
Es gibt diese Abende, an denen ein Spiel nicht entschieden wird, sondern kippt.
Langsam. Unmerklich. Und dann auf einmal.
Donnerstagabend am Seilersee war genau so ein Spiel. Die Iserlohn Roosters gegen den amtierenden Meister aus Berlin – und am Ende steht ein 4:3 auf der Anzeigetafel, das nüchtern wirkt, aber eine Geschichte trägt, die deutlich größer ist als drei Punkte.
Iserlohn beginnt Berlin übernimmt
Iserlohn startete, wie man es gegen ein Team wie die Eisbären tun muss: mutig, geradlinig, ohne Respekt. Törnqvist probierte früh den Bauerntrick, Jenike hielt Pföderl im Eins-gegen-eins kleine Szenen, die signalisierten: Wir sind da.
Als Daniel Neumann nach schöner Kombination aus dem Slot traf, war das mehr als nur ein Tor. Es war die Belohnung für eine Anfangsphase, in der Iserlohn zwar nicht dominierte, aber präzise war. Camaras 2:0 nach Bullygewinn fühlte sich fast effizient an vielleicht sogar ein bisschen zu effizient.
Denn Berlin war längst im Spiel.
Und Berlin, das ist in dieser Saison weniger ein Team, das sich aufbaut, sondern eines, das sich festbeißt.
Das zweite Drittel gehört dem Meister
Was folgte, war ein Mitteldrittel, das den Spielverlauf neu schrieb.
Die Eisbären erhöhten das Tempo, gewannen die Zweikämpfe, zwangen Iserlohn immer tiefer in die eigene Zone. Kirk verkürzte, Byron glich aus und plötzlich hatte das Spiel eine andere Statik.
Als Kirk kurz vor der zweiten Pause per Solo inklusive Bauerntrick auf 3:2 stellte, war das nicht nur technisch sehenswert. Es war das logische Resultat von zwanzig Minuten Berliner Kontrolle.
Iserlohn wirkte in dieser Phase nicht schlecht aber klein.
Und dann: Ugbekile
Hockey aber ist kein Sport der Besitzverhältnisse.
Hockey ist ein Sport der Momente.
Berlin kontrollierte auch im Schlussdrittel lange die Struktur. Wenige Chancen, wenig Chaos, viel Ordnung. Genau das Spiel, das man führt, wenn man in der Fremde ein 3:2 verwalten will.
Dann aber kam Colin Ugbekile.
Ein Schuss von der blauen Linie. Verkehr vor dem Tor. Stemmer sieht nichts.
3:3.
Das Spiel war wieder offen und plötzlich war da dieses leise Rauschen auf den Rängen, das sagt: Hier passiert noch was.
Berlin bekam seine Räume. Iserlohn bekam seine Chancen. Jenike hielt. Die Defensive hielt. Und als alle schon anfingen, sich auf Overtime einzustellen, passierte es wieder.
Ugbekile.
Blaue Linie.
Schuss.
4:3.
Kein Kunstwerk. Kein Highlight für die Jahresrückblicke.
Aber ein Tor, das Spiele entscheidet.
Warum dieser Sieg mehr war als Glück
Ja, Iserlohn hatte Glück. Ja, Berlin war über weite Strecken das bessere Team.
Aber Iserlohn hatte etwas, das in solchen Spielen zählt: Standhaftigkeit.
Die Roosters brachen nicht, als Berlin sie im zweiten Drittel zerlegte. Sie verloren nicht die Struktur, als der Meister im Schlussabschnitt das Spiel kontrollierte. Sie warteten auf Fehler, auf Räume, auf den einen Schuss.
Und manchmal reicht genau das.
Am Ende stand ein 4:3, das sich für Berlin bitter anfühlte und für Iserlohn wie ein Statement wirkte:
Nicht schön. Nicht dominant.
Aber echt.
Und mit Colin Ugbekile als Mann dieses Abends.



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