
Man hätte es sich einfach machen können.
Man hätte nach dem 1:5 gegen Kanada sagen können: „War ja klar.“
Man hätte auf die Unterschiede im Tempo, in der Tiefe des Kaders, in der Professionalität verweisen können.
Man hätte das Viertelfinale als Endstation abheften und zur Tagesordnung übergehen können.
Aber wer so denkt, hat dieses Turnier der deutschen Frauen nicht verstanden.
Zurück auf der großen Bühne
Zwölf Jahre. So lange war das deutsche Frauen-Eishockey nicht mehr olympisch vertreten. Und als die Mannschaft des Deutscher Eishockey-Bund in Mailand und Cortina endlich wieder einlief, war das mehr als nur eine Teilnahme. Es war ein Statement.
Diese Mannschaft wollte nicht nur dabei sein.
Sie wollte beweisen, dass sie hierher gehört.
Eine Torhüterin als Fundament
Wenn man über Stabilität spricht, muss man über Sandra Abstreiter sprechen.
Sie ist nicht nur Deutschlands Nummer eins im Tor – sie ist die emotionale Versicherung dieses Teams. Ruhig. Klar. Technisch stark. Eine Torhüterin, die Spiele lesen kann. Die das Chaos sortiert. Die in engen Partien gegen Schweden, Frankreich oder Italien die Nerven behielt.
Ohne sie hätte es dieses Viertelfinale nicht gegeben.
Offensive mit internationalem Format
Und dann ist da Laura Kluge.
Wer sie spielen sieht, erkennt sofort: Das ist internationales Niveau.
Tempo, Spielverständnis, Abschluss sie denkt das Spiel schneller als viele andere auf dem Eis. In der Gruppenphase war sie immer wieder die Spielerin, die Verantwortung übernahm, wenn es eng wurde.
Sie ist das Gesicht einer neuen Generation deutscher Spielerinnen, die nicht mehr nur mithalten wollen sondern gestalten.
Führung, Erfahrung, Widerstand
Kapitänin Daria Gleißner verkörpert das, was man im internationalen Vergleich nicht messen kann: Haltung.
Sie steht für eine Generation, die jahrelang für bessere Strukturen, mehr Sichtbarkeit und Respekt kämpfen musste. Ihre Präsenz auf dem Eis kompromisslos, stabil, fokussiert war gerade in den Druckphasen des Turniers Gold wert.
Und dann dieses Tor.
Der Moment gegen Kanada
Kanada ist im Frauen-Eishockey nicht einfach ein Gegner. Kanada ist eine Institution. Eine Weltmacht.
Als Kanada Frauen Eishockeynationalmannschaft im Viertelfinale das Tempo anzog, war der Klassenunterschied sichtbar. Und trotzdem: Deutschland brach nicht auseinander.
Das Unterzahltor von Franziska Feldmeier war mehr als nur Ergebniskosmetik. Es war ein Symbol. Für Mut. Für Widerstand. Für den Willen, selbst gegen ein übermächtiges Team Haltung zu zeigen.
Am Ende stand ein 1:5.
Aber auf dem Eis stand auch eine Mannschaft, die alles investiert hatte.
Mehr als ein Ergebnis
Was bleibt also?
Ein Viertelfinale.
Eine Rückkehr auf die olympische Bühne.
Und das Gefühl, dass hier etwas wächst.
Mit Spielerinnen wie Abstreiter, Kluge oder der defensiv starken Nina Jobst-Smith, die internationale Erfahrung mitbringen, ist das Fundament gelegt. Dazu junge Talente, die bei diesen Spielen ihre ersten großen Minuten gesammelt haben.
Deutschland ist noch nicht Kanada. Noch nicht USA.
Aber Deutschland ist wieder sichtbar.
Und vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis dieses Turniers:
Diese Mannschaft hat nicht überrascht. Sie hat sich etabliert.
Und das ist erst der Anfang.


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