Deutschlands U20 ist zurück auf der großen Bühne, und diesmal mehr als nur zum Überleben

Zwischen Weihnachten und Dreikönigstag gibt es für Eishockey Romantiker kaum etwas Schöneres als die U20 Weltmeisterschaft. Wenn die Arenen in Nordamerika beben, Draft-Hoffnungen geboren werden und sich entscheidet, wer der nächste große Name sein könnte. Und mittendrin: Deutschlands U20 Nationalmannschaft. Wieder einmal. Und das ist längst keine Selbstverständlichkeit mehr.

Vom 26. Dezember 2025 bis zum 5. Januar 2026 findet die Junioren WM in Minneapolis und Saint Paul statt. Die DEB Auswahl ist Teil der Top Division ein Status, den man sich in den letzten Jahren hart erarbeitet und ebenso hart verteidigt hat. Die Zeiten, in denen Deutschland automatisch als Abstiegskandidat abgestempelt wurde, sind vorbei. Ganz verschwunden ist dieses Etikett aber noch nicht.

Eine Gruppe, die keine Geschenke verteilt

Deutschland tritt in Gruppe A an und die liest sich wie ein klassisches „Willkommen in Nordamerika“ Szenario: USA, Schweden, Slowakei und die Schweiz. Keine leichten Abende, keine Spiele zum Warmwerden. Schon der Auftakt gegen die USA dürfte eher Standortbestimmung als Punktelieferant sein.

Der Spielplan zwingt das deutsche Team von Beginn an zur Wachsamkeit. Gerade die direkten Duelle mit der Slowakei und der Schweiz werden entscheidend sein, wenn es darum geht, nicht wieder nur den Klassenerhalt abzusichern, sondern vielleicht den Schritt Richtung Viertelfinale zu machen.

Ein Kader mit nordamerikanischer DNA

Was auffällt: Der vorläufige deutsche Kader trägt deutlich kanadische und US amerikanische Handschrift. Viele Leistungsträger spielen in der CHL, in US-Juniorenligen oder im europäischen Ausland. Das Spieltempo, die Physis, die Entscheidungsfindung all das ist näher an der WM Realität als noch vor zehn Jahren.

In der Defensive stehen mobile Verteidiger, die den ersten Pass spielen können, im Tor mehrere Optionen mit internationaler Erfahrung. Offensiv fehlt vielleicht der ganz große Superstar, aber dafür gibt es Tiefe, Tempo und Variabilität. Genau das, was man bei diesem Turnier braucht, wenn man nicht nach fünf Spielen abreisen will.

Abstreiter und der schmale Grat

Cheftrainer Tobias Abstreiter kennt das Turnier, kennt den Druck und kennt die Realität des deutschen Nachwuchseishockeys. Seine Aufgabe ist heikel: aggressiv genug coachen, um Spiele zu gewinnen pragmatisch genug, um nicht alles auf eine Karte zu setzen. Die Balance zwischen Entwicklung und Ergebnis war bei der U20 schon immer ein Drahtseilakt.

Der Klassenerhalt bleibt offiziell das Mindestziel. Inoffiziell weiß aber jeder: Diese Mannschaft kann mehr, wenn sie ihr Spiel durchzieht, special teams funktionieren und die Torhüter die nötigen Saves liefern.

Schlüsselspieler der deutschen

Linus Vieillard, der Ruhepol im Tor

(Spokane Chiefs / WHL)

Wenn Deutschland bei dieser WM Spiele eng halten kann, dann sehr wahrscheinlich wegen Linus Vieillard. Der Goalie bringt nordamerikanische Spielpraxis, gute Technik und vor allem eines mit: Gelassenheit. Vieillard ist kein Show-Torhüter, sondern einer, der Pucks frisst, Rebounds kontrolliert und seiner Defensive Zeit verschafft.

Gerade gegen Teams wie die USA oder Schweden wird er nicht alles halten können aber er kann Spiele lange offenhalten. Und das reicht manchmal schon.

Carlos Händel, der moderne Verteidiger

(Halifax Mooseheads / QMJHL)

Händel ist der Verteidiger, an dem sich vieles ausrichtet. Mobiler Schlittschuhläufer, sauberes erstes Zuspiel, Mut mit dem Puck Eigenschaften, die im internationalen Juniorenhockey entscheidend sind. Er wird Minuten fressen, Powerplay-Zeit bekommen und in kritischen Phasen auf dem Eis stehen.

Wenn Deutschland Struktur im Spielaufbau hat, dann oft über ihn.

Manuel Schams, Physis trifft Verantwortung

(Regina Pats / WHL)

Schams bringt das Element, das man bei einer U20-WM nie unterschätzen darf: körperliche Präsenz. Er spielt einfach, räumt auf, nimmt Checks und scheut keinen Zweikampf. Gerade gegen Nordamerika ist das kein Luxus, sondern Notwendigkeit.

Er wird nicht der auffälligste Spieler sein aber einer der wichtigsten, wenn Spiele kippen könnten.

David Lewandowski Tempo, Tiefe, Unberechenbarkeit

(Saskatoon Blades / WHL)

Lewandowski steht sinnbildlich für eine neue Generation deutscher Stürmer. Speed, Forecheck, Mut zum Drive. Er kann Spiele öffnen, Lücken reißen und gegnerische Verteidiger unter Druck setzen.

Er ist kein klassischer Spielmacher, aber einer, der Dynamik reinbringt und genau das braucht Deutschland, um nicht nur zu reagieren.

Maxim Schäfer, Kreativität unter Druck

(Chicoutimi Saguenéens / QMJHL)

Schäfer ist einer der Spieler, bei denen man hofft, dass sie sich genau auf dieser Bühne zeigen. Gute Hände, Spielübersicht, Instinkt im letzten Drittel. Wenn das deutsche Powerplay funktioniert, wird sein Name nicht weit weg sein.

Die Herausforderung: Konstanz über das gesamte Turnier. Gelingt das, kann er zum echten Unterschiedsspieler werden.

Dustin Willhöft, der unscheinbare Faktor

(Saskatoon Blades / WHL)

Willhöft ist kein Spieler für Highlight-Clips, aber einer für Trainer. Zuverlässig, laufstark, taktisch diszipliniert. Er kann in verschiedenen Reihen spielen, Überzahl wie Unterzahl gehen und tut genau das, was das Spiel verlangt.

Bei Turnieren dieser Art gewinnen oft genau solche Spieler Spiele ohne dass man es sofort merkt.

Mehr als nur eine Momentaufnahme

Die deutsche U20 bei der WM ist längst kein exotischer Gast mehr. Sie ist Teil des Turniers, Teil der Erzählung, Teil der Entwicklung des deutschen Eishockeys. Jeder Klassenerhalt stabilisiert den Standort, jede starke Leistung wirkt nach bis in die DEL, nach Nordamerika und in die nächste Generation.

Ob es 2026 für das Viertelfinale reicht, wird sich zeigen. Sicher ist nur: Deutschland reist nicht mehr an, um sich zu verstecken. Und genau das macht diese U20-WM wieder so verdammt interessant.