
Es gibt Spieler, die Eishockey spielen. Dann gibt es Spieler, die Eishockey verändern. Börje Salming gehörte zur zweiten Sorte auch wenn er selbst das nie so gesagt hätte. Als Salming 1973 in Toronto ankam, war die NHL eine andere Welt.
Eine Welt, in der man den Namen „Börje“ erstmal buchstabieren musste. Eine Welt, in der Kanadier überzeugt waren, dass nur sie das Spiel wirklich verstanden.
„Wir dachten, die Europäer halten keine Woche durch“, erinnerte sich Leafs-Legende Darryl Sittler später.
„Dann kam Börje. Und wir wussten sofort – das hier ist kein gewöhnlicher Europäer.“
Salming kam aus Kiruna, einem Ort, der mehr Schneestürme als Sonnenstunden zählt. Vielleicht war das sein erstes Geheimnis. Er spielte mit einer Ruhe, die nichts mit Arroganz zu tun hatte, sondern mit Klarheit. Und er kämpfte mit einer Härte, die nicht aus Wut kam, sondern aus Stolz.
Die ersten Jahre waren brutal.
Fans warfen Bierbecher nach ihm, Gegenspieler flüsterten Beleidigungen, und manche Gegner gingen gezielt auf ihn los. Aber Salming wich nie zurück. Er ging in jeden Zweikampf, blockte Schüsse mit allem, was er hatte, und stand wieder auf, wenn er fiel.
„Ich wollte zeigen, dass wir Schweden genauso hart sind wie alle anderen. Vielleicht sogar härter.“
– Börje Salming
Und genau das tat er.
Er spielte 16 Jahre für die Maple Leafs, wurde sechs Mal ins All-Star-Team gewählt und zum Gesicht einer neuen Ära. Nicht, weil er der lauteste war, sondern weil er durch seine Art zu spielen eine ganze Liga umdenken ließ. Vor Salming waren europäische Spieler in der NHL Exoten. Nach Salming waren sie Kollegen.
Der Wegbereiter
Wenn man Mats Sundin, Nicklas Lidström oder Peter Forsberg über Börje Salming sprechen hört, klingt es fast ehrfürchtig.
„Ohne Börje gäbe es mich in der NHL nicht“, sagte Sundin einmal. „Er war der Erste, der den Mut hatte, den Preis für uns alle zu zahlen.“
Forsberg fügte hinzu: „Er war unser Vorbild, unser Beweis, dass schwedische Spieler überall bestehen können.“
Salming war nicht nur ein Verteidiger. Er war ein Symbol.
Ein Mann, der bewies, dass Technik und Härte keine Gegensätze sind. Dass man das Spiel lesen und trotzdem körperlich alles geben kann. Er war die lebende Widerlegung des nordamerikanischen Klischees vom „soften Europäer“. Und ironischerweise genau das, was kanadische Fans am meisten respektieren: ein Spieler mit Herz, Charakter und Schmerzresistenz.
Die Legende
1986, in einem Spiel gegen Detroit, wurde Salming im Gesicht von einem Schlittschuh getroffen über 200 Stiche. Er kehrte Wochen später aufs Eis zurück.Ohne großes Aufsehen, ohne Drama. So war er. „Ich wollte einfach wieder spielen. Das ist, was ich tue.“ In Toronto wurde er zu einer Legende, in Schweden zu einem Nationalhelden. In 1986 schrieb er endgültig Geschichte: Er wurde der erste europäische Spieler, der in die Hockey Hall of Fame aufgenommen wurde. Sein Trikot, Nummer 21, hängt heute unter dem Dach der Scotiabank Arena.Nicht nur, weil er gut war sondern weil er etwas verändert hat, das größer ist als Tore und Assists.
Das Vermächtnis
Als Börje Salming 2022 an ALS erkrankte, zeigte er dieselbe Stärke, die ihn auf dem Eis ausgezeichnet hatte. Sein letzter Auftritt in Toronto, Arm in Arm mit alten Weggefährten, war einer dieser Momente, die sich in die Seele des Sports brennen. 18.000 Menschen standen. Viele weinten und auf dem Videowürfel liefen seine Highlights nicht die Tore, sondern die Blocks, die Checks, die Narben.
Er stand da geschwächt durch eine Krankheit, aber stolz und bekam die größte Ehre, die der Hockeygott vergeben kann:
Respekt. Reinen, echten Respekt.
Mehr als ein Pionier
Börje Salming hat nie ein Stanley-Cup-Finale gespielt. Aber sein Einfluss war größer als jeder Pokal. Er hat bewiesen, dass Herkunft keine Rolle spielt, wenn du alles gibst. Er hat die NHL verändert, ohne sie laut zu kritisieren. Und er hat den Europäern einen Platz in einer Liga erkämpft, die sie einst nicht wollte.
Heute stehen in jedem NHL-Team Europäer auf dem Eis jedes Mal, wenn einer von ihnen in einen Schuss springt, sich aufrappelt und weiterkämpft lebt ein Stück Börje Salming weiter.
„Er war der Mut, der den Weg geebnet hat.“
– Mats Sundin
„Ein echter Krieger. Und einer der Gründe, warum ich Hockey liebe.“
– Nicklas Lidström
Börje Salming war mehr als ein Pionier.
Er war der Beweis, dass Herz und Haltung keine Flagge tragen.
Dass manchmal ein einzelner Schwede reicht, um eine ganze Liga umzuerziehen.
Abschied und Ehrung
Manchmal sind die größten Legenden nicht die, die am meisten reden, sondern die, die einfach tun. Börje Salming war so einer. Er sprach mit seinem Spiel, mit seinem Mut, mit seiner Haltung. Er hat Generationen inspiriert, ohne je danach zu fragen.
Als er 2022 in Toronto ein letztes Mal geehrt wurde, stand er da gezeichnet vom Leben, aber mit demselben Blick, den man schon in den 70ern kannte: ruhig, stolz, unerschütterlich. Das ganze Stadion stand. Kein Applaus aus Höflichkeit es war Dankbarkeit. Echte, rohe Dankbarkeit. Denn Börje Salming hat uns gezeigt, was es wirklich heißt, ein Hockeyspieler zu sein.
Nicht wegen Trophäen, nicht wegen Rekorden. Sondern, weil er nie aufgehört hat, aufzustehen. Sein Trikot hängt unter dem Dach. Sein Mut hängt in jeder Kabine. Und sein Geist der lebt weiter in jedem europäischen Spieler, der heute in der NHL den Puck berührt.
Tack, Börje.
Für alles. 💙


Hinterlasse einen Kommentar