
Manchmal sind es nicht die Tore.
Nicht die Checks.
Nicht einmal die Titel.
Manchmal ist es ein Trikot.
Die Warm-Up-Trikots der Frauenmannschaft des ERC Ingolstadt wirken auf den ersten Blick unscheinbar. Aufwärmjersey, Logo auf der Brust, Name, Nummer. Eishockeyroutine. Und doch tragen sie eine Botschaft, die im deutschen Frauen-Eishockey lange zu selten ausgesprochen wird.
Denn dieses Trikot ist kein modisches Extra.
Es ist bewusst gewählt.
Und es hat einen Grund.
Während sich die Spielerinnen einlaufen, Schlittschuhe über das Eis schneiden und der Puck zum ersten Mal an die Bande klatscht, tragen sie einen Satz auf dem Körper, der mehr sagt als jede Pressemitteilung:
Dieses Trikot ist der Stoff, aus dem die Träume gemacht sind.
Das klingt groß. Und genau das soll es auch sein.
Denn die Realität dahinter ist oft klein gehalten.
Die ERC Frauen spielen in der höchsten deutschen Liga. Sie trainieren leistungsorientiert, investieren Zeit, Körper und Kopf in ihren Sport. Hochleistungssport. Trotzdem wird Frauen Eishockey noch immer zu oft als Nebenbei-Projekt behandelt. Als Hobby. Als etwas, das man mit Leidenschaft macht aber bitte ohne große Ansprüche.
Genau darauf macht dieses Warm-Up-Trikot aufmerksam.
Es steht für all das, was im Frauen Eishockey häufig fehlt: Anerkennung. Sichtbarkeit. Und vor allem professionelle Rahmenbedingungen.
Viele Spielerinnen müssen neben dem Eishockey arbeiten oder studieren, tragen finanzielle Risiken selbst und bekommen deutlich weniger Aufmerksamkeit als ihre männlichen Kollegen obwohl der Einsatz derselbe ist. Die Träume sind da. Der Wille auch. Nur die Strukturen hinken hinterher.
Der aufgedruckte Satz ist deshalb kein romantischer Spruch.
Er ist eine Erinnerung daran, dass Träume im Frauen Eishockey oft unter härteren Bedingungen verfolgt werden müssen. Und eine leise Frage an alle, die hinschauen:
Warum eigentlich?
Das Warm-Up-Trikot wird so zur Bühne. Nicht für Protest, nicht für Lautstärke, sondern für Haltung. Es sagt: Wir sind Profis. Wir gehören hierher. Und wir wollen mehr als nur mitlaufen.
Das Besondere an diesem Trikot ist nicht der Stoff.
Es ist die Entscheidung, ihn sprechen zu lassen.
Der ERC Ingolstadt nutzt den Moment vor dem Spiel dort, wo alle hinsehen, aber selten zuhören um genau das sichtbar zu machen. Frauen-Eishockey ist kein Anhängsel. Es ist Leistungssport. Und verdient es, auch so behandelt zu werden.
Manchmal reicht dafür kein Tor.
Kein Titel.
Sondern ein Trikot, das genau im richtigen Moment die richtige Frage stellt.



Hinterlasse einen Kommentar