Ein Resultat, das lauter wirkt als das Spiel war

4:0 für Kanada liest sich eindeutig. Und doch war dieses Spiel lange kein Selbstläufer für den Titelverteidiger. Die Geschichte dieses Abends wurde nicht vom Score diktiert, sondern von Widerstand, Struktur und einer Torhüterin, die sich dem Dauerbeschuss konsequent entgegenstellte: Saskia Maurer.

Wenn ein Spiel sofort Richtung bekommt

Kanada übernahm vom ersten Bully an die Kontrolle, verlagerte das Spiel tief ins Schweizer Drittel und setzte früh auf Tempo und Scheibenbewegung. Die Schweiz nahm diese Realität an. Sie zog sich zurück, verteidigte kompakt und akzeptierte Schüsse aus der Distanz. Nach 20 Minuten stand es 0:0 trotz eines Schussverhältnisses von 17:2. Kein Zufall, sondern ein Plan.

Saskia Maurer und die Kunst des Stillhaltens

Maurer war von Beginn an präsent, ruhig, klar in ihren Bewegungen. Sie ließ kaum Rebounds zu, hielt den Oberkörper stabil und las das Spiel hervorragend. Zwei-auf-eins-Situationen, verdeckte Schüsse, Tip-ins sie begegnete allem mit Geduld statt Hektik. Die Schweizer Defensive half, indem sie Räume schloss und Sticks in Passlinien brachte, doch das Fundament war Maurers Spielverständnis.

Der Moment, in dem Geduld belohnt wird

Im zweiten Drittel erhöhte Kanada den Druck weiter. Die Chancen häuften sich, doch das Tor blieb wie vernagelt. Erst eine unnötige Strafe gegen Alina Müller brachte Kanada ins Powerplay und schließlich auf die Anzeigetafel. Ein Schuss von Marie-Philip Poulin sprang unglücklich durch den Slot, Natalie Spooner war die letzte am Puck. Kein spektakulärer Treffer, aber ein wichtiger.

Widerstand, der nicht im Statistikbogen steht

Wer nur auf die Schüsse blickt, übersieht, wie viel Arbeit die Schweiz ohne Puck leistete. Blockschüsse, Wege zurück in die Zone, konsequente Box-Arbeit. Kanada bekam kaum freie Abschlüsse aus dem Slot, musste sich viele Chancen erarbeiten. Maurer raubte Blayre Turnbull in einem Zwei-auf-eins die Nerven, Poulin verzog aus bester Position Momente, in denen das Spiel hätte kippen können, es aber nicht tat.

Strafen, die den Rhythmus brechen

Im dritten Drittel verlor die Schweiz kurz die Kontrolle über das Detailspiel. Zwei Boarding-Strafen gegen Ivana Wey in schneller Folge waren vermeidbar und gaben Kanada genau das, was man diesem Team nicht geben darf: Zeit. Fünf Sekunden nach Ablauf der zweiten Strafe nutzte Sarah Fillier eine chaotische Szene zum 2:0.

Gleichzeitig blieb ein Ungleichgewicht im Spielgefühl. Während die Schweiz für jeden Fehler den Pfiff hörte, blieben mehrere Aktionen der Kanadierinnen ungeahndet Behinderungen fernab des Pucks, Körperspiel was in einem grauen Raum sich umtreibt und kleine Hooks im Slot. Keine Ausreden, aber Nuancen, die in einem ohnehin kräftezehrenden Spiel zusätzlich wiegen.

Wenn die Überzahl entscheidet

Das 3:0 durch Julia Gosling fiel erneut im Powerplay, ein Ablenker nach einem Schuss von Erin Ambrose. Spätestens hier war die Last zu groß. Daryl Watts setzte mit einem verdeckten Distanzschuss den Schlusspunkt eines der wenigen Tore, bei denen Maurer weder Sicht noch Chance hatte.

51 Paraden, die bleiben

55 Schüsse, 51 Saves. Zahlen, die selten sind und noch seltener zufällig. Die Schweiz verlor dieses Spiel nicht wegen mangelnder Defensive, sondern wegen der schieren Wucht eines Gegners, der Fehler gnadenlos nutzt. Und wegen ein paar unnötiger Strafen zur falschen Zeit.

Was bleibt, ist eine Leistung, die im Resultat untergeht. Und eine Torhüterin, die dieses Spiel lange offen hielt länger, als es der Spielverlauf vermuten ließ.

Manchmal sagt ein Spiel nicht, wer besser war. Sondern, wer standgehalten hat.