
Der olympische Fackellauf ist eine dieser Ritualhandlungen, die so harmlos aussehen, dass man leicht übersieht, wie viel Aussage in ihnen steckt. Ein paar Schritte, ein paar Bilder, ein Lächeln für die Kamera. Und doch entscheidet sich genau hier, wer zur Geschichte gehört und wer maximal als Randnotiz vorkommt.
Dass im Vorfeld der Winterspiele 2026 auch Figuren und Gesichter aus Heated Rivalry Teil dieses Bildes wurden, ist deshalb kein Zufall. Es ist auch kein „Woke-Bonus“. Es ist eine bewusste Setzung.
Hockey liebt Rivalitäten. Es lebt von ihnen. Von Härte, Reibung, Grenzen. Weniger gut ist es traditionell darin, mit Nähe umzugehen vor allem dann, wenn sie nicht dem altbekannten Skript folgt. Heated Rivalry hat genau diesen blinden Fleck genommen und nicht wegerklärt, sondern ausgeleuchtet. Unbequem. Emotional. Und erstaunlich nah an einer Realität, die viele im Sport bis heute lieber leise halten.
Der Fackellauf macht daraus keine Debatte. Er macht daraus Normalität.
Und das ist entscheidend. Denn wir leben weiterhin in einer Sportwelt, in der es Unternehmen gibt, die mit Regenbogenfarben arbeiten, solange sie sich rechnen und in der gleichzeitig gegen homosexuelle Männer und Frauen gehetzt wird, sobald Sichtbarkeit stört. Eine Welt, in der „Werte“ gern beschworen werden, solange niemand konkret gemeint ist.
Olympia 2026 hätte diesen Moment auch problemlos anders besetzen können. Unauffällig. Erwartbar. Konfliktfrei. Dass man es nicht getan hat, sagt etwas aus. Vielleicht nicht alles. Aber genug.
Für queere Fans, für junge Spieler, für alle, die gelernt haben, im Hockey eher zu funktionieren als sichtbar zu sein, ist so ein Bild mehr als Symbolik. Es ist ein leiser Hinweis darauf, dass Zugehörigkeit nicht verhandelt werden muss.
Rivalität gehört zum Sport. Ausgrenzung nicht.
Manchmal reicht ein bisschen Licht, um zu zeigen, was längst da ist und was zu lange übersehen wurde.


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