Deutschlands Olympia-Kader 2026: Endlich wieder Weltklasse aber reicht das auch?

Man kann dem Deutschen Eishockey-Bund vieles vorwerfen, aber nicht mangelnden Mut. Der Olympia-Kader 2026 ist kein Sicherheitskonzept, kein „bloß nicht untergehen“ Aufgebot. Er ist ein Statement. Und zwar eines, das sagt: Wir gehören hierher. Und wir wollen mehr als nur Viertelfinale.

Der Grund ist schnell benannt: NHL-Spieler sind zurück bei Olympia. Und Deutschland bringt nicht irgendwen mit, sondern echte Difference Maker.

Die Achse, die alles verändert

Wenn du bei Olympia Leon Draisaitl im Lineup hast, verändert das alles. Matchups, Powerplays, gegnerische Spielpläne. Draisaitl ist nicht nur der beste deutsche Spieler aller Zeiten, er ist einer der fünf besten Spieler der Welt. Punkt.

Dazu kommen:

Tim Stützle, der mit Tempo Räume fräst, wo eigentlich keine sind Moritz Seider, der inzwischen nicht mehr Talent, sondern komplette Nummer-1-Verteidigerlösung ist Philipp Grubauer, der an guten Tagen Spiele alleine klaut

Das ist eine Achse, die Deutschland bei früheren Turnieren schlicht nicht hatte. Nicht 2018, nicht 2022, nicht bei Weltmeisterschaften. Das hier ist ein anderes Regal.

Harold Kreis und die neue deutsche Identität

Spannend ist weniger wer nominiert wurde sondern warum. Harold Kreis bleibt seiner Linie treu:

Struktur vor Spektakel, Verantwortung vor Namen, Spielintelligenz vor bloßem Tempo.

Spieler wie Nico Sturm, Marc Michaelis oder Jonas Müller stehen sinnbildlich für diese Philosophie. Sie werden keine Highlight-Clips dominieren, aber sie sorgen dafür, dass Draisaitl und Stützle überhaupt glänzen können. Das ist Teamdenken auf internationalem Topniveau.

Was auffällt:

Deutschland spielt nicht mehr „deutsch“. Kein reines Nord-Süd-Hockey, kein permanentes Dump-and-Chase. Dieses Team kann Puckbesitz, kann über mehrere Lanes angreifen, kann variabel reagieren.

Das ist neu. Und gut.

Die Defensive: stabil aber nicht unangreifbar

Mit Seider als Fixpunkt wirkt die Abwehr auf dem Papier solide bis stark. Müller, Wissmann, Gawanke das sind internationale Kaliber. Trotzdem bleibt ein Fragezeichen: Tiefe.

Gegen Nationen wie Kanada oder die USA wird Deutschland Phasen überstehen müssen, in denen es brutal wird. Da entscheidet nicht das erste Verteidigerpaar, sondern das dritte. Hier liegt die größte strukturelle Herausforderung.

Medaillenkandidat? Ja. Favorit? Nein.

Man muss ehrlich bleiben:

Kanada, USA, Schweden sie haben mehr Tiefe, mehr Automatismen, mehr brutale Qualität auf jeder Position.

Aber:

Deutschland ist kein Außenseiter mehr. Dieses Team kann ein Halbfinale erreichen, kann ein Spiel kippen, kann bei einem heißen Goalie und funktionierendem Powerplay sogar um Edelmetall spielen.

Und das ist der eigentliche Fortschritt.

Fazit: Deutschland ist angekommen

Dieser Kader fühlt sich nicht mehr wie eine Überraschung an. Sondern wie eine Konsequenz. Aus Jahren guter Nachwuchsarbeit, aus NHL-Entwicklungspfaden, aus einem Trainer, der weiß, was er tut.

Deutschland fährt nicht nach Mailand, um „Erfahrung zu sammeln“.

Deutschland fährt hin, um ernst genommen zu werden.

Und ganz ehrlich:

Das allein ist schon ein kleines Stück Eishockeygeschichte.