
Es ist dieses leise, unangenehme Déjà-vu, das Eishockey-Fans seit Monaten begleitet.
Die NHL hat zugesagt. Die Stars freuen sich. Die Nationalteams planen. Und trotzdem schwebt über Olympia 2026 ein Gedanke, den niemand laut aussprechen will: Was, wenn sie es wieder absagen?
Der Grund dafür steht in Mailand. Oder genauer gesagt: auf dem Eis von Mailand.
Eine Zusage mit Sternchen
Offiziell ist alles klar. Die NHL und die Spielergewerkschaft NHLPA haben grünes Licht gegeben, NHL-Spieler sollen bei den Winterspielen 2026 in Mailand-Cortina teilnehmen. Zum ersten Mal seit Sotschi 2014. Endlich wieder Crosby, McDavid, Draisaitl das volle Programm.
Inoffiziell aber ist diese Zusage mit einem unsichtbaren Sternchen versehen:
Sofern die Bedingungen stimmen.
Und genau hier beginnt das Problem.
Die Arena, die zu spät kommt wie immer
Die neue Eishockey-Arena im Mailänder Stadtteil Santa Giulia ist ein typisches Olympia-Projekt. Ambitioniert geplant, politisch aufgeladen, zeitlich extrem eng. Lange war sie mehr Baustelle als Spielstätte. Testevents fanden statt, während draußen noch Kräne standen.
Beim ersten großen Probelauf passierte das, was man in der NHL nicht hören will:
Ein Loch im Eis. Spielunterbrechung. Diskussionen. Schlagzeilen.
Nun muss man fair bleiben: Neues Eis macht Probleme. Das ist nichts Ungewöhnliches. Aber für eine Liga, die ihre Spieler mit Millionenverträgen schützt wie Porzellan, ist „eigentlich kein Drama“ eben doch ein Drama.
Die NHL denkt nicht olympisch sie denkt unternehmerisch
Was viele Fans unterschätzen:
Die NHL entscheidet nicht emotional. Sie entscheidet haftungsrechtlich, medizinisch und wirtschaftlich.
Ein falscher Check auf schlechtem Eis, eine schwere Knieverletzung, eine Saison kaputt und plötzlich wird aus Olympia-Romantik ein juristischer Albtraum. Die Liga hat nach Peking 2022 gelernt, dass sie jederzeit zurückrudern kann, wenn sie es für nötig hält.
Der Unterschied zu damals:
Diesmal gibt es keine Pandemie, keine Reisebeschränkungen, keinen offensichtlichen Notausgang. Ein Rückzug wegen „Eisqualität“ wäre möglich aber politisch deutlich heikler.
Die Eisfläche ist kleiner das ist kein Drama, aber ein Thema
Hinzu kommt ein Detail, das lange unter dem Radar lief:
Die olympische Eisfläche in Mailand ist minimal kleiner als ein klassisches NHL-Feld. IIHF-konform, ja. Sicherheitsrelevant? Wahrscheinlich nicht.
Aber für die NHL ist das egal. Entscheidend ist nicht, ob es gefährlich ist, sondern ob es als Risiko argumentierbar ist.
Und genau deshalb schaut die Liga so genau hin. Jeder Test, jede Kufe, jede Unebenheit.
Wie realistisch ist ein Rückzug wirklich?
Die ehrliche Antwort:
Ein kompletter Rückzieher ist aktuell unwahrscheinlich aber nicht ausgeschlossen.
Die Signale sind überwiegend positiv:
NHL und NHLPA zeigten sich nach Testevents grundsätzlich zufrieden Spieler selbst winken ab und sagen: „Lasst uns einfach spielen“ Das IOC versichert, dass alles rechtzeitig fertig und sicher sein wird
Aber:
Sollte es kurz vor Olympia ernsthafte Probleme geben nicht kosmetisch, sondern strukturell, dann wird die NHL nicht zögern, Druck auszuüben. Vielleicht nicht mit einem totalen Boykott. Aber mit Auflagen, Verzögerungen oder im Extremfall einem Rückzug.
Fazit: Vertrauen ja, Naivität nein
Olympia 2026 mit NHL-Spielern fühlt sich aktuell real an. Greifbar. Wahrscheinlich.
Aber es ist kein Selbstläufer.
Solange die NHL noch mit Notizblock und Stirnrunzeln am Spielfeldrand steht, bleibt ein Restrisiko. Nicht groß genug für Panik. Aber groß genug, um wachsam zu bleiben.
Oder anders gesagt:
Freuen darf man sich sicher sein sollte man sich noch nicht.



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