Kölner Haie vor der Saison 2025/26 – Zwischen Defensiv-Bollwerk und Offensiv-Fragezeichen

Die Kölner Haie gehen mit einem runderneuerten Kader in die neue DEL-Saison 2025/26. Sportdirektion und Trainerteam haben den Sommer genutzt, um die Mannschaft gezielt umzubauen – vor allem in der Defensive. Während die Abwehr auf dem Papier so stark wie seit Jahren wirkt, bleiben in der Offensive und im Tor einige Fragezeichen.

Großer Umbruch im Tor

Im Sommer verließen gleich vier Torhüter den Verein: Dean Döge, Július Hudáček, Niklas Lunemann und Mirko Pantkowski. Die wichtigste Verpflichtung in diesem Mannschaftsteil ist Felix Brückmann, der von den Adler Mannheim kommt. Brückmann bringt reichlich DEL-Erfahrung und Ruhe ins Spiel, ist jedoch mit 34 Jahren nicht mehr im Karrierehoch. Hinter ihm steht mit Aaron Kaiser ein junger Keeper, der noch Erfahrung sammeln muss.

Fazit Tor: solide, aber nicht ligaweit in der Spitzenkategorie.

Defensive als neue Stärke

In der Abwehr haben die Haie Qualität und Tiefe massiv gesteigert.

Oliwer Kaski (Finnland) gilt als offensivstarker Verteidiger mit einem harten Schuss. Valtteri Kemiläinen, ebenfalls finnischer Nationalspieler, bringt Übersicht und Passqualität mit. Luca Münzenberger soll mit Physis und Defensivdisziplin Stabilität geben. Sten Fischer ist ein entwicklungsfähiges Talent.

Mit dieser Mischung aus internationaler Erfahrung, spielerischer Klasse und körperlicher Präsenz könnten die Haie defensiv zu den Top-4-Teams der DEL zählen.

Fazit Abwehr: deutliche Verstärkung, potenzielles Prunkstück der Mannschaft.

Offensiv wichtige Säulen verloren

Der schmerzhafteste Einschnitt erfolgte im Sturm: Mit Justin Schütz, Tim Wohlgemuth und Alexandre Grenier gingen drei der torgefährlichsten Spieler des Teams. Auch Josh Currie und das Talent Håkon Hänelt verließen den Klub.

Neu im Angriff sind unter anderem Dominik Bokk, der großes Scorerpotenzial hat, jedoch auf Konstanz angewiesen ist, sowie die robusten Angreifer Ryan MacInnis, Patrick Russell und Nate Schnarr. Dominik Uher bringt Zweikampfstärke und Erfahrung mit.

Diese neue Offensivformation wirkt physisch stärker, aber möglicherweise weniger kreativ als in der Vorsaison.

Fazit Sturm: solider Kern, aber fehlende Top-Scorer könnten zum Problem werden.

Können die Haie den Vizemeistertitel verteidigen?

Die Antwort fällt differenziert aus. Die Defensive ist klar verbessert und könnte in den Playoffs den Unterschied machen. Doch die Abgänge der Offensiv-Leistungsträger Schütz, Wohlgemuth und Grenier wiegen schwer – ihre Fähigkeit, in engen Spielen das Tor zu erzwingen, fehlt vorerst.

Was dagegen spricht:

Weniger bewährte Torjäger als im Vorjahr Torhüterposition nicht mehr ganz auf dem Niveau eines Hudáček in Bestform Stärkere Konkurrenz durch Berlin, Mannheim und Straubing

Was dafür spricht:

Starke, erfahrene Abwehr Physisch robusteres Team, das in Playoff-Serien schwer zu knacken ist Playoff-Erfahrung und Selbstvertrauen aus der Vizemeistersaison

Einschätzung:

In der Hauptrunde ist ein Platz zwischen 4 und 6 realistisch. Für eine erneute Finalteilnahme müssten ein oder zwei Neuzugänge in der Offensive deutlich einschlagen. Die Chance auf die Verteidigung des Vizemeistertitels liegt bei etwa 20–25 % – möglich, aber eher Außenseiterrolle.

Ausblick auf die Saison

Die Kölner Haie stehen vor einer Saison, in der die Defensive den Ton angeben dürfte. Ein kompaktes Spielsystem, unterstützt durch erfahrene Verteidiger und einen abgeklärten Torwart, könnte die Mannschaft weit nach vorne bringen. Entscheidend wird sein, ob die Offensive genug Durchschlagskraft entwickelt, um enge Spiele zu entscheiden.

Best-Case: Platz 4 oder 5 – wenn die Defensive dominiert und die neuen Stürmer einschlagen.

Worst-Case: Platz 6 oder 7 – wenn das Toreschießen zur Dauerbaustelle wird.

Fazit

Die Haie gehen mit einem klaren Profil in die Spielzeit: hart zu bespielen, defensiv stabil, körperlich präsent. Doch wer in der DEL um die ganz großen Ziele mitspielen will, braucht verlässliche Torjäger – und genau hier liegt die größte Unbekannte. Die Vizemeisterschaft zu verteidigen wäre ein starkes Ausrufezeichen, erfordert jedoch fast perfekte Umsetzung des neuen Spielplans.