Eisige Ernüchterung, heißes Comeback die Ice Tigers antworten mit Herz

Eishockey ist manchmal wie ein Pendel an einem Abend schlägt’s dir mitten ins Gesicht, zwei Tage später trägst du es stolz in der Hand.

Für die Nürnberg Ice Tigers war dieses Wochenende genau das: Freitag in Schwenningen der tiefe Fall, Sonntag gegen Iserlohn das Aufstehen.

Zwischen Enttäuschung, Wut und purer Leidenschaft zeigte dieses Team beides die Schattenseiten eines gebrauchten Abends und die Wucht einer echten Reaktion.

Ein bitterer Freitag

Ein paar Namen auf dem Spielberichtsbogen fehlten, und das nicht irgendwelche: Will Graber, Cole Maier, Josef Eham, Timo Bakos, Eugen Alanov. Dafür endlich wieder dabei: Jake Ustorf nach zwei Monaten Verletzungspause zurück auf dem Eis. Die Ice Tigers mussten also improvisieren, liefen mit zehn Stürmern auf, und trotzdem war da dieses kleine Stück Hoffnung, dass sich aus wenig viel machen lässt.

Doch der Start? Kalt erwischt. Nach nicht mal zwei Minuten zappelte der Puck im Netz, Hungerecker fälschte einen Martinsson-Schuss unhaltbar für Niklas Treutle ab 0:1. Es dauerte, bis Nürnberg reinfand, aber dann: plötzlich Feuer. Brett Murray über links, Barratt und Headrick im Zusammenspiel, Chaos vorm Tor und Barratt drückt die Scheibe über die Linie. 1:1. Der erste Aufschrei, der erste Moment, in dem man spürte: Da geht was.

Nur ein paar Minuten später drehte Karrer das Spiel. Barratt mit Übersicht, Karrer eiskalt durch die Schoner 2:1 Ice Tigers! Der Schlussabschnitt des ersten Drittels? Wild Wings mit Pfostenglück, Nürnberg mit Mut. Es sah nach einem Abend aus, an dem man vielleicht wieder was mitnehmen konnte.

Aber Eishockey kann grausam ehrlich sein. Im zweiten Drittel kam ein Schuss von der blauen Linie, Murray fälschte ihn unglücklich ab 2:2. Dann Larkin mit einem Treffer, der eigentlich gar nicht hätte fallen dürfen, weil er Sekunden vorher Barratt mit dem Stock im Gesicht erwischt hatte. Statt Strafe: 2:3. Und im letzten Drittel? Die Kräfte schwanden, Schwenningen nutzte jede Lücke. 4:2, 5:2 und ein Abend, der symptomatisch war für diese Saison: viel investiert, aber das Glück blieb in der Kabine.

Nur einer, der wieder alles rausgeholt hat: Niklas Treutle. Fünf Gegentore, ja, aber gefühlt doppelt so viele Glanzparaden.

Zwischen Frust und Feuer

Wenn man Freitag in Schwenningen untergeht, kann Sonntag schnell schwer werden. Und doch war da dieses Gefühl, dass die Ice Tigers etwas beweisen wollten. Nicht den Fans, nicht der Tabelle sich selbst.

Die Personallage blieb angespannt, Justus Böttner half im Sturm aus. Und gleich von Beginn an war zu sehen: Nürnberg wollte. Headrick hatte die erste große Chance, Jenike rettete. Auf der anderen Seite hielt Treutle gegen Jentzsch und so ging’s hin und her, bis Karrer von der blauen Linie zog und Dove-McFalls unhaltbar abfälschte. 1:0, Arena laut, Energie da.

Doch Iserlohn war giftig, bissig, kam zurück. Im zweiten Drittel erhöhten die Roosters den Druck, Salsten fälschte zum 1:1 ab, und kurzzeitig sah es aus, als könnte das Spiel kippen. Aber Nürnberg hielt dagegen. Die Defensive blockte, Treutle hielt alles, was kam, und vorne fehlte manchmal nur ein Zentimeter.

Reaktion am Sonntag

Im letzten Drittel dann die Reaktion, die man sich gewünscht hatte.

O’Keefe stellte die Reihen um und plötzlich lief’s. Tempo, Zug zum Tor, Struktur. Haiskanen an die Latte, Ustorf scheiterte knapp und dann das 2:1: Dove-McFalls mit dem Schuss, Murray fälscht unhaltbar ab. Dieses Tor war pure Willenskraft.

Ab da kontrollierte Nürnberg das Geschehen. Jeder Zweikampf wurde angenommen, jeder Schuss geblockt. Treutle, wieder überragend, hielt die Führung fest und als die Roosters den Goalie zogen, war’s ein einziges Aufbäumen gegen den Frust der letzten Wochen. Schüsse, Checks, Blocks alles drin. Und als die Sirene kam, war’s kein lauter Jubel, sondern dieses tiefe, zufriedene Durchatmen.

Ein Wochenende mit zwei Gesichtern:

Freitag der Frust, Sonntag das Feuer.

Und irgendwo dazwischen die Erkenntnis, dass in dieser Mannschaft genug Herz steckt man muss es nur wieder anzünden.