
Manchmal erzählen 60 Schüsse mehr als fünf Tore.
Schweden gewinnt sein Olympia-Auftaktspiel gegen Italien mit 5:2. Klingt souverän. War es am Ende auch. Aber der Weg dorthin war holpriger, als es die Favoritenrolle vermuten ließ und genau das machte diesen Abend in Mailand interessant.
Ein früher Nadelstich und ein verlorener Schläger
Italien brauchte keine lange Anlaufzeit. Fünfte Minute, etwas Chaos vor dem schwedischen Tor, Filip Gustavsson ohne Schläger Luca Frigo sagt danke. 1:0 für die Gastgeber.
Es war einer dieser Momente, in denen ein Spiel kippen könnte. Emotional sowieso. Taktisch vielleicht auch.
Italien zog sich danach nicht panisch zurück, sondern verteidigte diszipliniert in einer engen Box, blockte Schüsse, nahm die Mitte weg und vertraute auf Damian Clara im Tor.
Und Clara lieferte.
Schwedische Wellen italienischer Fels
Schweden spielte das, was Schweden in Bestbesetzung eben spielt: Tempo über die Außen, schnelle Puckzirkulation, permanente Aktivität der Verteidiger. Rasmus Dahlin verteilte Pucks mit chirurgischer Präzision. Landeskog traf im Powerplay. Nylander brachte die Scheibe dorthin, wo sie wehtut.
Und trotzdem: Italien blieb dran.
Beim 2:2 durch Matt Bradley war das Stadion endgültig wach. Ein Moment, in dem man kurz vergaß, dass hier ein Medaillenfavorit gegen einen Außenseiter spielte.
Doch genau hier zeigt sich der Unterschied zwischen „gut organisiert“ und „titelreif“.
Qualität entscheidet, Geduld auch
Schweden verlor nicht die Struktur. Kein überhastetes Anrennen, kein unnötiges Risiko. Stattdessen weiter Druck, weiter Scheiben zum Tor, weiter Traffic vor Clara.
Irgendwann bricht selbst die stabilste Defensive.
Nylander mit dem 3:2 technisch fein, gedanklich schneller als die Verteidigung. Danach Zibanejad und Hedman mit der endgültigen Entscheidung.
Am Ende stehen rund 60:22 Torschüsse. Das ist kein knapper Sieg, das ist territoriale Dominanz. Aber eben eine, die sich erarbeitet werden musste.
Was das Spiel wirklich zeigt
Schweden hat Tiefe. Wenn die Topreihe nicht trifft, übernimmt die nächste. Wenn das Powerplay stockt, kommt der Druck aus dem Fünf-gegen-Fünf. Italien ist kein Sparringspartner. Diszipliniert, physisch präsent, mit einem Torhüter, der Spiele lange offenhalten kann. Geduld ist eine olympische Tugend. Gerade in kurzen Turnieren entscheidet oft nicht das Spektakel, sondern die Nervenstärke.
Fazit
Es war kein Statement-Sieg im Sinne eines 8:0.
Es war vielleicht etwas Wertvolleres: ein Sieg mit Widerstand.
Schweden hat gezeigt, dass es auch dann Lösungen findet, wenn der Gegner mutig ist und der Puck nicht sofort reinfällt. Und genau solche Spiele braucht man auf dem Weg zu einer Medaille.
Olympia ist kein Sprint.
Aber Schweden ist sehr gut aus den Startblöcken gekommen.


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