Slowakei setzt ein Ausrufezeichen und Finnland steht plötzlich nackt da

Mailand. Erster Spieltag. Viel Pathos, viel Hymne, viel „Olympia-Gefühl“. Und dann das: Die Slowakei schlägt Finnland mit 4:1. Nicht irgendwie. Sondern so, dass man sich im finnischen Lager fragen muss, ob das hier gerade der Beginn einer Titelverteidigung oder einer unangenehmen Woche ist.

Dabei sah lange nichts nach Kontrollverlust aus. Finnland hatte Scheibenbesitz, Struktur, mehr Schüsse (am Ende deutlich über 35, Tendenz Richtung 40). Das gewohnte Bild: viel Blau auf dem Eis, viel Geduld im Aufbau, viel Vertrauen ins System. Nur: Eishockey ist kein Ästhetikwettbewerb. Es geht ums Toreschießen. Und das erledigte an diesem Abend vor allem einer Juraj Slafkovský.

Der Mann für die großen Bühnen traf früh, traf später im Powerplay noch einmal und traf vor allem Finnlands Selbstverständnis. Nach 40 Minuten stand es 1:1. Ein Spiel auf Augenhöhe, vielleicht mit leichten Vorteilen für den Favoriten. Doch im Schlussdrittel zog die Slowakei Finnland den Stecker.

Dalibor Dvorský brachte die Slowaken in Führung. Plötzlich wirkte das finnische Spiel nicht mehr kontrolliert, sondern kontrolliert nervös. Pässe einen Tick zu ungenau. Abschlüsse einen Tick zu überhastet. Und im slowakischen Tor: Samuel Hlavaj. Ruhig. Reaktionsschnell. Präsenz pur. Wer 35 bis 40 Schüsse kassiert und am Ende nur einmal hinter sich greifen muss, hat mehr als „einen guten Abend“.

Finnland drückte, aber die Slowakei konterte mit Klarheit. Kein wildes Verteidigen, kein reines Wegchippen sondern kluge Entscheidungen in den Umschaltmomenten. Slafkovský setzte im Powerplay das 3:1 drauf. Adam Ružička machte mit dem Empty-Netter den Deckel drauf. 4:1. Statement gesetzt.

Was bleibt?

Für die Slowakei ist es mehr als ein Auftaktsieg. Es ist die Erinnerung daran, dass sie auf dieser Bühne niemanden fürchten muss. 2022 Bronze, jetzt dieser Start. Das ist kein Zufall, das ist Entwicklung.

Für Finnland ist es kein Drama noch nicht. Aber es ist ein Warnsignal. Viel Schussvolumen ersetzt keine Effizienz. Struktur ersetzt keine Kreativität im entscheidenden Moment. Und Titelverteidiger-Bonus? Gibt es im olympischen Eishockey nicht.

Dieses Spiel hat gezeigt, wie dünn die Trennlinie ist zwischen „Favorit“ und „Beute“. Und dass ein starkes Schlussdrittel manchmal mehr wert ist als zwei kontrollierte davor.

Olympia ist jung. Aber die Slowakei hat schon jetzt eine Duftmarke gesetzt.

Und Finnland? Muss liefern.