelfinale

Jetzt wartet die Slowakei. Mehr Physis. Mehr Geduldsspiel. Mehr Nettofront-Traffic. Das wird kein Spiel, das man mit einem schnellen 3:0 entscheidet.

Aber mit dieser Mischung aus NHL-Qualität, Rollenakzeptanz in der Tiefe und einem Torhüter, der Stabilität ausstrahlt, hat Deutschland genau das, was man im Februar braucht: ein Spiel, das auch dann trägt, wenn es eng wird.

5:1.

Pflicht erfüllt.

Ambition untermauert.

Und vielleicht, nur vielleicht, beginnt hier gerade mehr als nur ein Viertelfinale