
Es war nicht schön, es war nicht souverän aber es war genau das Spiel, das diese deutsche U20-Mannschaft brauchte. Mit einem 8:4 gegen Dänemark sicherte sich die DEB-Auswahl in Minneapolis den Verbleib in der Top-Division der U20-Weltmeisterschaft. Zum sechsten Mal in Folge bleibt Deutschland damit Teil der höchsten Nachwuchsklasse. Und wie schon in den Jahren zuvor musste dafür die Relegation herhalten.
Vor 2.645 Zuschauern in der Mariucci Arena zeigte das Team von Tobias Abstreiter über weite Strecken seine beste Turnierleistung nicht, weil alles funktionierte, sondern weil man trotz Rückschlägen, Strafzeiten und dänischer Comeback-Versuche immer wieder Antworten fand.
Deutschland startete so, wie man es sich für ein Alles oder nichts-Spiel wünscht: aktiv, konzentriert und mit klarer Zielrichtung. David Lewandowski nutzte in der vierten Minute den freien Raum im Slot eiskalt zur frühen Führung, Maxim Schäfer legte im Powerplay wenig später nach. Die 2:0-Führung spiegelte die Anfangsphase wider Deutschland hatte Kontrolle, Dänemark wirkte beeindruckt.
Doch wie so oft im Turnier brachte sich das DEB-Team selbst um einen ruhigen Spielverlauf. Kurz vor der Pause nutzten die Dänen ihr Powerplay, Mads Klyvo traf zum 2:1 ein Muster, das sich noch mehrfach wiederholen sollte.
Im zweiten Drittel schien Deutschland zunächst davonzuziehen. Manuel Schams profitierte von einem dänischen Aufbaufehler, Simon Seidl erhöhte aus spitzem Winkel auf 4:1. Es war die Phase, in der das Spiel eigentlich hätte entschieden werden können. Stattdessen kam Dänemark zurück erneut durch Überzahl, erneut durch Klyvo, ehe Oliver Green nach starkem Forecheck auf 4:3 verkürzte. Die Partie war wieder offen, obwohl Deutschland spielerisch Vorteile hatte.
„Heute war unser bestes Spiel im Turnier“, sagte Schams später und meinte damit weniger die defensive Stabilität als vielmehr die Art, wie die Mannschaft mit Druck umging.
Die Entscheidung fiel früh im dritten Drittel und wieder war es Special Teams Hockey. Nach einer vergebenen dänischen Großchance spielte Deutschland über eine Minute in doppelter Überzahl. Dustin Willhöft nutzte sie mit einem starken Solo zum 5:3. Von da an kippte das Momentum endgültig.
Schams traf erneut aus der Distanz, Dänemarks Kapitän Anton Linde verkürzte zwar noch einmal, doch Lenny Boos stellte mit einem Powerplay-Treffer den alten Abstand wieder her. Tobias Schwarz setzte mit dem Empty-Net-Tor den Schlusspunkt.
Acht deutsche Tore, sieben verschiedene Torschützen offensiv war das DEB-Team variabel und effektiv. Gleichzeitig offenbarte das Spiel noch einmal die Turnierprobleme: zu viele Strafen, zu viele Gegentore in Überzahl, zu wenig Kontrolle über 60 Minuten.
Ein Klassenerhalt mit Fragezeichen
Sportlich war diese U20-Weltmeisterschaft für Deutschland ein Rückschritt. In der Vorrunde blieb die DEB-Auswahl sieglos, verlor alle Gruppenspiele und schaffte es nur phasenweise, das eigene Leistungsvermögen aufs Eis zu bringen. Zu viele individuelle Fehler, mangelnde Konstanz und eine hohe Strafzeitenlast verhinderten bessere Ergebnisse gegen die internationale Konkurrenz.
Am Ende steht dennoch der Klassenerhalt und der kam nicht zufällig. Im Relegationsspiel gegen Dänemark zeigte Deutschland erstmals über weite Strecken das, was man sich für das gesamte Turnier vorgenommen hatte: Tempo, Tiefe im Angriff und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Dass ausgerechnet das letzte und wichtigste Spiel der einzige deutsche Sieg bei dieser WM war, sagt viel über den Lernprozess dieser Mannschaft aus.
Der erneute Verbleib in der Top-Division ist sportlich enorm wichtig, darf aber nicht über die strukturellen Probleme hinwegtäuschen. Auch DEB-Sportdirektor Christian Künast sprach offen davon, dass diese WM erneut gezeigt habe, wie notwendig Veränderungen im deutschen Nachwuchshockey sind von den Vereinen über die Ligen bis hin zur Nationalmannschaft.
Unterm Strich bleibt ein Turnier, das mehr Fragen als Antworten geliefert hat. Deutschland bleibt erstklassig, ja aber nur, weil es im entscheidenden Moment geliefert hat. Genau darin liegt die größte Lehre dieser U20-WM.



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