Toronto Maple Leafs: Viel Talent, wenig Substanz – Was läuft schief beim ewigen Hoffnungsträger?

Die Hoffnung war so groß wie lange nicht. Mit 52 Siegen, 26 Niederlagen und 108 Punkten sicherten sich die Toronto Maple Leafs in der Saison 2024/25 den 1. Platz in der Atlantic Division – vor Schwergewichten wie Boston und Florida. Alles schien angerichtet für einen tiefen Playoff-Run.

Doch dann kam alles anders. Wieder einmal. Die Leafs scheiterten in der zweiten Runde – und die Fans fragen sich: Wie kann ein so starkes Team so schwach enden?

Zeit für eine ehrliche Analyse.

1. Die „Core Four“ – Ein Luxusproblem

Die Stars sind das Aushängeschild, aber auch der Klotz am Bein. Auston Matthews, Mitch Marner, William Nylander und John Tavares vereinen individuelle Klasse – doch in der Crunch-Time bleiben sie ruhig.

Fast 53 % des Salary Cap sind auf diese vier verteilt. Das macht das Team anfällig, sobald die Top-Reihe nicht liefert. Besonders Marner, dessen Vertrag 2025 ausläuft, steht nach einer enttäuschenden Postseason massiv in der Kritik. Ein Trade ist nicht ausgeschlossen – der Marktwert ist hoch.

2. Dominant in der Regular Season – löchrig in der Defensive

Mit 108 Punkten war Toronto eines der stärksten Teams der regulären Saison – offensiv wie defensiv aktiv, strukturiert im Spielaufbau. Aber die Defensive offenbarte Schwächen, die in den Playoffs gnadenlos ausgenutzt wurden.

Trotz erfahrener Verstärkungen wie Chris Tanev und Oliver Ekman-Larsson kassierten die Leafs im Schnitt 3,18 Gegentore pro Spiel – ein Mittelwert, der über die Saison kaschiert, wie wackelig das Fundament wirklich ist.

3. Kein Rückhalt im Tor

Was allen großen Playoff-Teams gemeinsam ist: ein überragender Goalie. Den haben die Leafs nicht. Joseph Woll ist talentiert, aber verletzungsanfällig. Matt Murray? Zu unzuverlässig. Samsonov und Stolarz konnten keine Konstanz bieten. Das Resultat: Kein Vertrauen, keine Stabilität – und keine Serie gewonnen, wenn es wirklich zählte.

4. Tiefe, die keine ist

Toronto lebt von seinen Stars – aber dahinter wird’s dünn. Die Bottom Six produzieren zu wenig, das Farm-System gibt kaum NHL-ready-Spieler her. Wer sich nicht auf die erste Reihe verlassen kann, muss Optionen haben – die Leafs haben sie (noch) nicht.

Ein strukturelles Problem, das aus einer jahrelangen Win-Now-Strategie resultiert.

5. Nervenflattern und Führungsfragen

Das 1:6 in Spiel 7 gegen Florida war ein mentales Debakel. Kein Kampf, keine Reaktion, keine Antwort. Fans warfen Bierbecher, die Stimmung kippte. Die Frage stellt sich: Wer führt dieses Team wirklich an?

Craig Berube übernahm als neuer Coach – doch die Probleme liegen tiefer. Präsident Brendan Shanahan wirkt ideenlos. Die Führungsriege muss sich endlich ehrlich fragen, ob sie bereit ist, lieb gewonnene Strukturen aufzubrechen.

Fazit: Starke Saison, bitteres Ende – und ein überfälliger Umbruch

Ja, 52 Siege sind stark. Ja, Platz 1 in der Atlantic ist ein Statement. Aber all das bedeutet nichts, wenn der Frühling eher kommt als erwartet.

Die Maple Leafs brauchen mehr als nur ein paar neue Namen – sie brauchen eine neue Philosophie, neue Tiefe, vielleicht sogar einen neuen Kern. Sonst bleibt Toronto auch nächstes Jahr:

Das beste Team, das nie gewinnt.