Zwischen Pantkowski und Pfosten: Frankfurts Jahresstart mit zwei Gesichtern

Neujahr ist im Eishockey selten ein Neuanfang. Meist ist es eher ein Verstärker. Für Trends, für Stimmungen, für das, was ohnehin schon da ist. Bei den Löwen Frankfurt zeigte der Start ins Jahr 2026 genau das in zwei Akten, die unterschiedlicher kaum hätten sein können.

Akt I: Berlin und die Kunst des perfekten Auswärtsspiels

Es gibt Spiele, die fühlen sich größer an als ihr Ergebnis. Der 3:2-Erfolg der Löwen bei den Eisbären Berlin war so eines. Kein Spektakel, kein Offensivrausch sondern Kontrolle, Disziplin und ein Torhüter, der seiner Mannschaft genau das gab, was sie brauchte: Ruhe.

Dabei begann der Abend in der ausverkauften Uber Arena alles andere als ideal. Früh gerieten die Löwen in Rückstand, als ein harmloser Schlenzer von Eric Mik durch eine unglückliche Ablenkung von Matej Leden unhaltbar im Tor einschlug. Berlin war wach, Frankfurt sortierte sich und verlor dennoch nie die Linie.

Der Schlüssel lag wie so oft im Tor. Mirko Pantkowski spielte nach seinem Shutout gegen Dresden weiter, als hätte er nie aufgehört. 28 Paraden, Fangquote jenseits der 93 Prozent und diese eine Szene gegen Freddy Tiffels, die sinnbildlich für den Abend stand: kein Zucken, kein Vorgriff, einfach stehen bleiben und den Puck fangen. „Pant-k.o.-wski-ed“ traf es ganz gut.

Was Pantkowski hinten ausstrahlte, setzte sich nach vorne fort. Frankfurt ließ sich nicht hetzen, verteidigte geschlossen und wartete auf seine Momente. Als Berlin im zweiten Drittel kollektiv den Überblick beim Wechsel verlor, schlugen die Löwen eiskalt zu: Erst Matushkin nach starkem Umschaltspiel, dann Pfaffengut im Powerplay ein Doppelschlag, der den Eisbären sichtlich den Stecker zog.

Dass Berlin im Schlussdrittel noch einmal zurückkam, passte ins Drehbuch. Dass Frankfurt die passende Antwort fand, ebenso. Dennis Lobach arbeitet an der Bande, Wedman legt quer, Jakob Lilja vollendet gegen die Laufrichtung 3:2, Spiel entschieden. Nicht spektakulär, aber beeindruckend konsequent. Ein Statement Sieg.

Akt II: Schwenningen und die bittere Rückkehr in die Realität

Zwei Tage später, gleiche Halle, andere Geschichte. Die Wild Wings Schwenningen sind für die Löwen in dieser Saison so etwas wie ein hartnäckiger Splitter im Finger: nicht dramatisch, aber permanent spürbar. Auch im dritten Duell gingen die Neckarstädter als Sieger vom Eis diesmal mit 2:1.

Dabei sah zunächst vieles nach einer Fortsetzung der Berliner Geschichte aus. Frankfurt startete druckvoll, bestimmte die Anfangsphase und ging verdient in Führung. Cameron Brace traf nach einem energischen Start, die Halle war da, das Momentum auch.

Doch Schwenningen tat das, was sie in Frankfurt zuletzt immer getan haben: Sie blieben ruhig. Statt mitzuspielen, warteten sie auf Fehler und bekamen sie. Der Ausgleich fiel ausgerechnet in Frankfurter Überzahl, Karachuns Shorthander traf die Löwen empfindlich. Kein lauter Knall, eher ein leises Knacken im Spielgefühl.

Im Mittelabschnitt kippte das Spiel langsam. Nicht durch Chancenflut, sondern durch Präsenz. Schwenningen war aktiver, griffiger, effizienter. Uviras Treffer zum 1:2 war die logische Konsequenz einer Phase, in der Frankfurt zu wenig aus seinem Aufwand machte.

Im letzten Drittel warfen die Löwen alles nach vorne. Viel Wille, wenig Durchkommen. Der vermeintliche Ausgleich wurde nach Videobeweis kassiert, das Powerplay blieb blass, Schwenningen verteidigte diszipliniert und brachte den knappen Vorsprung souverän über die Zeit.

Zwischenbilanz

Zwei Spiele, zwei Resultate, ein gemeinsamer Nenner: Frankfurt ist stabiler geworden. In Berlin reichte das zu einem Auswärtssieg von der Sorte, die man sich im Saisonverlauf merkt. Gegen Schwenningen fehlte am Ende die letzte Konsequenz und vielleicht auch ein Quäntchen Glück.

Neujahr hat für die Löwen nichts neu erfunden. Aber es hat bestätigt, dass diese Mannschaft ihren Weg gefunden hat. Und dass er noch nicht immer bis zum Ziel führt.