
Manchmal erzählen Spiele ihre Geschichte nicht über Dominanz, sondern über Wiederholungen. Wiederholungen von Fehlern, von Mustern und von Momenten, in denen ein Team schneller begreift, worum es an diesem Abend geht. Der 6:3-Heimsieg der Augsburger Panther gegen die Löwen Frankfurt war genau so ein Spiel.
Es war kein Klassenunterschied. Aber es war ein Unterschied im Umgang mit Chaos.
Dabei begann der Abend aus Frankfurter Sicht fast ideal. Ein sauber ausgespielter erster Angriff, ein langer Pass aus der Tiefe, Jakob Lilja frei durch 0:1 nach fünf Minuten. Genau das, was man sich als Auswärtsmannschaft mit vier Niederlagen im Gepäck wünscht: ein früher Treffer, Ruhe, Struktur.
Doch diese Ruhe hielt exakt 56 Sekunden.
Alexander Blank glich postwendend aus, ebenfalls nach Puckverlust im Aufbau der Löwen, ebenfalls per Alleingang. Und damit war das Thema des Abends gesetzt: Frankfurt ließ Augsburg zu oft genau das Spiel spielen, das den Panthern liegt.
Lange Pässe, kurze Wege, große Wirkung
Augsburgs Spiel war simpel, aber präzise. Sobald Frankfurt im Offensivzyklus ungenau wurde, ging es sofort vertikal. Thomas Schemitsch war dabei der heimliche Dirigent: zwei lange Pässe, zwei Alleingänge, zwei Tore vor der ersten Pause. Erst Blank, dann Joe Cramarossa beide Male hatte Frankfurt eigentlich die Scheibe, beide Male fehlte die letzte Konsequenz.
Dass die Panther zur ersten Pause mit 2:1 führten, war kein Ausdruck von Überlegenheit, sondern von Effizienz. Frankfurt hatte seine Phasen, seine Abschlüsse, sogar seine Unterzahlmomente. Aber Augsburg hatte die klareren Antworten.
Das zweite Drittel: Kontrolle, dann Kontrollverlust
Ironischerweise spielten die Löwen ihr bestes Eishockey ausgerechnet zu Beginn des Mitteldrittels. Die Kose Pfaffengut Lilja Reihe band Augsburg tief, Cameron Brace scheiterte frei an Michael Garteig, Eric Uba traf die Latte. Es war die Phase, in der Frankfurt das Spiel eigentlich hätte kippen können.
Tat es aber nicht.
Stattdessen reichte Augsburg ein einziger sauberer Angriff. Cramarossa setzte sich über links durch, Bowey rückte nach, Tip-In 3:1. Nur drei Minuten später folgte der nächste Nadelstich: Konter, Querpass Pilu, Sebastian Zwickl vollendet eiskalt zu seinem ersten DEL-Tor.
4:1 und plötzlich war ein Spiel, das Frankfurt kontrolliert hatte, komplett gekippt.
Fünf Minuten Wahnsinn und keine Richtung
Was folgte, war Wild West auf Kufen. Frankfurt antwortete sofort, Lilja traf nur 13 Sekunden später zum 4:2. Augsburg schlug im Powerplay zurück, Busdeker zielte perfekt, Tokarskis Abend war beendet. Elf Sekunden danach wieder Frankfurt: Kose verkürzte auf 5:3.
Vier Tore in nicht einmal drei Minuten es war spektakulär, offen, aber auch symptomatisch. Augsburg nutzte jeden Fehler. Frankfurt produzierte sie weiter.
Ein Shorthander als Schlussstrich
Im Schlussdrittel wurde das Spiel ruhiger. Augsburg verteidigte tiefer, strukturierter, ließ kaum noch zweite Chancen zu. Frankfurt hatte noch einmal Überzahl, noch einmal Hoffnung und fing sich den finalen Konter.
Jason Bast traf in Unterzahl zum 6:3 und beendete damit endgültig eine Partie, die Frankfurt nicht verlor, weil es zu wenig investierte, sondern weil es zu oft den falschen Moment für Risiko wählte.
Fazit
Augsburg gewinnt dieses Spiel nicht, weil es durchgehend besser war sondern weil es schneller verstand, wo es Frankfurt weh tut. Lange Pässe, schnelle Umschaltmomente, kompromisslose Abschlüsse. Die Panther fanden den Hebel und zogen ihn konsequent.
Frankfurt hingegen bleibt eine Mannschaft, die sich selbst zu oft im Weg steht. Engagement, Tempo, Phasen von Kontrolle alles da. Aber in dieser PENNY DEL reicht das nicht, wenn Sorglosigkeit immer wieder Tür und Tor öffnet.
Sechs Tore für Augsburg, drei Punkte im Kampf um Platz zehn.
Und für die Löwen eine weitere Lektion darüber, wie schmal der Grat zwischen gutem Spiel und erneutem Rückschlag sein kann.



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