
Das 2:1 nach Verlängerung der deutschen Frauen gegen Frankreich bei den Olympischen Winterspielen liest sich knapp, fast unspektakulär. Auf dem Eis aber war es ein Spiel über Kontrolle, Geduld und darüber, wie schwer es ist, Dominanz auch in Tore zu übersetzen.
Deutschland ging mit dem klaren Wissen ins Spiel, dass es hier keinen Raum für Fehler gab. Nach einem durchwachsenen Turnierstart war Frankreich das Team, gegen das man liefern musste nicht mit Show, sondern mit Struktur.
Frühe Kontrolle, wenig Ertrag
Von Beginn an übernahm Deutschland die Kontrolle. Saubere Breakouts, klare Rollen in der Neutralen Zone und viel Scheibenbesitz sorgten dafür, dass Frankreich früh in die eigene Hälfte gedrückt wurde. Die Schussstatistik kippte schnell zugunsten des DEB-Teams.
Was fehlte, war die Konsequenz im Abschluss. Frankreich verteidigte tief, blockte Wege zum Slot und setzte darauf, dass die deutsche Geduld irgendwann bröckelt. Dass die Führung dennoch im ersten Drittel fiel, war folgerichtig ein Powerplay, ruhig ausgespielt, mit Verkehr vor dem Tor.
Das bekannte Problem der Effizienz
Auch im zweiten Drittel änderte sich wenig am Spielbild. Deutschland diktierte Tempo und Richtung, Frankreich reagierte. Doch mit jeder vergebenen Chance wuchs das Risiko, dass ein einzelner Fehler das Spiel kippen könnte.
Genau hier liegt seit Jahren eine der größten Herausforderungen im deutschen Frauen-Eishockey: Dominanz in Zählbares umzuwandeln. Die Chancen waren da, das zweite Tor nicht. Und so blieb Frankreich im Spiel – nicht aus eigener Überlegenheit, sondern durch defensive Disziplin.
Ein kurzer Moment, der alles öffnet
Im dritten Drittel reichte ein kleiner Bruch im deutschen Spiel. Ein verlorenes Duell, ein nicht konsequent geklärter Puck Frankreich nutzte die Gelegenheit und glich aus. Das Spiel war plötzlich wieder offen, obwohl sich am Kräfteverhältnis nichts geändert hatte.
Entscheidend war, was danach nicht passierte: kein hektisches Anrennen, kein Auflösen der Struktur. Deutschland blieb ruhig, hielt das Tempo hoch und akzeptierte, dass dieses Spiel Geduld verlangen würde bis zur Verlängerung.
Reife in der Overtime
Mit dem zusätzlichen Raum der Verlängerung kam das deutsche Spiel noch besser zur Geltung. Mehr Tempo, klarere Laufwege, schnelleres Umschalten. Der Siegtreffer fiel nicht zufällig, sondern als logische Folge eines konsequent gespielten Wechsels.
Es war kein Highlight-Tor, sondern ein ehrliches. Eines, das sinnbildlich für dieses Spiel stand.
Warum dieser Sieg wichtig ist
Der Erfolg gegen Frankreich bringt Deutschland in eine gute Ausgangslage im Kampf um das Viertelfinale. Noch wichtiger aber ist die Art und Weise, wie dieser Sieg zustande kam.
Dieses Team gewinnt nicht durch Spektakel. Es gewinnt durch Struktur, Geduld und die Fähigkeit, Rückschläge im Spiel zu akzeptieren, ohne den eigenen Plan aufzugeben. In einem olympischen Turnier ist genau das oft der Unterschied.
Nicht perfekt. Aber erwachsen. Und ein weiterer Schritt nach vorn.


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